Kommentar
Kampf an zwei Fronten

Kann eine Bank, die in den ersten sechs Monaten dieses Jahres unter dem Strich mehr als neun Milliarden Dolllar verdient hat, wirklich ernsthafte Probleme haben? Ein Kommentar zum Arbeitsplatzabbau bei HSBC.
  • 0

Erst seit Anfang 2011 steht der ehemalige Chef-Investmentbanker von HSBC, Stuart Gulliver, an der Spitze von Europas mächtigster Bank, und in dieser Zeit stieg der Nettogewinn im Vergleich zum Vorjahr um 35 Prozent, deutlich schneller als von Analysten erwartet. Trotz dieser Erfolgsmeldung will Gulliver bis 2013 rund 30.000 Stellen streichen, das sind zehn Prozent aller Arbeitsplätze, bis zu 3,5 Milliarden Dollar sollen so eingespart werden.

Wie passen steigende Gewinne und radikales Sparprogramm zusammen? Die harten Reformen, die Gulliver auf den Weg bringt, zeigen wie tief die europäischen Banken derzeit in der Klemme stecken. HSBC und die Konkurrenz kämpfen mit einem zyklischen und mit einem strukturellen Problem.

Bei dem zyklischen Problem handelt es sich um die Folgewirkungen der Schuldenkrise in Europa und den USA, die den Banken vor allem im zweiten Quartal die Geschäfte verdorben hat. Doch langfristig dürfte ein anderes Problem den Bankmanagern weitaus größere Sorgen machen: Die Regulierungsoffensive der Politiker. Für Reformbedarf werden vor allem die unter dem Stichwort „Basel III“ bekannten neuen Eigenkapitalregeln sorgen. Zentrale Forderung ist eine harte Kernkapitalquote von sieben Prozent ab 2019. Besonders große und weltweit vernetzte Banken wie HSBC, deren Kollaps das gesamte Finanzsystem gefährden würde, sollen darüber hinaus ein zusätzliches Eigenkapitalpolster von bis zu 2,5 Prozent anlegen.

Im Schlaraffenland vor der großen Krise jagten die Geldhäuser noch Traumrenditen von 20 bis 25 Prozent hinterher. HSBC-Chef Gulliver räumte als einer der ersten ein, dass sich die Investoren in der neuen Finanzwelt auf deutlich niedrigere Eigenkapitalrenditen von 15 Prozent oder noch weniger einstellen müssen, und selbst diese neuen bescheideneren Ziele lassen sich nur erreichen, wenn die Institute auf die Kostenbremse treten. Das gilt auch für einen Finanzriesen wie HSBC; der vor allem Dank seiner Ausrichtung auf die Emerging Markets glänzend durch die Finanzkrise kam. Das strukturelle Problem der Regulierungsoffensive dürfte allerdings dazu führen, dass die Jobs die jetzt verloren gehen, im Gegensatz zu früheren zyklischen Krisen nicht wieder zurückkommen.

Kommentare zu " Kommentar: Kampf an zwei Fronten"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%