Kommentar
Politischer Preis

Die deutschen Sparkassen müssen mal wieder für eine ihrer Landesbanken bluten. Diese Mal ist es die Landesbank Berlin, die ihnen einen Abschreibungsbedarf von 850 Millionen Euro einbrockt. Ein hoffnungsloser Fall?
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Durch die Finanzkrise und Wertberichtigungen auf griechische Staatsanleihen hat die Landesbank Berlin schon lange nicht mehr den Wert, zu dem sie in den Büchern der Sparkassen steht.
Das ist zwar kein Landesbankenphänomen – europäische Bankaktien haben seit 2007 im Schnitt mehr als 70 Prozent an Wert eingebüßt - aber es ist ein typisches Sparkassenproblem. In ihrem Bestreben, sich gegenüber der privaten Kreditwirtschaft zu behaupten, zahlten die Sparkassen und ihre Landesbanken oft einen viel zu hohen Preis. So kollabierten viele Landesbanken, die eigentlich Sparkassenzentralbanken sein sollten, beim Versuch im internationalen Geschäft mit Deutscher Bank und Co. mitzuhalten.

Die Landesbank Berlin, früher Bankgesellschaft Berlin, hat eine andere Versagenshistorie. Sie scheiterte Ende der 90er Jahren an ihren großen Finanzierungsplänen für Berlin und Ostdeutschland und musste mit Geld vom Land saniert werden. Anschließend gaben die Sparkassen die Parole aus: Rein in die Kartoffeln! Sie zahlten mit 5,5 Milliarden Euro einen politischen Preis, um neue Eigentümer dieser Landesbank zu werden. Sie wollten in der Hauptstadt mit einer eigenen Bank vertreten sein.

Dieser Preis ist es, der bis heute nachwirkt. Doch damit nicht genug: Die Landesbank Berlin muss ihren Anteilseignern, eben den Sparkassen, noch mehr zumuten: Um die Eigenkapitalbasis den Anforderungen der Regulierer anzupassen, werden die Sparkassen ihre Einlagen von 700 Millionen Euro in Eigenkapital umwandeln müssen, womit ihnen die garantierte Verzinsung flöten gehen wird. Und um das Maß endgültig voll zu machen, wissen sie nicht einmal, wann ihre Investition jemals eine Dividende abwirft.

Also raus aus den Kartoffeln? Nein. Ihr Ziel, Berlin gegen die privatwirtschaftliche Konkurrenz zu verteidigen, haben die Sparkassen immerhin erreicht. Den wahren Preis dafür erfahren sie zwar erst jetzt, aber er muss Ansporn sein, auch für die Landesbank Berlin im Konzert mit anderen Sparkassen-Institutionen wie etwa der Deka-Bank ein Geschäftsmodell zu finden, das rentabel ist.

Bauer Thomas, Reporter Finanzzeitung Frankfurt
Thomas Bauer
HB Redaktion Finanzzeitung / Reporter Finanzzeitung Frankfurt

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