Kommentar zur Credit Suisse: Freie Hand für Tidjane Thiam

Kommentar zur Credit Suisse
Freie Hand für Tidjane Thiam

Die Credit Suisse tauscht ihren Chef aus. Das war überfällig, denn sie hinkt schon lange ihren Zielen hinterher. Die Wahl seines Nachfolgers Tidjane Thiam ist ein Fingerzeig, wie sich die Bank neu ausrichten könnte.
  • 2

ZürichIn der Schweiz fragten sich viele Beobachter, warum Credit-Suisse-Präsident Urs Rohner so lange am vom Aktienmarkt ungeliebten Vorstandschef Brady Dougan festhielt. Seit Jahren schon hinkte die Credit Suisse ihren eigenen Zielen hinterher, die Aktie verlor gegenüber Wettbewerbern immer mehr an Boden. Nun haben wir die Antwort: Rohner ließ sich Zeit, eine überzeugende Nachfolge-Lösung zu präsentieren. Die Märkte trauten Dougan schon lange nicht mehr zu, der Credit Suisse neue strategische Impulse zu verleihen. Daher ist die Neubesetzung konsequent und auch überfällig.

Es wäre indes unfair, dabei Dougans Verdienste zu unterschlagen. Als eine der wenigen Großbanken mit einer großen Investmentbanking-Sparte steuerte er die zweitgrößte Schweizer Bank durch die Finanzkrise, ohne, dass die Aktionäre oder gar der Staat mit frischem Kapital aushelfen mussten.

Doch danach fehlte Dougan die Ansicht, dass das Festhalten an der alten Strategie und ein paar Retuschen im Investmentbanking ausreichen, um die damals gewonnene Position der Stärke auszubauen. Diese Chance hat er vertan. Daher muss er jetzt gehen.

Mit der Neubesetzung an der Spitze mit Prudential-Chef Tidjane Thiam hat sich Rohner für einen Branchenfremden entschieden. Thiam muss nun die seit langem schwelende Strategie-Frage beantworten. Die Frage lautet, wie Credit Suisse die Abhängigkeit vom volatilen Investmentbanking verringern kann.

Eine Verkleinerung der Sparte wie UBS dürfte Credit Suisse nur wenig bringen – denn damit würde die Bank auf Erträge verzichten, die die Vermögensverwaltung durch organisches Wachstum allein nie in akzeptabler Zeit wird ersetzen können.

Der Leistungsausweis Thiams gibt einen Fingerzeig, wie der neue CS-Chef das Problem angehen könnte: Als Prudential-Chef wollte er in einer spektakulären Aktion das asiatische Geschäft von AIG kaufen – und wurde dabei von den eigenen Aktionären ausgebremst. Das lässt vermuten, dass Credit-Suisse-Chef Urs Rohner seinem neuen Mann an der Spitze nun freie Hand geben könnte, die Vermögensverwaltung der Großbank mit einem Zukauf auf UBS-Niveau zu heben.

Das Problem ist: Gute Kaufgelegenheiten sind rar. Julius Bär wäre ein Top-Kandidat; aber sehr teuer. Sicher ist nur: Der Credit Suisse stehen jetzt spannende Zeiten ins Haus.

Kommentare zu " Kommentar zur Credit Suisse: Freie Hand für Tidjane Thiam"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Wie lange muß ich noch warten bis die beiden bei der Deutschen Bank rausgeschmissen werden und endlich ein echter Neuanfang starten kann.

  • So weit zum Thema Schwarzgeld.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%