Konzernumbau
Die Untoten der Deutschen Bank

Selten ist ein Konzernvorstand auf einen Schlag so umfassend umgebaut worden wie bei der Deutschen Bank. Doch nicht jeder, der nicht mehr gut gelitten ist, geht sofort – manche dürfen noch Monate über die Flure huschen.

DüsseldorfDeutsche-Bank-Aufsichtsratschef Paul Achleitner bringt den umfassenden Vorstands- und Konzernumbau bei der Deutschen Bank auf den Punkt: Eine derartig grundlegende Reorganisation gehe „nicht ohne Härten einher“. Treffen wird es in den kommenden Quartalen viele Mitarbeiter – ein umfassender Stellenabbau ist in Vorbereitung. Und im obersten Führungsgremium gehen einige Leistungsträger der Vergangenheit, die teilweise jedoch vor allem durch Zins- und Devisen-Manipulationsaffären belastet waren.

Gleich sechs neue Namen hat Co-Vorstandschef John Cryan mit Achleitner für den Vorstand präsentiert und auch etliche Posten der zweiten Führungsebene neu besetzt. Damit kann es in den kommenden Monaten zu gespenstischen Situationen kommen: Immer dann wenn die neuen Stars den alten Größen auf den Fluren der Bank begegnen. Denn bei weitem nicht jeder räumt unmittelbar seinen Posten.

Einer der „Untoten“: Michele Faissola. Der bisherige Chef der Vermögensverwaltung der Deutschen Bank wird laut Mitteilung der Bank „nach einer Übergangszeit“ die Bank verlassen. Sein Nachfolger Quintin Price tritt seinen Posten erst zum 1. Januar 2016 an und zieht dann auch in den Vorstand der Bank ein. Letzteres Privileg war Faissola verwehrt geblieben, obwohl er die Sparte Deutsche Wealth & Asset Management durchaus finanziell auf ein stabileres Fundament gehoben hatte.

Doch Faissolas Problem ist sein bisheriger Förderer: der ehemalige Co-Chef der Deutschen Bank, Anshu Jain. Faissola arbeitet seit 20 Jahren für die Deutsche Bank, war unter anderem in der einst von Jain geführten Investmentbank für den Handel mit Zinsprodukten und Rohstoffen verantwortlich. Jain hievte nach der Ernennung zum Co-Chef dann Faissola auf dessen aktuellen Posten.

Doch zu viel Nähe zu Jain ist zu einem K.O.-Kriterium unter John Cryan geworden. Außerdem hatte die Finanzaufsicht Bafin Faissola in ihrem umfangreichen Bericht zu Manipulationen des Libor-Zinssatzes „schwerwiegende“ Versäumnisse bescheinigt. Er soll trotz früher Hinweise auf Manipulationen das Prozedere bei der Feststellung des Libor nicht geändert haben.

Schon länger über die Flure von Deutschlands größtem Geldhaus geistert Jain selbst. Nach seinem Rücktritt im Juni, ist er noch bis zum Januar 2016 offizieller Berater von Cryan. Und auch Richard Walker, einstiger Chefjustiziar und ebenfalls Jain-Freund, ist immer noch da. Nachdem insbesondere die deutsche Finanzaufsicht Bafin sich jahrelang an ihm störte, wird er zum Jahresende sein Amt niederlegen und der Bank aber weiterhin als „Vice Chairman Legal“ zur Verfügung stehen.

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