Kommentar
Anfälliger Versicherer

Die Allianz hat ein elementares Interesse an einer schnellen Lösung der Schuldenkrise - das zeigen die Quartalszahlen. Doch bisher ist ihre Stimme in der Diskussion nicht zu vernehmen.
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MünchenNein, die Schuldenkrise hat die Allianz nicht umgeworfen. Das ist die positive Nachricht. Der deutsche Marktführer hat noch immer eine Kapitalstärke, von der andere in der Branche nur träumen können. So verfügt die Allianz über eine Solvabilitätsquote von 180 Prozent. Das heißt, der Konzern hat also fast doppelt soviele Eigenmittel wie regulatorisch vorgeschrieben. Die Finanzkrise kann sich noch eine Weile hinziehen, ehe es bei der Allianz ans Eingemachte geht.

Und doch zeigen die Quartalszahlen wie anfällig der Versicherer zwangsläufig ist. Er ist einer der weltgrößten Kapitalanleger - und die Möglichkeiten der Anlage sind zum Beispiel bei der Lebensversicherung beschränkt. Natürlich kann die Allianz vorsichtig den Anteil von Pfandbriefen und soliden Unternehmensanleihen erhöhen. Doch der Spielraum ist begrenzt. Ein Verlust von brutto 2,6 Milliarden Euro aus Kapitalanlagen zeigt die Verletztlichkeit der Allianz. Der Konzern hat immer noch Staatsanleihen im Buchwert von mehr als 32 Milliarden Euro im Portfolio - und hier stille Lasten von netto mehr als einer halben Milliarde Euro.

Die Allianz muss also - wie jeder Lebensversicherungsbesitzer im Übrigen auch - ein elementares Interesse an einer Lösung der Schuldenkrise haben. Mit Paul Achleitners Idee einer Art Versicherungslösung für Staatsanleihen hat die Allianz auch einen klugen Vorschlag in die Debatte eingebracht. Doch dies geschieht, wie bei der Allianz üblich und dem Naturell von Vorstandschef Michael Diekmann entsprechend, eher im Hintergrund. Aus den lauten öffentlichen Debatten hält sich der Finanzriese raus.  Sie ist vorsichtig, denn sie weiß: wer hoch aufsteigt, kann tief fallen. Doch die Allianz muss ihrer Rolle auch öffentlich noch stärker gerecht werden.

 

 

Axel Höpner
Axel Höpner
Handelsblatt / Büroleiter München

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  • Bei der Angabe der "stillen Lasten" könnte (noch) ein Buchungsfehler stecken. Der Terminus "stille Lasten" ist eine "süße" Umschreibung für "Verlust".

    Herr Achleitner empfiehlt sich damit eindrucksvoll für die neue Aufgabe im Aufsichtsrat bei der Deutschen Bank.

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