Konsolidierungswelle: Vermögensverwalter unter Druck

Konsolidierungswelle
Vermögensverwalter unter Druck

In der Schweiz machen den Vermögensverwaltern nicht nur die Großbanken mit ihrer immer individuelleren Beratung das Leben schwer. Auch die kleineren Banken blasen zum Angriff auf die unabhängigen Berater. Und zwingen die Branche zur Konsolidierung.

ZÜRICH. Unter dem Druck der Großbanken und angesichts regulatorischer Hürden müssen sich die unabhängigen Vermögensberater in der Schweiz neu aufstellen. Bei einem Treffen der Branche in der nächsten Woche in Zürich wird deswegen das Thema Zusammenschlüsse und Nachfolgeplanung unabhängiger Vermögensverwalter eine wichtige Rolle spielen. Neben Banken, die bei der Suche nach kleineren Akquisitionen auch unabhängige Vermögensverwalter auf ihrer Liste haben, versuchen einzelne Anbieter, innerhalb der Branche auf eigene Faust, diesen Prozess zu beschleunigen.

„Wir kaufen unabhängige Vermögensberater“, heißt beispielsweise das Geschäftsmodell von Peter Moertl, Chef von Fortune Wealth Management. Fünf ehemals unabhängige Beraterbüros hat Fortune, eine Tochter-Gesellschaft der börsennotierten Fortune-Management Gruppe, bereits unter seinem Dach versammelt. Weitere sollen folgen. Moertl hat sich viel vorgenommen: Er will nach eigenen Worten eine der führenden bankenunabhängige Finanzplattformen für Vermögensverwalter in der Schweiz werden.

Der Weg dahin ist allerdings noch weit. Die Branche ist in der Schweiz in den vergangenen 20 Jahren stark gewachsen. 1988 gab es rund 500 unabhängige Vermögensverwalter. Ende 2004 waren es nach den Zahlen der Standesorganisationen bereits 2 600 unabhängige Portfoliomanager. Das gesamte Vermögen, das sie betreuen, wird auf 500 Mrd. Franken geschätzt – Geld, das zum Hauptteil aus den großen Nachbarländern der Schweiz wie Deutschland, Frankreich und Italien stammt.

Der Verband Schweizerischer Vermögensverwalter (VSV), in dem knapp ein Drittel der Verwalter organisiert sind, schätzt, dass bis zu 800 Betriebe reine Ein-Mann-Unternehmen sind. Am anderen Ende der Skala seien Unternehmen mit mehr als 100 Arbeitsplätzen zu finden. Ebenso groß ist die Bandbreite der verwalteten Vermögenswerte. Hier reicht die Skala laut Verbandsschätzungen von einigen Hunderttausend bis zu mehreren Milliarden Franken.

Zwei Tendenzen bringen die Verwalter nun unter Druck: Großbanken wie UBS und Credit Suisse gestalten ihre Beratung immer individueller und nähern sich damit erfolgreich dem Geschäftsmodell der unabhängigen Berater. Das Geld, das die Großbanken verwalten, steigt ständig. Allein die Credit Suisse verwaltete im vergangenen Jahr ein um 13 Prozent gewachsenes Vermögen von 1 485 Mrd. Franken. Bei der UBS waren es Werte in doppelter Höhe. Bei den unabhängigen Verwaltern stagniert dagegen der Wert des betreuten Vermögens.

Zudem blasen auch die kleineren Banken zum Angriff auf die unabhängigen Vermögensverwalter. So erklärte Bernard Stadler bei der Gründung der Bank Clariden Leu, einer Credit-Suisse-Tochter, im vergangenen Jahr: „Viele unabhängige Vermögensverwaltungsfirmen, die vor 20 oder 30 Jahren in der Schweiz gegründet wurden, haben ein Nachfolgeproblem. Da sehe ich großes Potenzial in der Schweiz für Akquisitionen.“

Druck kommt aber auch vom Regulierer. Im vergangenen Jahr entschieden die Richter des Schweizer Bundesgerichts, dass Provisionen, Rabatte oder neudeutsch „Kickbacks“, die Vermögensverwalter erhalten, wenn sie ein bestimmtes Finanzprodukt verkaufen, an die Kunden weitergegeben werden müssen. Ausnahmen von dieser Regel müssen in den Verträgen zwischen Vermögensverwaltern und ihren Kunden ausdrücklich geregelt sein. Das entspricht zwar den Standesregeln, dürfte aber bei einigen der nichtorganisierten Vermögensverwalter bislang nicht üblich gewesen sein. „Es gibt Leute, die sich deswegen große Sorgen machen“, sagt beispielsweise Christian Hosp von SHW-Invest, einem unabhängigen Vermögensberater in Zürich. „Das Urteil macht die Branche ungemütlicher und senkt die Margen.“

Auf die dadurch einsetzende Konsolidierungswelle bauen Unternehmer wie Moertl nun ihr Geschäftsmodell auf. Er hat es dabei auf die Großen der Branche abgesehen. Deren alte These allerdings: „Vermehre das Geld und die Kunden werden schon kommen“, gelte nicht mehr, glaubt Moertl. „Heute heißt es: Vermehre das Geld besser als die anderen und lauf den Kunden hinterher.“

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
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