Kommentar zum Sal. Oppenheim-Urteil
Die Großen lässt man laufen?

Die Luxus-Bankiers von Sal.Oppenheim taugen zum Feindbild für all diejenigen, die Banken grundsätzlich misstrauen. Ist das Urteil der Kölner Richterin angemessen? Eine Einschätzung.
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Ist das gerecht? Die Luxus-Bankiers von Sal. Oppenheim kommen mit einem milden Urteil davon. Nur einer wandert in den Bau, die anderen erhalten Bewährungs- und Geldstrafen. Ein zum wiederholten Mal ertappter Ladendieb muss mit härteren Bußen rechen. Sind es mal wieder die Kleinen, die man hängt, und die Großen, die man laufen lässt?

Die Richterin im Landgericht Köln musste über Angeklagte urteilen, die an ihrer eigenen Großspurigkeit gescheitert sind. Nur zu gern spielten sie die Bankiers der Schönen und Reichen. Die Bilder von Champagner-Empfängen auf Sylt, Poloturnieren und Golfevents, von Zigarre rauchenden Herren und Damen mit großen Hüten, finden sich noch immer im Archiv der Bank. Es war eine schillernde Zeit, in der die Vermögensberater klaglos ihren Dienst versahen und den betuchten Sal.Oppenheim-Kunden das Gefühl vermittelten, dass Adel und Geldadel zusammen ein uneinholbares Team ergaben.

Die völlig überdimensionierte Investition in den damals schon maroden Karstadt-Nachfolge-Konzern Arcandor und dessen Pleite setzte diesem Treiben ein Ende. Weil die Topbanker in einer eigenen Glitzer-Welt lebten und daneben weder die Kreditvergabe noch das Risikomanagement in ihrer Bank im Griff hatten, schlitterten sie mit Arcandor in den Abgrund.

Sie zogen dabei ein traditionsreiches Geldhaus mit nach unten, sie vernichteten Arbeitsplätze, sie verschleuderten ein wenig von dem Vermögen ihrer außerordentlich betuchten Kunden, und sie verloren letztlich auch ihr eigenes Geld als persönlich haftende Gesellschafter. Darin besteht ihre Schuld.

Die kriminelle Energie eines Bankers vom Schlage Gerhard Gribkowsky, der sich bei der BayernLB am Verkauf der Formel eins bereicherte, hatte bei Oppenheim niemand. Und auch die Zocker-Gene, mit denen Banker die Pleite von Lehmann und damit die schwerste Krise ihrer Branche heraufbeschworen – diese Zocke-Gene waren in der Oppenheim-Führungsetage in Köln weniger ausgeprägt als anderswo.

Deswegen ist das milde Urteil gerechtfertigt. Es geht nicht um Sippenhaft für einen Berufsstand, in dem viele immer wieder über die Stränge schlagen, sondern es geht um eine Bewertung der Taten dieser Angeklagten. Und das ist der Richterin gelungen.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Kommentar zum Sal. Oppenheim-Urteil: Die Großen lässt man laufen?"

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  • Generell muß man konstatieren, daß Strafen in Deutschland - auch gegen Wirtschaftskriminelle - zu gering ausfallen. Dabei geht es nicht um die billige Befriedigung von " Rache ", wohl aber um eine glaubhafte sowie wirksame Abschreckung. Auf Dauer muß gerade in einem Rechtsstaat das gesetzlich vorgesehene Strafmaß von den Gerichten auch ausgeschöpft werden, es sei denn die Schuld sei als gering anzusehen. Davon kann man bei den Beteiligten im Fall Sal. Oppenheim wohl nicht ausgehen.

  • "Die Großen lässt man laufen?"

    Das Urteil "Im Namen der Frau Sabine Grobecker" lässt keine "Befriedigung" aufkommen. Es entstand nicht der Eindruck, dass der Fall aufgeklärt wurde. Zuviele Beteiligte sind nicht bestraft worden.

  • Das kommt wohl dabei heraus, wenn man(n) sich mit dem bürgerlichen Proletariat einlässt.

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