Klimawandel
BNP Paribas sagt Schieferöl Adieu

Die französische Großbank hat sich der Nachhaltigkeit versprochen. Um ein Zeichen zu setzen, will sie sich aus umstrittenen Öl- und Gas-Projekten zurückziehen. Das soll nur der Anfang eines großangelegten Abschieds sein.
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FrankfurtKein Tag vergeht, ohne dass eine Bank oder eine Vermögensgesellschaft ihre guten Absichten zum Thema Nachhaltigkeit bekundet. Inmitten dieser Masse prescht nun BNP Paribas mit einer Meldung hervor, die es in sich hat: Die französische Großbank will künftig keine Geschäfte mehr mit Unternehmen unterhalten, deren Kerngeschäft in der Schieferöl- und Schiefergasindustrie sowie den Teersanden angesiedelt ist. Das schließt ebenfalls Zuliefererfirmen ein, die bei Transport und Export in diesem Bereich tätig sind. Projekte dieser Art sollen nicht mehr finanziert werden.

Außerdem will BNP Paribas künftig keine Unternehmen oder Projekte finanzieren, die Öl und Gas in der Arktis fördern möchten. Obwohl die Bank ein langjähriger Partner der Energie-Branche sei, folgt der Schritt aus seiner Verpflichtung, die Klimaerwärmung bis Ende des Jahrhunderts unter zwei Grad Celsius zu halten, also gemäß den Zielen der Internationalen Energieagentur. Jean-Laurent Bonnafé, Chef von BNP Paribas, begründet den Schritt: „Als internationale Bank wollen wir die Energietransformation und die Dekarbonisierung der Wirtschaft vorantreiben.“

Ganz aus der Energiefinanzierung zieht sich die Bank allerdings nicht zurück. Der Verzicht auf Schieferölinvestments- und –finanzierungen dürfte in erster Linie nordamerikanische Unternehmen treffen. Die Öl-Multis, die sich nach wie vor auf konventionelle Großprojekte fokussieren, sind davon nicht betroffen. Konkrete Namen von Unternehmen will die Bank nicht nennen. Doch Konzerne wie BP, Shell, Total oder Statoil blieben offenbar auch künftig weiter investmentwürdig.

Seit Jahren besteht ein Trend bei Banken und Vermögensverwalter, sich aus fossilen Energiequellen zu verabschieden. Bislang standen dabei aber vor allem Kohleunternehmen im Fokus. So verzichtet etwa der norwegische Staatsfonds „Statens Pensjonsfond utland“ oder der Versicherer Allianz auf Investments in Unternehmen, die mehr als 30 Prozent ihres Umsatzes mit Kohleabbau erwirtschaften. Auch BNP Paribas hat sich aus der Finanzierung von Kohleminen und Kohlekraftwerken zurückgezogen und die Unterstützung von Kohleunternehmen eingeschränkt.

Einen Verzicht auf Ölinvestments wurde zwar immer wieder diskutiert und Banken fuhren in der vergangenen Jahren auch ihre Investments in Öl- und Gasprojekte zurück. Einen derartigen Verzicht, wie ihn nun BNP Paribas verkündet, gab es von einer Bank bislang aber nicht. Die Bank sieht sich dementsprechend „weit vorn“, wie ein Sprecher erklärt. Aufsehenerregend war indes, als mit dem Rockefeller Family Fund eine Stiftung des einstigen Pioniers der Ölindustrie, John D. Rockefeller, im vergangenen Jahr bekanntgab, seine Investments aus Ölunternehmen abzuziehen. Zur Begründung erklärte die Stiftung damals, es sei verwerflich etwa Anteile an ExxonMobil zu halten. Die Stiftung wurde 1967 von Nachfahren Rockefellers gegründet.

BNP Paribas gehört zu den Unterzeichnern einer Absichtserklärung der sogenannten „Task Force on Climate-Related Financial Disclosures“ unter Führung des britischen Notenbankchefs Mark Carney. Diese Task Force hatte sich im vergangenen Jahr zur Eindämmung der Klimaerwärmung bekannt und eine freiwillige transparente Aufgliederung von Klimarisiken in Unternehmensbilanzen begrüßt. Die Bandbreite der Unterzeichner reicht von Finanzinstituten wie der Citigroup über Versicherungen wie Axa bis hin zu Rohstoffunternehmen wie Glencore oder Shell.

BNP Paribas will bis 2020 Projekte erneuerbarer Energien mit einem Volumen von 15 Milliarden Euro finanzieren. Wie groß das aktuelle Geschäft im fortan gescheuten Schieferöl- und Schiefergassektor ist, geben die Franzosen nicht an. Als die größten Banken in der Finanzierung der Ölbranche gelten US-Insitute wie Bank of America, Citigroup, Wells Fargo, JP Morgan, Goldman Sachs und Morgan Stanley.

Und auch wenn die große Ölkonzerne von der aktuellen Regelung ausgenommen sind, beruhigt zurücklehnen können sie sich nicht. Der nun verkündete Rückzug aus einzelnen Sektoren der Öl- und Gasförderung soll nur der Anfang einer großangelegten Strategie sein. „BNP wird schrittweise die Finanzierung von einer bedeutenden Anzahl an Akteuren beenden, die sich nicht aktiv an einem Wandel zu einem kohlenstoffarmen Wirtschaft beteiligen“, heißt es in der Ankündigung. Gut möglich, dass andere Banken dem Vorbild der Franzosen folgen. Die großen Ölkonzerne sollten sich besser auf ungemütliche Zeiten vorbereiten.

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