Kommentar

Der große Befreiungsschlag!

Die Sorgen sind vorerst vom Tisch, denn die Botschaft für die Börsen ist klar: Wenn Investorenlegende Buffett mit Milliarden bei der Bank of America einsteigt, kann es um die Branche nicht so schlecht bestellt sein.
17 Kommentare
Die Bank of America und der gesamte Bankensektor werden profitieren. Quelle: AFP

Die Bank of America und der gesamte Bankensektor werden profitieren.

(Foto: AFP)

FrankfurtEs ist das Signal, auf das viele an der Börse seit Wochen gewartet haben. Es ist ein Vertrauensvorschuss für die ganze Branche. Und es ist die Rehabilitation für einen Chef, dem zuletzt viele nicht mehr geglaubt hatten. Dass die US-Investorenlegende Warren Buffett der angeschlagenen Bank of America mit fünf Milliarden Dollar zu Hilfe springt, hat eine weit größere Strahlkraft, als es die pure Nachricht vermuten lässt. Wochenlang hatte Bankchef Brian Moynihan versucht, die Investoren zu beruhigen. Stets betonte er, dass die Altlasten – speziell der Immobilienfinanzierer Countrywide – der Bank nicht gefährlich werden können. Man habe genügend Kapital in der Kasse und werde zudem das verkaufen, was nicht zum Kerngeschäft gehört.

Doch mit jedem Beteuern nahm an der Börse die Zahl derer zu, die ihm nicht glaubten. Sie waren der Meinung, dass die Vermögenswerte weit weniger wert wären, als in der Bilanz steht. Immer weiter geriet die Aktie unter Druck. Bis am Mittwoch die ersten Analysten umschwenkten. Ein Minus von 60 Prozent in einem halben Jahr sei für die nach Vermögenswerten nach wie vor größte Bank der USA übertrieben, hieß es. Sofort reagierten die Börsen. Heute folgt der Befreiungsschlag. Mit Warren Buffett als Großinvestor waren schließlich schon General Electric und Goldman Sachs gut durch Krisen gekommen.

Doch nicht nur die Bank of America profitiert, sondern im Gefolge davon der gesamte Bankensektor und mit ihm die gesamte Wirtschaft. Stets lag in den vergangenen Wochen die Angst über dem Land, ähnlich wie damals Lehman Brothers könne eine weitere namhafte Bank kippen und damit die gesamte Wirtschaft nach unten reißen. Mehr oder weniger unausgesprochen war es die Bank of America, die als Lehman-Nachfolger gehandelt wurde.
Diese Sorgen sind nun vorerst vom Tisch. Wenn Buffett einsteigt, dann kann es um die Branche nicht so schlecht bestellt sein. So lautet die Botschaft, die an den Börsen angekommen ist.

Schon im Mai hatte Buffett auf dem alljährlichen Aktionärstreffen seiner Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway angekündigt, dass er aktuell sehr viel Bares auf seinen Konten habe, aber nicht wisse, was er damit machen solle. Den Finger halte er aber schon am Abzug. Es scheint, als wäre nun der Zeitpunkt gekommen, an dem er abgedrückt hat. Die sechs Prozent Zinsen, die er für seinen Einstieg bei der Bank of America erhält, bestätigen, dass es ein guter Schuss war.

Startseite

Mehr zu: Kommentar - Der große Befreiungsschlag!

17 Kommentare zu "Kommentar : Der große Befreiungsschlag!"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Das ist doch nur eines: PROPAGANDA!

    Und wenn Buffet tatsächlich gekauft haben sollte, hat er sich sicherlich mit Puts abgesichert. War wahrscheinlich nur eine Gefälligkeit!

    Auch die Redakteure des HB sollten den Grips anstrengen!

  • Selten so einen Stuss gelesen!

    Das hat der doch schon einmal bei GS gemacht - 2008 - schon vergessen ???

    http://www.nzz.ch/nachrichten/wirtschaft/aktuell/_buffet_steigt_mit_fuenf_milliarden_dollar_bei_goldman_sachs_ein_1.899969.html

  • Das ist einfach nicht zu glauben, was für Naivlinge im Handelsblatt Artikel schreiben dürfen. Schon mal daran gedacht, dass Buffett, der ja nun wirklich nicht mehr der Jüngste ist, allmählich den Überblick über einen Gesamtmarkt verlieren könnte, der sich nach Jahrzehnten schlagartig verändert hat ? Was ? Oder dass es sich um einen Anfall von blindwütigem Patriotismus handeln könnte, für den er einfach das Geld hat ?

  • Die BoA hatte den Immobilienfinanzierer Countrywide nicht übernommen, weil sich ein gutes Geschäft für das Institut anbot, sondern weil das Haus praktisch durch die Regierung dazu genötigt wurde. Eine Countrywide-Pleite hätte die Krise drastisch ausgeweitet - das durfte nicht geschehen. Aber diese zusätzlichen Probleme drohen die Bank langsam zu ersticken.

    Abgesehen davon, hatte die BoA selbst den Keller voller Sub-Primes liegen, die ihnen schwer zu schaffen machten. Auch die BoA muß bilanzieren und versucht nun, ihre Bilanz wenigstens halbwegs erträglich aussehen zu lassen.

    Keine Bank trennt sich freiwillig von profitablen Sparten und Beteiligungen wie dem Kreditkartengeschäft in Europa, der Blackrock-Beteiligung oder gar ihren hochprofitablen Anteilen an der China Construction Bank, wenn ihr das Wasser nicht nur bis zum Halse - sondern schon bis zur "Oberkante Unterlippe" steht!

    Mit dem Abbau von tausenden Stellen soll weitere Liquidität geschaffen werden, Liquidität, mit der ihr vermutlich andere Banken nicht mehr aushelfen. Ich glaube, daß der Buffet-Deal deshalb stattgefunden hat, damit die BoA in dieser Situation den Staat selbst nicht um neue Hilfen angehen muß. Er ist meiner Meinung nach rein politisch motiviert. Alleine die weitergehende Möglichkeit, umfangreiche Anteile dazu kaufen zu können, zeigt mir, daß diese Massnahme langfristig zur Rettung der Bank geplant ist. Später könnte ja Fanny-Mae oder Freddy diese Anteile klammheimlich übernehmen. Abgesehen davon: Wer zahlt in den USA z.Zt. freiwillig 6 Prozent Zinsen - Entschuldigung, Dividende.

    Ich fürchte, wir sehen den Beginn eines Dramas, das uns noch lange beschäftigen wird und dessen Ausgang (siehe die politische Situation in den USA) noch längst nicht klar ist.

  • Herr Buffet hatte immer einen guten Riecher, also wünschen wir ihm Glück mit seinem Investment.

    Aber wie ist es um die Börsenmärkte und die sogenannten "Investmentbanker" bestellt, wenn eine Person in der Lage ist, "die Lage zu beruhigen". Wenn Herr Buffet in einem Monat wieder aussteigt, ist dann die BoA auf einmal wieder schlecht?

    Ich dachte immer, fundamentale Daten sind für langfristiges Investment wichtig, aber scheinbar tummeln sich wirklich nur noch Pfeifen an den Weltbörsen herum

  • Ganz und gar nicht: die sogenannten MSM-Medien (Main-Stream Medien) haben längst begonnen, die Stimmung in den Kommentar-Bereichen aufzugreifen. Ich sehe z. B. Anzeichen von Verbesserung beim Handelsblatt. Die MSM-Medien merken langsam, dass sie sich mit ihren alten System-Lügen lächerlich machen.
    Angst um die Lesertreue macht sich ganz langsam breit.
    Der desinformative Artikel von Herrn Schnell ist hier ein Beispiel für die alten Zeiten, als so ein blanker Unfug noch einfach, kommentarlos, geschluckt wurde.
    Für die Schnells dieser Welt wird es mit jedem Tag schwieriger ihren System-Lakaien-Mist los zu werden.

  • " Der Aktienkurs der BoA kann sich in den nächsten Jahren vervielfachen, wenn es gelingt, die Produktivität der Bank durch radikalen Personalabbau und massiven Gehaltskürzungen zu steigern. Da in allen Banken Massenentlassungen anstehen, wird man künftig für Banker auch keine Mondgehälter mehr zahlen."

    Aha: wenn es gelingt, die Produktivität der Bank durch radikalen Personalabbau und massiven Gehaltskürzungen zu steigern. Da in allen Banken Massenentlassungen anstehen.

    Wie steht es eigentlich um die Produktivität der USA,die muß erst mal initiiert werden und Wie? Bei dem Handelsbilanzdefizit?
    Banken sind kein Selbstläufer.
    Solange der Bankensektor nicht in Ordnung kommt und endlich in seine Schranken gewiesen wird, geht gar nichts.
    Ach ja, durch Massentlassungen. Das war mal so, das funktioniert nicht mehr, denn das ruiniert den letzten Rest der Wirtschaft. Siehe die Zeit ab Regan. Mit Mondgehältern haben Sie Recht, so hat man sich lange eit gerettet, aber das bringt es jetzt nicht mehr, ganz im Gegenteil.

    USA ist auf dem absteigenden Ast, weder fiat money noch Buffet können das verhindern.


  • Übrigens: man schaue sich mal den letzten Film von Michael Moore an: Kapitalismus, eine Liebesgeschichte
    da läuft es einem kalt über den Rücken, mit welchen Methoden genau diese Bank die Kreditnehmer skalpiert hat, die jetzt durch Buffet wieder aufgewertet wird....

    Das kann nur jemend schreiben, der jung und von Vielem keine Ahnung hat, sorry.

  • Übrigens, wenn man mal erfahren möchte, was die BOA in/nach der Immobilienkrise mit den Betroffenen veranstaltet hat, der schaue sich den letzten Film von Michael Moore an: Kapitalismus, eine Liebesgeschichte.

    Da laüft es einem eiskalt den Rücken herunter. Raubtierkapitalismus in Reinkultur, gegen den jüngst sogar in Israel protestiert wurde in beeindruckender Weise.

    Wann erhebt sich das Volk in anderen Staaten?

    Das "Profit over people" hat all seine Auswüchse präsentiert. Nun haben wir die Rechnung zu begleichen. Open end...

  • "Buffet kaufte 50.000 Vorzugsaktien zu je 100.000 Dollar, die die Bank zu diesem Zwecke extra ausgab. Für sie zahlt die Bank eine Dividende von jährlich sechs Prozent. Zudem erhält Buffet Berechtigungscheine, mit denen er in den kommenden zehn Jahren jederzeit 700 Millionen weitere Aktien der Bank zum Preis von 7,14 Dollar je Stück kaufen kann.
    Bank-of-America-Chef Brian Moynihan zeigte sich erfreut: Die Bank verfüge zwar bereits über das nötige Kapital für ihre Geschäfte, teilte er mit. Die Investition Buffets allerdings bedeute eine "massive Unterstützung unserer Vision und unserer Strategie".

    Buffet hatte bereits 2008 auf dem Höhepunkt der Finanzkrise fünf Milliarden Dollar in eine Bank investiert: das Investmenthaus Goldman Sachs."

    Er hatte eine Menge Cash herumliegen und wußte nicht so recht, wohin damit. Er handelte sich einen lukrativen deal aus und beschwichtigte die Meinung zu Banken, die noch jede Menge bad money gebunkert haben.

    Buffet soll mal rüber kommen, hier muß auch gerettet werden:

    Moody's senkt das Kreditrating für die Landesbank Baden Württemberg von "C-" auf "D+".
    Ist das nicht "Griechenland-Niveau" ?


Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%