Kirch-Prozess

Deutscher Bank droht Milliardenschaden

In München wird derzeit über die Schadenersatzklage der Kirch-Erben gegen die Deutsche Bank verhandelt. Dem Dax-Konzern drohen Zahlungen in Milliardenhöhe. Aber das ist nicht das einzige Problem, das die Bank hat.
11 Kommentare
Prozessakten des Gerichtsverfahrens der Kirch-Erben gegen die Deutsche Bank. Quelle: dpa

Prozessakten des Gerichtsverfahrens der Kirch-Erben gegen die Deutsche Bank.

(Foto: dpa)

MünchenDie Erben des Münchener Medienunternehmers Leo Kirch haben gute Chancen, von der Deutschen Bank Schadensersatz zu bekommen. In der seit Jahren erbittert geführten Auseinandersetzung zeichnet sich eine Niederlage des Geldhauses vor dem Oberlandesgericht München ab. Richter Guido Kotschy wiederholte heute Morgen seine bereits am letzten Verhandlungstermin geäußerte Einschätzung.

Demnach hat der ehemalige Deutsche-Bank-Chef Rolf. Breuer mit einem Interview den vor der Pleite stehenden Leo Kirch in die Enge getrieben, um einen Sanierungsauftrag zu ergattern. Allerdings betonte Kotschy, dass er die Forderungen der Kirch-Seite nicht in vollem Umfang anerkennen werde, zahlreiche in der Klage genannte Kirch-Gesellschaften hätten keinen Schaden erlitten. Die Verhandlung dauert noch an.

Schwarze Tage für Fitschen und Jain

Nach einer Woche voller Rückschläge droht der Deutschen Bank damit eine weitere Hiobsbotschaft. Das Oberlandesgericht München könnte das Finanzinstitut zu Schadenersatz im milliardenschweren Streit mit den Erben des untergegangenen Medienkonzerns Kirch verurteilen. Bereits im November hatte Kotschy gesagt, Kirch dürfte durch das umstrittene Interview von Ex-Bankchef Rolf Breuer zur Kreditwürdigkeit des inzwischen verstorbenen Medienzars ein Schaden von 120 Millionen bis 1,5 Milliarden Euro entstanden sein. Einen Vergleich zwischen den Streithähnen, den der Richter nach rund einem Jahrzehnt voller Prozesse wiederholt angeregt hatte, lehnt die Deutsche Bank ab. Prozessbeobachter gehen davon aus, dass der zuständige Kotschy beide Parteien erneut zu Vergleichsverhandlungen auffordern wird. Das Finanzinstitut machte diese Woche bereits mit einer Großrazzia sowie einer Gewinnwarnung Schlagzeilen.

Die Kirch-Familie macht die Deutsche Bank für den Zusammenbruch des Medienimperiums verantwortlich und fordert Schadenersatz in Milliardenhöhe. Auslöser war ein Interview von Ex-Bankchef Rolf Breuer vor zehn Jahren, in dem er Zweifel an der Kreditwürdigkeit Kirchs geweckt hatte. Anschließend drehten die Geldgeber Kirch nach Ansicht der Familie den Geldhahn zu. Die Bank bestreitet diesen Zusammenhang.

Die letzten Vergleichsverhandlungen waren Anfang des Jahres gescheitert. Damals lehnte der Bank-Vorstand einen fertig ausgehandelten Vorschlag einvernehmlich ab. Demnach hätte die Bank Insidern zufolge für die Beilegung der Fehde gut 800 Millionen Euro zahlen müssen. Anwälte hatten nach Reuters-Informationen bezweifelt, dass ein solch teurer Vergleich Klagen anderer Aktionäre standhalten könnte.

Sollte die Deutsche Bank vor dem Oberlandesgericht eine Niederlage kassieren, könnte sie vor den Bundesgerichtshof ziehen - wenn dieser Schritt zugelassen wird.

Fitschen wegen Steuer-Razzia unter Druck
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

11 Kommentare zu "Kirch-Prozess : Deutscher Bank droht Milliardenschaden"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Aber , aber....Herr Fitschen spricht doch von sich selbst als immer ehrbaren Kaufmann. Stellt sich die Frage : "Kann man als ehrbarer Kaufmann tatsächlich noch in einem DAX-Unternehmen in Deutschland arbeiten?"
    Herr Fitschen hat es an die Spitze eines Bakenriesen geschafft. Dorthin kommt man jedoch nur als "in der Branche berühmter Gauner u. Halunke", das ist jedem ehrbaren Kaufmann in DEutschland bekannt, Herr Fitschen!

  • Ach, Deutschland hat auch mit Korruption und Kriminalität auf höchster Ebene zu tun. Deutsche Bank. Einer der heiligsten Institute Deutschlands! Wenn dort die Moral und Wertegefühle verloren gehen, wie spiegelt es sich dann im unterem Segment der Normalsterblichen ab. Jungs, Mädels wir müssen gar nicht in den Süden sehen, wir haben das Gleiche Theaterspiel hier.

  • Die Deutsche Bank glaubt sich als Systemrelevantes Unternehmen mit Rückendeckung aus den höchsten politischen Kreisen, wie Dagobert Duck zu benehmen.
    Hoffentlich erkennen endlich die entscheidenden Politiker, das die Deutsche Bank endlich an die Kandarre gelegt werden muß!

  • Herr Fitschen, wenn Ihre Meute
    - aufhört, Handwerkerexistenzen als Peanuts anzusehen
    - aufhört, gestandene Mittelständler rauszuwerfen, weil sie ihren Gewinnvorstellungen nicht mehr entsprechen
    - im Fernsehen keine Kunden mehr exekutiert
    - Kommunen und Mittelständler nicht mehr mit völlig undurchsichtigen Zins- und Derivatgeschäften rasiert
    - aufhört, mit Victory-Zeichen zu zeigen, was sie von Recht und Anstand hält
    - das Zocken mit Lebensmitteln einstellt
    - mal 20 Jahre lang keine Basiszinsen (LIBOR / EURIBOR) manipuliert
    - die Bilanz Ihres Hauses zur Abwechslung mal nicht fälscht
    - sich vor einem Ausschuss des Deutschen Bundestags (das ist eine ziemlich wichtige Einrichtung) mal nicht geriert, wie ein muffiger Zuhälter auf einem Polizeirevier
    - keine Steuern hinterzieht, sondern auch mal sogar in Deutschland bezahlt, ohne sich mit Bilanztricks arm zu rechnen
    - erkennt, dass es sich bei Mitarbeitern der Postbank um echte Menschen handelt
    - sich mal wieder erinnert, wie sich Banker zu Zeiten von Hermann Josef Abs benommen haben,

    dann, ja dann könnte es mal wieder was mit einem guten Image werden.

    Allerdings: Ein gutes Image kann man nicht ruckzuck wie einen Gewinn pushen. Da werden Sie sich einige Jahre anstrengen müssen. Einige Jahre ohne Gaunereien? Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass die DB das schafft!

    Der gute Abs hat sich auf alle Fälle schon so oft im Grab gedreht, dass er bald in China rauskommt.

  • Seit dem Tod von Herrn Herhausen hat die Deutsche Bank doch vermehrt Vorstände gekürt, die nicht mehr dem Bild entsprachen, das bis dato von den "hohen Herren" der bedeutendsten Bank Deutschlands erwartet wurde.

    Vor Herrn Breuer gab es da doch den "Penuts-Vorstand", danach den "Victory-Zeichen-" und "25%er"-Vorstand.

    Und als ob dies nicht schon genug gewesen ist, wird sie nun von zwei Co-Vorständen geführt, von denen der eine im Libor-Scandal verwickelt ist, und der andere nicht weis, wofür er mit seiner Unterschrift haftet (Umsatzsteuer-Scandal).

    Aber immerhin stimmt der Werbespruch, denn: "Leidenschaft ist eine Eigenschaft die Leiden schafft!"

    Wieviele Kunden, Geschäftspartner und Behörden rund um die Welt können dies bestätigen?

  • @Hagbard_Celine:
    Auch ich schließe mich Ihrer Anaylse gerne an! In Großbritannien kommt in der Politik schon lange keiner mehr hoch, der nicht vorher Murdochs Rosette geleckt hat. Wer nicht lecken will, findet sich mit pikanten Anspielungen auf den Titelseiten außergewöhnlicher Qualitätsmedien wie der Sun wieder.

    In Amerika hat sich so z.B. der Sender Fox-News als Quelle seriösester Informationen für die Volksintelligenzierung verdient gemacht.

    Der bedauernswerte Herr Fitschen:
    Hat sich schon so auf sein Geburtstags-Kanzleramtsdinner mit Angie gefreut. Und dann trampeln die Bullen völlig unsensibel bis in Durchlauchts Zwillingsturmgemächer.

    Hat man Sie auf Ihrem beachtlichen Weg ins Chefbüro 150 Meter über Ihren Normalnullen nicht darüber aufgeklärt, dass Unterschriften mitunter nickliche Konsequenzen haben können? Haben Sie sich schon einmal Gedanken darüber gemacht, warum Steuererklärungen Ihres Hauses nicht vom Tankwart des Skatbruders Ihres Pförtners unterschrieben werden dürfen? Und warum Sie so viel Geld und der Tankwart des Skatbruders Ihres Pförtners so wenig Geld verdient? Hin und wieder kann es halt vorkommen, dass Vielverdiener auch viel Verantwortung haben.

    Sie fühlen sich ungerecht behandelt und wollen, dass Ihr Management wieder dafür sorgt, dass das Verbrecher- und Betrügerimage Ihrer mafiösen Geldvermehrungsmaschine besser wird? Da habe ich einen prima Tipp:

    Sorgen Sie einfach dafür, dass Kriminalität, Gier, Heimtücke und Sprupellosigkeit als oberste Handlungsmaximen aus Ihren (natürlich inoffiziellen) Unternehmsleitlinien gestrichen werden.

  • Kirch dürfte durch das umstrittene Interview von Ex-Bankchef Rolf Breuer zur Kreditwürdigkeit des inzwischen verstorbenen Medienzars ein Schaden von 120 Millionen bis 1,5 Milliarden Euro entstanden sein<

    Ein Schaden zwischen 0,12 und 1,5 Milliarden Euro.
    Der Richter scheint sich ja sehr klar zu sein,
    wie hoch der Schaden nun wirklich ist.
    Die Kirch-leute würden sicher gern 2 Milliarden kassieren auch wenn ihnen in Wirklichkeit gar kein Schaden entstanden ist, denn Pleite waren sie sowieso.

  • HC- ich stimme in ihrem Verdacht voll zu und werde noch deutlicher. Die eng befreundeten Familien Springer und Bertelsmann glauben sowieso, dass Sie diejenigen währen, die ständig Glauben, Deutschland neu erfinden zu müssen.
    Es stellt sich für mich auch die Frage, wer hat in Wirklichkeit Wulf abserviert?

  • Die suche nach dem Täter beginnt mit der Suche nach dem Motiv...

    http://www.handelsblatt.com/unternehmen/it-medien/prosiebensat-1-springer-erringt-spaeten-sieg-ueber-medienwaechter/6212824.html

    " Der Verfassungsschutz dient dem Schutz der freiheitlichen demokratischen Grundordnung, des Bestandes und der Sicherheit des Bundes und der Länder."



  • #Hagbard_Celine
    Ich gratuliere Ihnen zu Ihrer messerscharfen Analyse!
    Unsere Bundesregierung ist keineswegs besser als die ehemalige DDR-Regierung - nur versteht sie sich vor der Öffentlichkeit geschickter darzustellen. --- Der Schein trügt!

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%