Konsolidierung erwartet: Depotbanken im Härtetest

Konsolidierung erwartet
Depotbanken im Härtetest

Die Bafin hat die Anforderungen an Depotbanken massiv erhöht. Das wird vor allem kleinere Häuser in Bedrängnis bringen. Auch Privatbanken müssen sich entscheiden, ob sie das Geschäft weiter betreiben wollen. Als Gewinner einer Konsolidierung gelten große Häuser.
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FRANKFURT. Der Markt der Depotbanken steht vor einer Bereinigung. „Heute gibt es rund 50 Anbieter, in fünf Jahren werden höchstens noch 20 aktiv sein“, sagt Gerald Noltsch, Geschäftsführer von BNP Paribas Securities Services. „Nur 15 Depotbanken sind gut aufgestellt“, ergänzt Clemens Schuerhoff, Geschäftsführer der Beratungsfirma Kommalpha. Ein Treiber der Konsolidierung ist die Aufsicht. Im sogenannten Depotbank-Rundschreiben hat die Bafin Anforderungen an Depotbanken erhöht.

Die Häuser übernehmen für institutionelle Investoren Dienstleistungen wie Wertpapierverwahrung, Anlagegrenzprüfungen und Zusatzleistungen wie Risikokontrolle. Je nach Zusatzleistung können die Anbieter hier höhere Margen erzielen als im ertragsschwachen Kerngeschäft. Bei dem 1,4 Bill. Euro großen Markt für Investmentfonds geht es um geschätzte Einnahmen von über 500 Mio. Euro im Kerngeschäft der Depotbanken.

Wichtige Wettbewerber in dem wenig transparenten Markt sind große globale Depotbanken wie State Street und JP Morgan, und europäische Adressen wie BNP Paribas oder Caceis. Dazu kommen nationale Häuser wie die Commerzbank, Landesbanken und einige Privatbanken.

„Durch die Finanzkrise werden die regulatorischen Anforderungen massiv zunehmen, was den Aufwand erhöht“, sagt Jörg Ambrosius, Geschäftsführer der State Street Bank in Deutschland. Er erklärt: „Man will mehr Transparenz und außerdem Betrugsmöglichkeiten ausschließen, wie im Fall Madoff, wo die Verantwortung der beteiligten Depotbanken heftig diskutiert wurde.“

Ein wichtiges Thema des Bafin-Schreibens ist die Verschärfung der Anlagegrenzprüfung. Hier müssen die Depotbanken prüfen, ob Fonds die gesetzlich und vertraglich vorgeschriebenen Anlagen tatsächlich einhalten. „Manche Anbieter müssen daher noch in Spezialsoftware investieren, das ist teuer“, sagt Schuerhoff.

Druck kommt auch von den Investoren. „Die sind nach Madoff viel sensibler geworden“, sagt Volker Braunberger, Geschäftsführer der Beratungsfirma Itechx. „Wir erkennen, dass kleinere Versorgungswerke und Pensionskassen neue Depotbanken suchen.“

Die Meag verlagerte laut Angaben aus dem Markt ein Mandat von der Commerzbank zu BNP Paribas. BNP betreut nach weiteren Mandatsgewinnen aktuell rund 110 Mrd. Euro und zählt zu den expansiven Adressen. Die große Allianz Global Investors überprüft gerade ihre Depotbankverbindung. Nach Angaben aus dem Hause handelt es sich um einen Routinecheck.

Neueinsteiger gibt es wenige. Die Cas Bank gehört dazu. Sie ist erst Anfang Juni gestartet und will laut ihrem Geschäftsführer Jörg Sittmann bis Jahresende 1,6 Mrd. Euro betreuen. „Unser Ziel sind fünf Milliarden Euro in drei Jahren.“

Es wird Verlierer geben. „Unter Druck stehen bei steigenden Aufwendungen vor allem die kleineren Anbieter mit geringen Volumina“, sagt Ambrosius. „Viele aktive Landesbanken stehen unter dem Generalverdacht, dass ihnen die Nachhaltigkeit fehlt. Es gibt wenige Ausnahmen wie die WestLB oder die LBBW“, urteilt Braunberger.

Kleinere Privatbanken stehen vor der Entscheidung

Eine andere Gruppe ist besonders bedroht: die der kleinen Privatbanken, die das Geschäft nur nebenbei betreiben. „Die sind in Europa chancenlos, nur mit dreistelligen Milliardenbeträgen ist man in der Gewinnzone“, sagt Schuerhoff. Braunberger bemerkt: „Viele Banken schleppen ihre Depotbanksparte nur mit, weil sie über die Kundenbindung in anderen Segmenten mehr Geld verdienen können.“

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  • Leider, wie viele Aussagen zu diesem Thema, zu undifferenziert:
    1. Die bafin hat die Anforderungen an die Depotbanken nicht erhöht, das kann sie gar nicht, weil sie keine Gesetzgebungsgewalt hat. Sie hat die Anforderungen allenfalls konkretisiert.
    2. Die "Anlagegrenzprüfung" war spätestens seit dem investmentgesetz der Fassung 2007 auch für Depotbanken vorgeschrieben. Es gibt bisher keine investitionsentscheidung in teuere Systeme, die wegen den Konkretisierungen im Rundschreiben getroffen wurde.
    3. Von der Größe alleine läßt sich nicht auf die Rentabilität schließen. Das hängt im Wesentlichen von der Art der Vermögensgegenstände im Fonds und der Organisation der Prozesse ab. Je standardisierter die Produkte sind desto geringer ist der Aufwand bei der Kontrolle.
    4. Die Konsolidierung wird seit 15 Jahren prophezeit, die Anzahl der zugelassenen Depotbanken hat sich nur unwesentlich verändert.
    5. bei den Äußerungen der berater ist vielfach der Wunsch der Vater des Gedankens, weil inestitionen in teuere Software natürlich gutes integrationsgeschäft versprechen.

  • Thema verfehlt, denn eine Depotbank hat nichts mit dem klassischen was sie als "vor dem Fiskus in vermeintliche Sicherheit bringen" Privatkundengeschäft zu tun. Kaufen Sie einen Fonds der Union investment, DWS, Deka und so weiter und das Vermögen ihres Fonds wird in 2 von 3 Fällen bei einer luxemburgischen Depotbank verwahrt. Ob Sie wollen oder nicht.

  • Guten Tag,.... Da Sie das Schild der bNP Paribas zeigen !..... Eine kleine Anekdote....... in belgien Frankreich und Luxemburg vegetiert ein aehnlicher Saftladen Namens " Dexia ",... auch eine " Organisation de Grand banditisme " von Herrn Sarkozys Gnaden. Deren Vorstand; ein gewisser Mariani ( Stiefelknecht von Herrn Sarkozy ) der sich hemmungslos mit seinem Kumpel ( Jean Luc DeHaene in der Kasse bedient ) wird in den naechsten Wochen zu noch hoeherem berufen. Er wird laut " Le Monde " Leiter des Sekretatiats und somit rechter Arm dieses Zwergen in Paris. Ob bNP Paribas, oder Dexia.... eines haben beide gemeinsam;.... sie sind nur noch Marionetten der Franzoesisch, belgisch oder Luxemburgischen Regierung. ( Theroetisch laengst den bach hinunter ). Nachdem 1500 Angestellte vor 2 Jahren hinausgemobbt wurden, steht jetzt laut " Echo de la bourse " ( bruxelles ) eine neue Kuendigungswelle bei " Dexia " an, es handele sich um 800 Leute. Eine Folge von Groessenwahn und voelliger Falscheinschaetzung jeder Finanzlage. All dies moegen ihre Leser bedenken wenn sie ihr Geld bei diesen Haeusern vor dem Deutschen Fiskus in vermeintliche Sicherheit bringen. Manch einer mag ueber Deutsche Geldhaeuser wettern;.... jedoch was sich bei dem Franzoesisch-belgisch-Luxemburgischen Gesindel abspielt sollte jedem Kunden ernsthaft zu denken geben.Diese meine Worte sind anhand eines blickes in " Le Monde " und L'Echo de la bourse " ohne Problem zu ueberpruefen. besten Dank.

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