Kirch vs. Deutsche Bank: Das wohl teuerste Fernsehinterview aller Zeiten

Kirch vs. Deutsche Bank
Das wohl teuerste Fernsehinterview aller Zeiten

Den Tag wird der damalige Deutsche-Bank-Chef Breuer nie vergessen. In einem Interview hatte er die Kreditwürdigkeit von Leo Kirch angezweifelt. Jetzt ist klar: Diese Äußerung wird die Bank wohl 800 Millionen Euro kosten.
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MünchenLeo Kirch war ein Freund der klaren Worte. „Erschossen hat mich der Rolf“, sagte der Medienunternehmer - und zielte damit auf den ehemaligen Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer. Kirch behauptete bis zu seinem Tod, dass ein Interview, das Breuer der Nachrichtenagentur Bloomberg gegeben hatte, für den Zusammenbruch seines Medienimperiums verantwortlich gewesen sei. „Was man alles lesen und hören kann, ist, dass der Finanzsektor nicht bereit ist, auf unveränderter Basis noch weitere Fremd- oder Eigenmittel zur Verfügung zu stellen“, sagte Breuer damals über Leo Kirch.

Mit dieser Aussage aus dem Jahr 2002 hat Breuer das wahrscheinlich teuerste Interview der Welt gegeben.

Wie das Handelsblatt aus Verhandlungskreisen erfuhr, haben sich die Erben des verstorbenen Medienunternehmers Leo Kirch und die Deutsche Bank jetzt auf einen Vergleich in ihrem milliardenschweren Streit um die Pleite des Kirch-Konzerns im Jahre 2002 geeinigt. Demnach soll Deutschlands größtes Geldhaus der Kirch-Seite über 800 Millionen Euro zahlen. Geht alles glatt über die Bühne, geht der Betrag jeweils zur Hälfte an den Insolvenzverwalter Michael Jaffé und die Kirch-Familie einschließlich Stiftung, hieß es heute in Verhandlungskreisen. Über das Wochenende trafen sich die Parteien, um Einzelheiten abzustimmen. Im Gegenzug sind damit alle Schadenersatzforderungen für das größte deutsche Geldhaus erledigt.

Die Bank wollte die Berichte auf Anfrage des Handelsblatts nicht kommentieren. Die Anwälte der Kirch-Seite waren ebenso wie das Oberlandesgericht München (OLG) zunächst nicht erreichbar. Der Vorstand der Deutschen Bank muss dem Vergleich auf seiner nächsten Sitzung am Dienstag noch zustimmen.

Kirch-Insolvenzverwalter Michael Jaffé wollte sich gestern nicht zu der Einigung äußern. Im Verhandlungsumfeld geht man davon aus, dass die Insolvenzverwaltung stets über die Gespräche infomiert war. Schließlich können sich die Gläubiger auf einen Geldsegen freuen: Nach Informationen des Handelsblatts soll die Hälfte der Vergleichssumme an den Insolvenzverwalter fließen. Damit dürfte die Auszahlungsquote im Fall Kirch deutlich steigen. Bislang waren 16 Prozent der anerkannten Forderungen in Höhe von vier Milliarden Euro beglichen worden. Dies war bereits eine Quote, die deutlich über dem Schnitt bei Insolvenzen in Deutschland lag. Zudem dürfte die Einigung zwischen der Kirch-Seite und der Deutschen Bank das Insolvenzverfahren verkürzen, da der Streit einer der wichtigsten noch offenen Punkte war.

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  • Es ist eine Justiz-Skandal.
    Die Pleite von Kirch hat Anleger bereits Milliarden durch entgangene Gewinne gekostet.

    Jetzt erhalten die Kirch-Erbe weitere 400 Millionen Euro aufgrund einer Dolchstoßlegende. Kirch hat nicht mals 16% seiner Schulden begliechen!!!
    Die Schuld liegt nicht bei Breuer sondern bei dem skandalösen Verhalten des Gerichts.
    Münchner Gerichte sind befangen.

    Anleger werden enteignet.

  • Es ist einen Riesen-Skandal für die Deutsche Justiz.
    Schlimmer als bei der amerikanischen Justiz, wenn eine Frau 1 Million Euro erhält, wenn Sie Ihren Katz in dem Mikrowelllen Ofen gesteckt hat.

    Kirch war pleite. Jeder wußte das. Bis jetzt sind nicht 16% der Schulden von Kirch begliechen: die Situation von Kirch war viel schlimmer als di Situation von Griechenland jetzt.

    Muss die Deutsche Bank für die Heizungskosten im Winter bezahlen, wenn am 15. November die Deutsche Bank sagt, dass man auf Winter zusteuert?

  • Breuer hat sicherlich einen Fehler gemacht. Aber ich frage mich auch, wie solide war ein Unternehmen aufgestellt, wenn eine einzige solche Aussage den Untergang bedeutet. Vielleicht hat Breuer auch nur einen noch gewaltigeren Crash verhindert.

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