Kirch-Prozess
Showdown mit Josef Ackermann

Es ist der vorläufige Höhepunkt der Dauerfehde zwischen Leo Kirch und der Deutschen Bank: Der halbe Vorstand des Instituts läuft vor Gericht auf. Soeben ist Josef Ackermann in den Zeugenstand getreten.
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MünchenDer Saal unter dem Dach des Münchener Oberlandesgerichts im vierten Stock ist die perfekte Bühne für ein Justizspektakel. Die hohe Giebeldecke mit den restaurierten Holzbalken gibt dem lichtdurchfluteten Raum eine loftartige, fast schon sakrale Anmutung.

Und kurz vor 16 Uhr ist es endlich so weit. Im Blitzlichtgewitter betritt Josef Ackermann den Saal. Nein, nicht Vorstandssprecher, sondern Vorstandsvorsitzender sei er heute, verbessert er gut gelaunt den Richter. Einen blauen Anzug trägt der Chef der Deutschen Bank, dessen Job vor ein paar Jahren vom Sprecher des Vorstands zum Chef aufgewertet wurde, dazu die passende blaue Krawatte. Mitten in der Phalanx des Spitzenpersonals der Deutschen Bank nimmt er Platz.

Das Justizdrama zwischen Leo Kirch und Deutschlands größtem Geldhaus ist an diesem Donnerstag in eine neue Runde gegangen. Die gesammelte Führungsspitze hat sich eingefunden: neben Ackermann auch Aufsichtsratschef Clemens Börsig, Technologie- und Personalvorstand Hermann-Josef Lamberti und der frühere Vorstand Tessen von Heydebreck.

Immerhin geht es um den guten Ruf der Bank.

Es ist ein weiterer Höhepunkt in dem seit Jahren schwelenden Rechtsstreit. Der Medienunternehmer macht den früheren Vorstandssprecher Rolf. E. Breuer für den Zusammenbruch seiner Firmengruppe vor fast zehn Jahren verantwortlich und fordert Schadensersatz in Milliardenhöhe. Dem heute 84-jährigen Kirch gehörten neben einer großen Spielfilm-Sammlung mit mehr als 10.000 Titeln die Sender Pro Sieben, Sat. 1, N24 und DSF.

Als Kirchs Konzern 2002 unterging, war Breuer Vorstandssprecher von Deutschlands größtem Geldhaus. Kirch macht ihn persönlich für die Geschehnisse in diesem Jahr verantwortlich. Breuer hatte am 4. Februar 2002 kurz vor der Kirch-Pleite beim Nachrichtensender Bloomberg TV ein mittlerweile legendäres Interview gegeben, in dem er die Kreditwürdigkeit Kirchs angezweifelt hatte. Der Kernsatz: "Was alles man darüber lesen und hören kann ist ja, dass der Finanzsektor nicht bereit ist auf unveränderter Basis noch weitere Fremd- oder gar Eigenmittel zur Verfügung zu stellen."

Kommentare zu " Kirch-Prozess: Showdown mit Josef Ackermann"

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  • Si tacuisses ... da ist dem ao eloquenten Herrn Dr.Breuer mal ein Satz zu früh über die Lippen gekommen. Es wusste allerdings wohl jeder, dass Kirch am Ende war und es dürfte Herrn Kirch wohl am meisten geärgert haben, dass die Deutsche Bank ihre Kredite an ihn schon lange vorher so abgesichert hatte, dass sein Bruch sie nichts mehr kostete. Kirch hat immer hoch gepokert und er liebt es eben immer noch am Tisch zu sitzen, wenn der jetzt auch im Gericht steht.

  • "Immerhin geht es um den guten Ruf der Bank"

    Dem Handelsblatt dürfte aus eigenen Artikeln bekannt sein, an welchen Fronten die Dt. Bank z.Zt. ihren Ruf verteidigen muss. Ein Gerichtsverfahren nach dem Anderen! Um Mrd. wird gestritten.

    Diese Bank mag zwar Systemrelevant sein, aber einen guten Ruf hat sie schon lange nicht mehr.

    Wer hat sie gesehen? Sie ist schon lange abhanden gekommen! Die Ehre.

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