Kommentar: Die Kapitalerhöhung kommt zur Unzeit

Kommentar
Die Kapitalerhöhung kommt zur Unzeit

Dass die Deutsche Bank ihr Kernkapital erhöhen muss, war schon lange bekannt. Doch die überraschende Aktienemission kommt zum falschen Zeitpunkt und könnte negative Folgen für das größte deutsche Kreditinstitut haben.
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DüsseldorfDie Deutsche Bank ist immer für eine Überraschung gut. Im Schnelldurchgang will das Institut knapp drei Milliarden Euro am Kapitalmarkt einsammeln. Mit einem hohen Gewinn im ersten Quartal 2013 kann die Bank die Aktionäre locken, doch angesichts des niedrigen Kurses kommt die Maßnahme zur Unzeit.

Die Kapitaldecke der größten deutschen Bank ist dünn. Das bemängeln Analysten schon lange. Jetzt prescht die Deutsche Bank nach vorne und übertrumpft auch gleich einige Konkurrenten. Bis zu 90 Millionen neue Aktien will das Institut platzieren. Es ist die zweite Kapitalerhöhung in drei Jahren.

Diese Hauruckaktion ist überraschend. Denn bislang hatten Jain und Fitschen immer wieder betont, dass sie den Kapitalaufbau aus eigener Kraft schaffen wollen. Eigentlich stehen sie nicht unter Zeitdruck. Denn die Regeln von Basel III, die zu einer hohen Kapitaldecke verpflichten, gelten erst ab 2019.

Am Kapitalmarkt wird ein dickes Polster aber schon jetzt erwartet. Darauf deutet auch die Reaktion der Anleger hin. Nach der Meldung kletterte die Bank-Aktie zu Handelsbeginn um mehr als sechs Prozent nach oben.

Und dennoch: Zuletzt hatte die Aktie der Deutschen Bank ein vorläufiges Jahrestief erreicht. Der richtige Zeitpunkt, um neue Aktien zu platzieren, wäre eine Hochkursphase. Mit der frühen Platzierung zu einem niedrigen Kurs verschenkt die Deutsche Bank kostbares Kapital. Das macht man nur, wenn der Druck hoch ist.

Handelsblatt-Finanzkorrespondentin Katharina Schneider.
Katharina Schneider
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin

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  • Sie man sich den Quartalsbericht genauer an, fällt auf das die angeblich guten Zahlen lediglich Buchgewinne sind, die auf Kosteneinsparungen und Überbewertungen äußerst problematischer Assets zurückzuführen ist. Die eigentlichen Geschäftsfelder laufen miserabel.

    Die Klageflut nimmt kein Ende und immer schlimmere Verbrechen werden aufgedeckt. Existenzbedrohend - die Milliardenkosten verschlingen das wenige Eigenkapital.

    Es verwundert also nicht, das man plötzlich nachträglich die Bilanzen zu 2012 korrigiert und nun wenig überraschend eine Kapitalerhöhung zur schnellen "Rettung" durchführen muss.

    Das der Kurs trotzdem steigt, ist wohl eher der Marktmanipulation der Market Maker geschuldet, die wohl so schnell wie möglich ihre neuen Aktien aus der KE wieder in den Markt drücken wollen. Also muss Volumen erzeugt werden.

    Ob sich allerding der Markt noch mit der künstlich erzeugten Gier locken lässt? Ansonsten bleibt man auf dem Risikoinvestment in die "gefährlichsten Bank der Welt" sitzen.

  • Seit drei Jahren ist der Kurs schon unten.
    Investoren scheuen das Risiko bei Bankpapieren.
    Deshalb ist es sinnvoll, das Risiko mit der Kapitalerhöhung zu senken. Danach gibt es dann vielleicht wieder höhere Kurse, Frau Schneider.

  • Es wird höchste Zeit, den Begriff "Bankräuber" neu zu definieren.

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