Kommentar
Populär, aber naiv

Banken müssen künftig so aufgebaut sein, dass einzelne Bereiche wegfallen können. Eine Trennung der Sparten aber wird nicht gebraucht.
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"Verständnis" ist in diesen Tagen eine gern benutzte Vokabel der politischen Elite Europas, wenn es um die Proteste auf den Straßen gegen die zu große Macht der Finanzmärkte geht. Der europäische Ratspräsident Herman Van Rompuy und EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso haben Verständnis für die Demonstranten und ihre Forderungen, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sogar "großes Verständnis". Fast scheint es, als wollten die Verständnisvollen von der medialen Aufmerksamkeit der Protestler so ein wenig abbekommen - oder sie zumindest in die Leere des Verständnisses laufen lassen.

Dieses Klima hat in Berlin dazu geführt, dass sich viele berufen fühlen, Vorschläge zur Reform der Banken zu machen. Und wenn SPD-Chef Sigmar Gabriel voller Verständnis für die Proteste die Trennung von Geschäftsbanken und Investment-Banking fordert, hält das Finanzministerium das für einen "interessanten Ansatz". Vor allem aber bleibt es ein populistischer Vorschlag, wenn er nicht mit Details angereichert wird.

Gabriel hat recht, sich im Jahre fünf der Krise Gedanken darüber zu machen, ob die Banken so krisensicher sind, wie sie sein sollten. Die klare Antwort ist: nein. Die Frage ist jedoch, welche Schritte die Finanzbranche und den Steuerzahler weiterbringen. Klar ist: Eine Zerschlagung der Großbanken in komplett getrennte Institute wäre nicht der richtige Schritt.

Ist die reine Investmentbank Lehman Brothers nicht gerade eines der größten Probleme in der Finanzkrise gewesen? Universalbanken haben sich in der ersten Runde der Finanzkrise als weit stabiler erwiesen. Und zudem bieten sie in ihrer Gesamtheit großen Firmenkunden Produkte wie Währungs- oder Zinsabsicherungen oder Finanzierungen über den Kapitalmarkt, bei denen Firmenkundengeschäft und Investment-Banking zusammenlaufen.

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  • Volle Zustimmung - so gut wie niemand braucht die Investmentbanken.....
    außer vielleicht die Freunde, Bekannten und Verwandten der Frau Bastian, die an der Gierveranstalung und Bonijagt Investmentbanking (dem Übelteil) teilhaben. Man muß fast zu dieser Meinung kommen, da Sie sich wirklich alle Mühe gab um irgendwelche (Schein-)Argumente zum Erhalt dieses Investmentbankenunsinn zu erhirnen.

  • Mal eine Frage an den pluralis majestatis,
    Was ist das eine Prozent das fehlt?
    Sind es die volkstümlichen Tassen im Schrank?

    Genug gelästert an die Arbeit!

    Das Grundübel ist die Haftungsverschiebung, die darf es auf keinen Fall geben. Ist eine Bank oder sonst ein Unternehmen (auf deutsch) zu deppert um solide zu wirtschaften dann muss es Pleite gehen.

    Nur dadurch, dass im Extremfall der Totalverlust droht ist jeglicher Gewinn gerechtfertigt. Wer den Verlust abwälzen will verliert das Recht auf Besitz und Gewinn.

    Punkt ende der Debatte.

    Aber die Folgen für die Volkswirtschaft wenn...
    Okay über die Abmilderung der Folgen lässt sich reden aber nicht über die Konsequenz der Pleite.

    Vorschläge dazu wären:
    Eine Abwicklungsabteilung z.B. bei der EZB. Ist eine Bank Pleite wird sie als Vertrauensbildung für die Einleger dieser EZB Abteilung unterstellt und geordnet abgewickelt. Ein Liquiditäts Fond der von der EZB verwaltet wird stellt sicher, das am Ende der Abwicklung die EZB nicht auf Verlusten sitzen bleibt.

    Variante 2 wäre aus meiner Sicht die Hall Idee.
    Wie bisher werden die schlechten Papiere in eine bad Bank ausgelagert aber anstatt diese bad Bank mit Steuergeldern zu füttern, wird die bad Bank die Eigentümerin der good Bank. Im Grundsatz werden dabei die Eigentümer durch ihre eigene Bank enteignet. Die Idee hat Grenzen wäre aber rein rechnerisch sogar noch bei Lehman aufgegangen.

    Zu guter letzt noch eins. 1929 2008 und jetzt wieder taucht immer das gleiche Problem auf. Früher sagte man jedem Banklehrling im ersten Jahr:

    Die goldene Regel lautet:
    Die Bank leiht sich immer soviel Geld über soviel Zeit wie sie es auch verleiht.

    Das Elend in allen Bankenkrisen ist, sich kurzfristig zu verschulden um langfristige Kredite vergeben zu können. Das könnte die BaFin sehr leicht abstellen und somit viel Druck aus dem Kessel nehmen.

    Frohes Schaffen allerseits

  • Das Ganze, Frau Bastian, reduziert sich dem Grunde nach auf die Haftungsfrage: Wer steht letztlich dafür gerade, wenn durch Fehleinschätzungen große Verluste auftreten.

    Auch wenn die Refinanzierung der Investment-Sparte nicht aus dem Privatkundenbereich erfolgt, steht doch zu guter Letzt der Gesamtkonzern für entstandene Verluste gerade.

    Aber genau diese Situation soll zukünftig ja verhindert werden. So, what is to do?

    So ganz am Rande: Ihr Spruch: "....oder sie zumindest in die Leere des Verständnisses laufen lassen"....

    ist einfach Klasse!

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