Kommentar
Für Blessing geht es um alles oder nichts

Muss der Staat der Commerzbank wieder helfen? Für Bankchef Martin Blessing wäre das ein Fiasko. Er hat seine Karriere damit verknüpft. Mit jedem Tag, an dem die Schuldenkrise anhält, wird Blessings Zukunft unsicherer.
  • 7

Für Commerzbank-Chef Martin Blessing geht es um alles oder nichts. Alles will er tun, um die zweitgrößte deutsche Bank wieder auf Vordermann zu bringen, aber nichts will er mehr vermeiden, als dafür erneut den Staat anzupumpen. Doch gerade das, was der kluge Banker so gar nicht will, gerade das könnte ihm jetzt drohen. Angesichts der sich zuspitzenden Staatsschuldenkrise fällt es der Commerzbank mit jedem Tag schwerer, nicht um Hilfe zu bitten. Mit jedem Tag wird es wahrscheinlicher, dass es am Ende doch wieder der Staat ist, der für die Existenz der Bank geradesteht.

Die stets besonders schnellen Märkte wissen schon, wie das Spiel ausgeht: Mit einem Kurseinbruch von 15,1 Prozent auf einen neuen Tiefststand bei gut 1,15 Euro je Aktie fällen sie ein verheerendes Urteil. Die Börse spekuliert auf eine Kapitalerhöhung. Dabei ist dem Markt gleichgültig, woher das Geld stammt. Und es kommt noch schlimmer: Bei diesem Kursniveau fällt es schon allein aus technischen Gründen schwer, überhaupt neues Kapital einzuwerben. Denn der Nennwert von einem Euro ist die Untergrenze für eine Kapitalerhöhung. Und Anleger erwarten im Normalfall einen Kursabschlag von 20 bis 30 Prozent, damit sie neue Aktien überhaupt zeichnen. Denn durch eine Kapitalerhöhung verwässern sie ihren Aktienbestand. Nur der Staat könnte darauf verzichten.

Für die Commerzbank sind das schlechte Nachrichten. In der Regel haben die Märkte Recht, wenn sie ein Urteil fällen. Bislang versuchten Blessing und seine Commerzbank die sich abzeichnenden Kapitalanforderungen der Europäischen Bankenaufsicht aus eigener Kraft zu bewältigen. Um die Auflagen zu erfüllen sollten die Bilanzrisiken drastisch reduziert werden. Doch es zeigt sich immer deutlicher, dass das nicht reicht, schon gar nicht, wenn die Aufseher zusätzliche Milliarden an Eigenkapital fordern.  

In diesem Fall bleibt Blessing, der sonst nichts mehr zu verkaufen hat,  nur, sich noch einmal an den staatlichen Rettungsfonds Soffin zu wenden. Der Commerzbank-Chef selbst hat seine Karriere daran geknüpft, dass er nicht noch einmal Staatshilfe beanspruchen muss. Wenn er dieses Diktum ändern muss, ist er gescheitert.   

 

Robert Landgraf
Robert Landgraf
Handelsblatt / Chefkorrespondent Finanzmärkte

Kommentare zu " Kommentar: Für Blessing geht es um alles oder nichts"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • FreundHein: "Köpfe" wollte ich schreiben. Tippfehler ergeben sich, wenn man nebenher ein Kommentar abgibt und zudem auf englischer Tastur schreibt. Ich denke es gibt wichtigeres derzeit als den "Duden" zu spielen.

  • donolli
    können Sie kein Deutsch oder schreiben Sie auf der Flucht?
    Auch wenn es dem Schiri gegenüber unfair ist: B. sollte den Rafati machen und dann EIN MAL IN SEINEM LEBEN WAS RICHTIG MACHEN!
    Dieser aufgeblasene Möchtegernbankier ruiniert noch den Finanzplatz D mit seiner Egomanie.

    Blessing weg! Hat kein Zweck!
    Blessing! Wir wissen wo Dein Auto steht!

  • Warum nicht? Es dauert leider sehr lange bis gewisse Erkenntnisse in die Küpfe sickert!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%