Kommentar
Warum Stresstests trotzdem wichtig sind

Viel zu viel Aufwand, viel zu kleiner Ertrag - die Kritik an den Stresstests ist berechtigt, aber trotzdem erfüllen sie einen wichtigen Zweck: Die Banken müssen auf ihre Finanzen achten. Denn der öffentliche Druck ist gewaltig.
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Die Zahlen liegen auf dem Tisch. Die deutschen Banken haben mit Ausnahme der Helaba den Stresstest der europäischen Bankenaufsicht Eba bestanden. Die große Frage, die sich viele stellen, lautet: welchen Wert hat ein solcher Test überhaupt?

Wer bei den Banken nachfragt, bekommt als Antwort: „keinen“. Viel zu viel Aufwand, viel zu kleiner Ertrag. Außerdem bestehe die Gefahr, so war immer wieder zu hören, dass die Veröffentlichung der Ergebnisse ein hohes Risiko berge; weil die Märkte verunsichert würden und einzelne, schwach kapitalisierte Banken gezielt von Spekulanten angegriffen werden könnten.

Die Argumente sind nicht falsch, zumindest nicht alle. Tatsächlich hat die Eba nicht immer eine glückliche Figur gemacht. Die Diskussion um die Helaba, also die Frage, ob die Stillen Einlagen des Landes Hessens als Kernkapital der Landesbank gewertet werden dürfen oder nicht, gehört dazu. Die Vorgaben der Eba waren, das zeigt das Beispiel, nicht immer konsistent.

Trotzdem sind Tests wie dieser wichtig, um das Vertrauen in die Branche nach den Erfahrungen der Finanzkrise wieder herzustellen. Er zwingt die Banken, sehr viel genauer auf ihre Kapitalausstattung zu achten, weil der öffentliche Druck sie dazu zwingt.

Die Anstrengungen, die viele Banken in den vergangenen Monaten unternommen haben, um  - wie von der Eba gefordert – auf eine Kapitalquote (Tier 1) von fünf Prozent zu kommen, sind Ergebnisse dieses Druckes. Die Tatsache, dass die Banker sich darüber beschweren, von einer Behörde gegängelt zu werden, ist nicht unbedingt Beleg dafür, dass der Test nichts taugt.

Christian Panster
Christian Panster
Handelsblatt Online / Ressortleiter Finanzen

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  • Die aktuellen Probleme in der Eurozone werden sich nicht, durch einen nach aussen positiv verkauften Stresstest, verbessern sondern eher das Gegenteil bewirken. Das Misstrauen der Leute gegenüber Politik und Bankern wird weiter steigen. Da man mittlerweile schon oft besänftigende Worte vor dem Urknall zu hören bekommen hat. Das die Banken sich nicht an der Griechenland Krise beteiligen wollen ist verständlich. Das Sie jedoch das Schlammasel, als jahrelanger Anleihenabnehmer, mitverursacht hat steht für jeden mittlerweile ausser Frage. Nachdem das Ausmass der Krise absehbar war, hat sie die Politik unter Druck gesetzt und Ihren Müll so gut es geht bei der EZB abgeladen. Das Problem der Banken war jahrelang eine überlaufende Liquidität, die einfach ohne Kreditprüfung den Staaten nachgeschmissen wurde (das kostet wenig Gehirnschmalz und macht “Banking” zu einem Kinderspiel). Was die Stresstestregeln angeht werden die Schrauben so lange gedreht bis das Ergebnis publikumswirksam eingepackt werden kann. Ob dies der richtige Weg ist, natürlich nicht!!! aber es ist wie bei den Banken, der Weg des geringsten Wiederstandes. Das Vertrauen, was man uns z.Z. anpreisen will ist beim nächsten kleinen Krisenlüftchen noch weiter verbraucht.

    Meine Lektion aus dieser Krise ist, von “nichts kommt nichts”, “ Geld und Zinsen schaffen keinen Wohlstand” und nur wenn der moderne Banker lernt die Realwirtschaft mit Kapital richtig zu bedienen werden wir wieder in eine bessere Zukunft schauen.

    Das ganze wirkt so als ob jemand einen Brand legt und danach versucht sich unbemerkt aus dem Staub zu machen.
    In diesem Fall ist derjenige nicht eine Person, sondern grosse Teile eines Systems und wie man dieses einfängt ist für die meisten Politiker so, als ob jemand ein Gespenst einfangen soll...

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