Klaus Nieding
„Ich hätte noch ein Jahr damit gewartet"

Aktionärsschützer und DSW-Vizepräsident Klaus Nieding beobachtet zwar Fortschritte bei der Commerzbank. Im Interview erklärt der Anwalt aber, warum Bankchef Blessing auf seinen Bonus hätte verzichten sollen.
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FrankfurtKlaus Nieding ist Vizepräsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Als Vertreter der Kleinaktionäre liest der Anwalt dem Commerzbank-Chef Martin Blessing auf Hauptversammlungen regelmäßig die Leviten. Im Interview erklärt er, warum er in diesem Jahr die jüngste Kapitalerhöhung der Bank und den Bonus für Blessing aufs Korn nehmen wird.

Herr Nieding, die Commerzbank hat quasi über Nacht noch einmal ihr Eigenkapital erhöht. Was halten Sie von diesem Schritt?

Es war für mich einigermaßen überraschend, dass die Commerzbank erneut an den Kapitalmarkt geht. Was mich stört: Das Kapital dient nicht einmal neuen Investitionsvorhaben. Sinn und Zweck reduziert sich auf die Stärkung der Eigenkapitalbasis. Das ist ein Zeichen der Schwäche, denn das zeigt: Aus eigener Kraft war die Bank dazu nicht in der Lage.

Tröstet es Sie denn wenigstens, dass die Bank nun zumindest Vorbereitungen für eine Dividende im nächsten Jahr trifft?

An eine Dividende glaube ich erst, wenn es dafür eine entsprechende Beschlussfassung gibt.

Fest steht zumindest, dass die Aktionäre auch in diesem Jahr leer ausgehen. Martin Blessing erhält dagegen erstmals seit der Finanzkrise wieder einen Bonus. Hat er diesen Bonus verdient?

Ich bin der letzte, der jemandem Zahlungen missgönnt oder etwas dagegen hat, dass Manager leistungsbezogen motiviert werden. Im Vergleich zu anderen Banken sind die Gehälter der Commerzbank auch nicht ungerechtfertigt hoch. Allerdings ist die Commerzbank aber auch keine normale, sondern eine politische Bank. Da braucht es Fingerspitzengefühl.

Hatte Martin Blessing dieses Fingerspitzengefühl, als er seinen diesjährigen Bonus akzeptierte?

Ich hätte an seiner Stelle noch ein Jahr damit gewartet. Die Bank ist sicherlich in verschiedenen Bereichen gut vorangekommen, zum Beispiel beim Abbau ihrer Altlasten. Sie hat außerdem den Stresstest der Europäischen Zentralbank überstanden. Aber über den Berg ist die Commerzbank noch nicht. Und wie nachhaltig der Erholungsprozess ist, der sich in den guten Zahlen zum ersten Quartal gezeigt hat, muss sich auch erst noch zeigen.

Auf der Hauptversammlung wird unter anderem über ein neues Vergütungssystem abgestimmt. Wie stehen Sie zu dem Vorschlag, die möglichen Boni für Vorstände auf bis zu 140 Prozent des Festgehalts anzuheben?

Ich bin da leidenschaftslos. Unter dem Strich entstehen dadurch keine höheren Gehälter. Was ich allerdings vorschlagen würde: Solange die Aktionäre nichts bekommen, sollten auch die Vorstände keinen Bonus erhalten.

Herr Nieding, herzlichen Dank für das Interview.

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  • Weshalb hätte Blessing auf seinen Bonus verzichten sollen? Es ist doch genug Geld da. Und wenn der Commerzbank Geld fehlt, dann lässt sie sich halt neues überweisen.

    Die Politiker machen es doch auch so. Im letzten Jahr waren es für sie 10 %. Nur die Rentner, die für ihre Rente arbeiten und selbst einzahlen mussten, bleiben im Regen stehen.

    Das muss man sich nur einmal vorstellen, dass Draghi sich erlaubt, öffentlich zu erklären, dass er den Rentnern über die Inflation (angestrebt sind 2 %) den Realwert ihrer Rente wieder kürzen will.

    Wenn also Blessing sich jetzt wieder einen kräftigen Schluck aus der Pulle gönnt, dann passt das doch zu dem herrschenden System!

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