Klage eingereicht
Aluminium bringt Goldman Sachs Ärger

Die mögliche Beeinflussung des Aluminiummarkts durch die US-Großbank Goldman Sachs beschäftigt ein Gericht. Gegen die Bank und eine Metallbörse ist Klage eingereicht worden. Der Vorwurf: Verstoß gegen Wettbewerbsrecht.
  • 3

Hong KongDas Aluminium-Unternehmen Superior Extrusion hat bei einem Bundesgericht in Detroit Klage gegen die US-Investmentbank Goldman Sachs und die Londoner Metallbörse (LME) eingereicht. Der Vorwurf: Beide Unternehmen beschränkten das Angebot an Aluminium und trieben dadurch die Preise für das Leichtmetall in die Höhe. Damit verstießen die Beklagten gegen Wettbewerbsrecht.

Die Börse von Hong Kong, Mutter der LME, teilte mit, derzeit rechtlichen Beistand wegen der Vorwürfe in Anspruch zu nehmen. Eine erste Überprüfung sei aber zum Ergebnis gekommen, dass die Klage gegenstandslos sei. Die Vorwürfe würden entschlossen zurückgewiesen. Auch ein Goldman-Sachs-Sprecher wies die Vorwürfe zurück.

Die „New York Times“ hatte vor zwei Wochen berichtet, wie eine Beeinflussung des Aluminiummarkts zu funktionieren scheint – ohne den Vorwurf rechtlicher Verstöße zu erheben. Die LME lizenziert Lagerhäuser für den Rohstoff und schreibt vor, dass aus einem Lager mindesten 3.000 Tonnen pro Tag ausgeliefert werden müssen. Die Zeitung berichtete, dass Goldman Sachs aber Barren zwischen eigenen Lagerhäusern hin und her fuhr, um diese Regelung zu umgehen. Gabelstapler-Fahrer berichteten, die sich über die merkwürdigen Touren gewundert hätten.

Goldman Sachs hatte die Lagerfirma Metro International Trade Services im Jahr 2010 gekauft. Dort wird ein Viertel des auf dem US-Markt verfügbaren Aluminiums gelagert. Die Bank soll die Lieferzeiten für Aluminium über die Tochterfirma in die Länge gezogen und davon im großen Stil profitiert haben – nicht nur aufgrund der Mieteinnahmen. Denn eine Auswirkung längerer Lieferzeiten sind höhere Preise auf dem Tagesmarkt für Aluminium. Der Rohstoff in den Lagerhallen gehört laut „New York Times“ hauptsächlich nicht Industriekunden, sondern Banken, Hedgefonds und Rohstoffhändlern. Diese zahlten zwar Miete, können beim Verkauf aber auch Aufschläge für die Lagerdauer verlangen.

Goldman Sachs bekräftigt, sich an alle Regeln der LME gehalten zu haben. Außerdem könne Aluminium auch direkt bei Produzenten bezogen werden, ohne eine Lagerfirma zu bemühen. Außerdem sei Goldman nicht in das Tagesgeschäft von Metro involviert. In der Vergangenheit waren Lieferengpässe unter anderem mit einem Mangel an Fahrern begründet worden. Angesichts der aktuellen Diskussion hatte Goldman Sachs vergangene Woche den Metro-Kunden angeboten, gekauftes Aluminium unverzüglich auszuliefern.

Ein Manager der Großbrauerei Miller Coors hatte in einem Statement für eine Senatsanhörung in Washington den Vorwurf bekräftig, dass die weltweiten Ausgaben auf dem Aluminiummarkt allein im vergangenen Jahren um drei Milliarden Dollar in die Höhe getrieben worden seien. Die Regeln der LME führten zu künstlichen Begrenzungen des Aluminium-Angebots. Miller Coors braucht Aluminium für die Produktion von Bierdosen.

Martin Dowideit, Leiter Digitales, Handelsblatt.
Martin Dowideit
Handelsblatt / Leiter Digitales
Agentur
Bloomberg 
Bloomberg / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Klage eingereicht: Aluminium bringt Goldman Sachs Ärger"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Interessant, dass man im Kapitalismus durch vollkommen sinnloses hin- und herfahren viel Geld verdienen kann.

    Hier noch ein paar interessante Ideen:

    Lebensmittel (Weizen), Medikamente (Impfstoffe), Strom oder gar CO2 zurück halten, um dann damit Geld zu verdienen.

    Ach was! Schaffen wir einfach Monopole und gut ist. Dann haben wir eine ordentlich funktionierende Marktwirtschaft gemäß dem Wirtschaftsmodell der Banken.

  • Niemand steht über dem Gesetz - auch Goldman Sachs nicht. Betrügereien gehören bestraft. Aktuell im Alu-Bereich.

    Warum ist Europa zu feige, Goldman Sachs wegen der von ihnen manipulierten Eu-Eintritts-Zahlen für Griechenland
    vor Gericht zu stellen?

  • Zweifelhafte Geschäfte, div. Manipulationen,Betrügereien -
    wann immer das in der Finanzwelt passiert, ist meistens Goldman Sachs darin verwickelt.
    Jetzt offenbar im Alu-Geschäft. Eine höchst zweifelhafte Bank mit krimineller Energie. Schließlich war es Goldman Sachs, die die gefälschten Zahlen für den EU-Eintritt Griechenlands produziert hat.

    Höchste Zeit, daß Goldman Sachs dafür vor Gericht gestell wird und zu hohem Schadenersatz verurteilt wird - oder gleich Entzug der Banklizenz in Europa.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%