Konzernchef Müller will acht Prozent Rendite – Investment-Banking im roten Bereich: Der Börse gefallen die Zahlen der Commerzbank

Konzernchef Müller will acht Prozent Rendite – Investment-Banking im roten Bereich
Der Börse gefallen die Zahlen der Commerzbank

Die Commerzbank hat im vergangenen Jahr nach zwei Verlustjahren die Wende geschafft. Das Institut profitierte von steigenden Zins- und Provisionserträgen sowie einem Rückgang der Risikovorsorge um 23 Prozent auf 836 Millionen Euro.

pot FRANKFURT/M. Die Bank wies einen Reingewinn von 393 Mill. Euro aus. 2003 hatte die Commerzbank nach einer drastischen Bilanzbereinigung noch ein Minus von 2,3 Mrd. Euro gemacht. Das vierte Quartal 2004 blieb mit einem Gewinn von 99 Mill. Euro zwar leicht unter den Erwartungen. Dennoch legten die Aktien um ein Prozent auf 17,14 Euro zu. Vorstandschef Klaus-Peter Müller zeigte sich zufrieden: „Wir haben 2004 unser operatives Ergebnis markant verbessert und sind auf dem Weg zu höheren Eigenkapitalrenditen gut vorangekommen.“

Ursprünglich wollte die Commerzbank die Bilanz erst heute vorlegen. Die vorzeitige Veröffentlichung begründete das Institut mit Anlegerschutzbestimmungen, die eine unverzügliche Bekanntgabe vorsehen. In der Vergangenheit waren die Zahlen der Commerzbank mehrfach vor der offiziellen Veröffentlichung durchgesickert. Dem wollte Müller offenbar einen Riegel vorschieben.

Das Institut profitierte von steigenden Zins- und Provisionserträgen sowie einem Rückgang der Risikovorsorge um 23 Prozent auf 836 Mill. Euro. Auch die Kosten hat die Bank, die in den vergangenen Jahren ebenso wie die gesamte Branche massiv Personal abgebaut hat, im Griff. Sie lagen 2004 um ein Prozent niedriger als ein Jahr zuvor. Das operative Ergebnis bezifferte die Bank auf eine Mrd. Euro, was einem Plus von 87 Prozent entspricht. Nachdem die Aktionäre für 2003 auf eine Dividende verzichten mussten, erhalten sie jetzt 0,25 Euro pro Aktie.

Dass das vierte Quartal etwas unter den Erwartungen lag, geht vor allem auf das Konto der polnischen Tochter Bre Bank. Diese hatte auf Grund der Umstellung auf die neuen Buchführungsregeln IFRS die Bewertung für ihre Pensionsfonds-Tochtergesellschaft gesenkt und rutschte überraschend tief in die roten Zahlen. Dies belastete die Commerzbank mit 49 Mill. Euro.

Die Zahlen für die einzelnen Geschäftsfelder will die Bank erst heute auf der Bilanzpressekonferenz vorlegen. Im Umfeld der Bank war aber zu erfahren, dass das Investment-Banking auch im vierten Quartal rote Zahlen geschrieben hat. Allerdings habe sich das Ergebnis gegenüber dem Vorquartal deutlich verbessert. Das Investment-Banking galt lange Zeit als das Sorgenkind im Konzern. Im November zog Müller die Reißleine und verordnete der Sparte eine Schrumpfkur, der 900 Stellen zum Opfer fielen. Der zuständige Vorstand Mehmet Dalman wurde durch Nicholas Teller ersetzt, der zuvor das Firmenkundengeschäft verantwortete. Im Zuge des Vorstandsumbaus übernahm Martin Blessing das Mittelstandsgeschäft und der frühere Comdirect-Chef Achim Kassow das Privatkundengeschäft sowie die Vermögensverwaltung.

Analysten zeigten sich von den Zahlen angetan – nicht zuletzt, weil es keine böse Überraschungen gab. „Die Zahlen sehen durchweg sehr solide aus“, sagte Thomas Rothäusler von Sal. Oppenheim. Nach Meinung von Guido Hoymann von Metzler ist das Ergebnis „besänftigend nach dem Auf und Ab des vergangenen Jahres“. Er hob hervor, dass das Handelsergebnis im vierten Quartal offenbar nicht unter der Schrumpfkur im Investment-Banking gelitten habe. Auch bei der Risikovorsorge seien negative Überraschungen – etwa durch Walter Bau – ausgeblieben.

Konzernchef Müller bekräftigte für das laufende Jahr das Ziel einer Eigenkapitalrendite von mindestens acht Prozent nach Steuern. Der „gute Auftakt“ im Januar bestätige die Bank in ihrer Erwartung. „Wir haben die Risiken im Kreditgeschäft und die Kosten im Griff und spüren bei den Erträgen eine Belebung.“ Das Renditeziel entspricht einem Gewinn von 700 Mill. bis 800 Mill. Euro. Eigentlich wollte die Bank bereits 2004 eine Rendite von acht Prozent erwirtschaften. Es wurden aber nur 4,4 Prozent.

Nach Meinung von Analysten dürfte die Marke in diesem Jahr aber erreicht werden. Hoymann von Metzler etwa erwartet 8,4 Prozent. Zum Vergleich: Die Deutsche Bank kam im vergangenen Jahr auf 9,4 Prozent und peilt für 2005 einen Wert von 25 Prozent vor Steuern an, was einer Nachsteuerrendite von rund 15 Prozent entspricht.

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