Kommentar
Die Beruhigungspillen der Landesbanker

Die Bayern LB hat jetzt ihr Halbjahresergebnis vorgelegt – als letzte der großen oder noch großen Landesbanken. Und genau wie die anderen öffentlichen Institute versucht sie, ihre Zahlen als schick darzustellen.
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Das Ergebnis vor Steuern der Bayern LB hat sich mehr als halbiert auf 244 Millionen Euro. In der Pressemitteilung heißt das: „Trendwende nachhaltig vollzogen.“ Zudem habe man Wertberichtigungen auf griechische Staatsanleihen über 79 Millionen Euro vorgenommen und erwarte für das Gesamtjahr ein noch positives Ergebnis. In den beiden Vorwochen haben WestLB, LBBW, Helaba und HSH Nordbank ihre Halbjahresergebnisse ähnlich dargestellt. Stets war die Rede von positiver Entwicklung, Trendwende, Normalisierung, Wachstum in der Mittelstandsfinanzierung.

Doch wenn die Vorstände der Landesbanken in diesen Tagen von gutem Kerngeschäft und Wachstum in der Mittelstandsfinanzierung sprechen, erinnert dies eher an die Beruhigungspillen der Vorkrisenzeit. Die Erfolgszahlen der Landesbanken sind geprüft und werden sicherlich richtig sein. Aber wirklich aussagekräftig sind sie deswegen noch lange nicht. Sie sind verzerrt durch die krisenbedingten Sondereffekte der Vergangenheit. Und was besagt eigentlich das überall verbreitete „für die Zukunft gut gerüstet“, wenn man nicht einmal auf sechs Monate Sicht eine klare Prognose geben kann? Da tat die WestLB auffallend gut daran, erst gar keine zu geben.

Wessen Leistung ist es denn, wenn die Mittelstandsfinanzierung wächst? Doch die des starken Mittelstandes und der Konjunktur. Und ist es Ausdruck von neuer Offenheit, Wertberichtigung auf griechische Anleihen vorzunehmen? Es ist eine kaufmännische Selbstverständlichkeit!

Mit der von der EU verordneten Kur schrumpft die regionalpolitische Allmacht der Landesbanken, aber es entsteht daraus noch kein Geschäftsmodell. Das wissen auch deren Vorstände und heben nun die Mittelstandsfinanzierung in den Vordergrund. Aber gibt es genug Mittelstand für alle Landesbanken? Egal! Wer sich heute als Mittelstandsfinanzier ausgibt, hat die regionale Politik sofort auf seiner Seite. Gestern wie heute: Die Einbindung der Politik ist Teil des Geschäftsmodells der Landesbanken. Doch ob das in die Zukunft trägt ist immer noch genau so fraglich.

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