Kommentar
Die Banken werden alleingelassen

Die Probleme der französischen Großbanken können auch uns Deutschen nicht egal sein. Ein Zusammenbruch eines französischen Instituts würde Schockwellen über den ganzen Globus schicken. Es fehlt an gutem Krisenmanagement.

ZürichDie Geschäftsbasis der Banken besteht vor allem aus Vertrauen. Und genau das haben Frankreichs Großbanken derzeit verloren. Die Ankündigung der französischen Großbank Société Générale, ihre Kosten um fünf Prozent zu drücken und mit Verkäufen das Eigenkapital zu stärken, droht nun den Vertrauensverlust noch zu verstärken. Die Nachricht zwischen den Zeilen lautet nämlich: Die Probleme sind doch schlimmer als angenommen.

Frankreichs Banken zählen zu jenen Instituten, die in Griechenland mit am meisten Geld im Feuer haben. Aber in Bezug auf die Größe der Banken scheint das Risiko beherrschbar. Kostensenkungen haben zudem alle Großbanken auf dem Globus angekündigt. Mit dem beschleunigten Verkauf von Aktiva zur Kapitalbeschaffung aber scheint die Société Générale der IWF-Chefin Christine Lagarde recht zu geben: dass Europas Banken ein Kapitalproblem haben, wenn sie mögliche Verluste aus der Euro-Krise schultern müssten.

Im Nachhinein könnte man Société-Générale-Chef Frédéric Oudéa vielleicht vorwerfen, die Marktturbulenzen unterschätzt zu haben. Vielleicht hätte er vor einigen Monaten schon eine Kapitalerhöhung wagen müssen, um sein Haus krisenfest zu machen. Doch solch wohlfeile Kritik ist im Rückblick immer einfach.

Griechenland allein ist für Frankreichs Banken aber nicht einmal das größte Problem. Das ist vielmehr die Angst vor den Folgen einer möglichen Pleite Griechenlands. Die vermag derzeit niemand abschätzen. Und es ist diese Angst, die die Bewertung von Frankreichs Banken jeden Tag weiter fallen lässt.

Die deutsche Regierung spielt erneut ihren traurigen Part in diesem Spiel. Mit dem lauten Nachdenken über eine Pleite Griechenlands verunsichert sie die Märkte zusätzlich. Das heißt nicht, dass eine Zahlungsunfähigkeit Griechenlands ausgeschlossen ist. Solche Dinge bespricht man aber nicht in Zeitungsbeiträgen, sondern begegnet ihnen mit einem überzeugenden Plan, wie die Gefahr einer Ansteckung des Rests der Euro-Zone verhindert werden kann.

Die Probleme der französischen Großbanken können auch uns Deutschen nicht egal sein. Ein Zusammenbruch eines französischen Instituts würde erneut Schockwellen über den ganzen Globus schicken, die in einer globalen Rezession enden könnten. Dennoch stehen Frankreichs Finanzhäuser ziemlich alleine da. Vom sonst handlungsfreudigen französischen Staat ist angesichts des Schuldenberges nicht viel zu erwarten. Und an den Kapitalmarkt kann sich die Société Générale auch nicht wagen - sie müsste die neuen Aktien verschleudern.

Das Schicksal des europäischen Finanzsektors liegt jetzt in der Hand der Führungspolitiker der Euro-Zone. Sie müssen einen Auffangplan entwerfen, der im Falle einer Pleite Griechenlands ein Bankensterben und die Attacke auf andere Mitglieder der Euro-Zone verhindert. Die bisherige Erfahrung im Krisenmanagement stimmt da leider nicht optimistisch.

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