Korruptionsskandal in Malaysia

Auch Schweizer UBS verwickelt, USA wollen Milliardensumme beschlagnahmen

Die Schweitzer Großbank UBS gerät in den Strudel der Korruptionsaffäre um den malaysischen Staatsfonds 1MDB. Auch die US-Behörden ermitteln mittlerweile gegen den Fonds – sie wollen eine Milliarde Dollar beschlagnahmen.
Update: 21.07.2016 - 20:07 Uhr
Dier Schweizer Großbank hat die Finanzaufsicht in Singapur über „verdächtige Transaktionen“ informiert. Quelle: AFP
UBS

Dier Schweizer Großbank hat die Finanzaufsicht in Singapur über „verdächtige Transaktionen“ informiert.

(Foto: AFP)

Singapur/New York/ZürichDer Korruptionsskandal um den malaysischen Staatsfonds 1MDB erfasst nun auch westliche Großbanken wie UBS, die britische Standard Chartered und Goldman Sachs. Die Finanzaufsichtsbehörde Singapurs (MAS) stellte bei den beiden europäischen Instituten und der asiatischen DBS Kontrollmängel fest, wie sie am Donnerstag mitteilte. Auch die US-Behörden haben Ermittlungen aufgenommen und wollen aus dem Fonds Vermögen über eine Milliarde Dollar beschlagnahmen – darunter Luxusimmobilien, Gemälde und ein Flugzeug. Im Zuge dessen geriet auch Goldman Sachs in den Strudel des Skandals: Die Investmentbank hat den Fonds bei Anleiheverkäufen unterstützt, deren Erlöse von 1MDB-Vertretern missbraucht worden waren, wie aus Unterlagen des US-Justizministeriums hervorgeht. Goldman selbst wird kein Fehlverhalten vorgeworfen.

Bei UBS, Standard Chartered und DBS monierten die Aufseher in Singapur Versäumnisse bei der Überwachung von Transaktionen und der Aufnahme neuer Kunden. „Darüber hinaus ist es zu unzulässigen Verzögerungen bei der Aufdeckung und Anzeige von verdächtigen Transaktionen gekommen“, hieß es in einer Mitteilung der MAS. Die UBS erklärte, sie habe verdächtige Transaktionen von sich aus gemeldet und sei in engem Kontakt mit Regulatoren.

Die Ermittlungen um den Staatsfonds 1Malaysia Development Berhad (1MDB) beschäftigen Behörden rund um den Globus bereits seit Monaten. Bei dem Fonds waren Milliardenbeträge verschwunden oder auf ausländische Bankkonten mit unbekannten Eigentümern abgeflossen. Gegen 1MDB laufen daher in mindestens sechs Ländern Geldwäsche-Untersuchungen. Die Affäre ist auch politisch hoch brisant: Denn der Fonds wurde 2009 vom malaysischen Ministerpräsident Najib Razak gegründet, der bis vor kurzem noch Aufsichtsratschef von 1MDB war. Razak gerät nun auch innenpolitisch unter Druck: Ein Oppositionsführer forderte am Donnerstag seinen Rücktritt. Der frühere Premier Mahathir Mohamad schlug hingegen eine Volksabstimmung darüber vor. Razak und 1MDB haben ein Fehlverhalten stets bestritten.

Die Unterlagen der US-Justiz enthalten noch ein weiteres brisantes Detail: Aus den Mitteln des Fonds soll der Hollywood-Streifen „Wolf of Wall Street“ mit Leonardo DiCaprio finanziert worden sein.

Die größten Bankpannen
Comdirect
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Am Montagmorgen ist es zu einer schweren Panne beim Online-Banking der Comdirect gekommen. Nutzer landeten nach dem Login nicht auf dem eigenen Konto, sondern auf dem Konto von anderen Nutzern und konnten sich dort frei bewegen. Die Panne hatte auch in der Handelsblatt-Redaktion rekonstruiert werden können. Ein Redakteur erhielt den Zugriff auf ein Konto mit mehr als 50.000 Euro Guthaben auf Giro- und Tagesgeldkonto. In dem Account konnte sich der Redakteur zunächst frei bewegen und etwa Kontoauszüge aus der „Postbox“ aufrufen. Die Comdirect hatte nach eigenen Angaben in der Nacht auf Montag Wartungsarbeiten am Online-Auftritt durchgeführt. Ein betroffener Nutzer sagte der Zeitung, für ihn sei der Vorfall „ein Super-Gau“.

Deutsche Bank
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Für Privat- und Geschäftskunden der Deutschen Bank begann der erste Freitag im Juni mit einem riesigen Schrecken. Lastschriften seit dem 1. Juni tauchten im Online-Banking der größten heimischen Bank doppelt auf - und rissen viele Konten ins Minus. Viele Kunden berichteten, kein Geld mehr abheben zu können. Erst am Samstag wurde die Panne behoben.

Sparkasse
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Wegen einer Softwareumstellung hat die Sparkasse Nürnberg Anfang Juni aus Versehen mehrere Tausend Konten ihrer Kunden gesperrt. Betroffen von dem Softwarefehler waren rund 5000 Pfändungsschutzkonten. „Natürlich ist das nicht schön, es tut uns auch sehr leid für die Kunden“, sagte die Sprecherin.

Deutsche Bank
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Ein junger Händler der Deutschen Bank tippte, wie im Oktober 2015 bekannt wurde, bei einer Überweisung einige Nullen zu viel ein. So landeten sechs Milliarden US-Dollar auf dem Konto eines amerikanischen Hedgefonds. Glück für die Bank: Das Geld wurde am nächsten Tag zurücküberwiesen.

Kopenhagen
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Während sich der Inder für einen Tag als Milliardär fühlen konnte, traf den dänischen Elektriker Dennis Pallesgaard bei der Kontrolle seiner Kontoauszüge fast der Schlag: Statt der erwarteten Abbuchung von 3.200 Kronen für eine Hypothek, wies die Bank einen Fehlbetrag von rund 63 Milliarden dänischer Kronen aus (etwa 8,5 Milliarden Euro). Der Grund für die Panne war schnell gefunden. Statt der Abbuchungssumme war die Kontonummer von seinem Konto abgezogen worden.

Letztes Licht über Frankfurts Skyline
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Weil ein Angestellter der Frankfurter Volksbank bei der Arbeit kurz einschlief, wäre ein Rentner beinahe um 222.222.222,22 Euro reicher gewesen, berichtet „Spiegel Online“. Der Mann blieb mit dem Finger auf der „2“ hängen und wies so statt 62,40 Euro mehr als 222 Millionen Euro an. Selbst bei einer Prüfung, die für alle Überweisungen jenseits von 100.000 Euro fällig ist, fiel der Fehler nicht auf. Erst ein dritter Mitarbeiter bemerkte, dass da irgendwas nicht stimmen kann, und stoppte die Überweisung. Pech für den Rentner, Glück für die Bank - denn die wäre im Zweifelsfall auf dem Schaden sitzen geblieben. Und die Geschichte wird noch kurioser: Denn der Mann, dem der Vertipper unterlief, war gar nicht befugt, die Beträge zu ändern. Er sollte lediglich die Bankleitzahl prüfen. Die Mitarbeiterin, die die Überweisung nicht genau genug prüfte, verlor ihren Job - konnte sich aber mittlerweile erfolgreich zurück ins Unternehmen klagen.

Taj Mahal
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Ein indische Oberschullehrer wurde über Nacht zum Milliardär. Grund war eine Fehlbuchung seiner Bank. Statt der erwarteten Zinszahlung von umgerechnet 150 Euro sah er plötzlich ein Guthaben von 496 Milliarden Rupien (7,5 Milliarden Euro) auf seinem Kontostand. Die betroffene Bank erklärte, es sei unklar, wie es zu dem Irrtum kam.

Neben der UBS nehmen die Behörden in Singapur noch eine weitere Schweizer Bank unter die Lupe: Eine Vorort-Inspektion bei der Privatbank Falcon im April habe "substantielle Verstöße" gegen Geldwäsche-Bestimmungen zutage gefördert, erklärte MAS. Ein Sprecher der Bank betonte, Falcon kooperiere mit den Behörden. Das Institut gehört dem Staatsfonds IPIC aus Abu Dhabi.

Zu den Strafen, die den Banken drohen könnten, äußerten sich die Aufseher in Singapur nicht. Nach dortigem Recht könnten Geld- oder sonstige Strafen fällig werden, auf betroffene Mitarbeiter könnte eine Anklage zukommen.

Welche Maßnahmen die Aufseher im Extremfall ergreifen können, zeigt der Fall der Schweizer Privatbank BSI: Für sie hatte die Schweizer Finanzmarktaufsicht Finma im Mai nach zweifelhaften Transaktionen mit 1MDB die Schließung angeordnet. Das Institut hat gegen den Entscheid Berufung eingelegt.

Zu weiteren Ermittlungen hielt sich die Finma bedeckt. Sie hatte insgesamt fünf Verfahren eröffnet, um die Rolle von Schweizer Finanzinstituten in dem Skandal zu prüfen - vier davon laufen noch. Namen gab die Finma nicht bekannt.

  • rtr
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