Korruptionsvorwurf
Libyen verklagt französische Bank SocGen

Ärger für die Societé Générale: Ein libyscher Staatsfonds verklagt die französische Großbank. Sie soll geholfen haben, den Sohn des ehemaligen Despoten Muammer Gaddafi zu bestechen. Die Bank bestreitet dies.
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LondonLibyens Staatsfonds hat die französische Großbank Société Générale in Großbritannien auf Entschädigung im Umfang von mehr als einer Milliarde Euro verklagt. Wie am Montag bekannt wurde, werden dem Kreditinstitut millionenschwere Schmiergeldzahlungen an einen Vertrauten eines Sohns von Libyens Ex-Machthaber Muammar al-Gaddafi vorgeworfen. Dies habe dazu geführt, dass die Libyan Investment Authority (LIA) zwischen 2007 und 2009 umgerechnet 1,5 Milliarden Euro in Anlagepapiere der Société Générale und dreier Tochtergesellschaften investiert habe. Eine Sprecherin der Bank sagte, für die Vorwürfe gebe es keine Grundlage.

Der Staatsfonds fordert in seiner am Mittwoch beim Londoner High Court of Justice eingereichten Klageschrift 1,09 Milliarden Euro Entschädigung. Dem libyschen Staat entstanden demnach „schwere Verluste“ durch die mutmaßliche Bestechung von Walid Giahmi, einen Vertrauensmann von Gaddafis Sohn Seif al-Islam. Um sich Giahmis Gunst zu sichern, habe die französische Großbank mindestens 58 Millionen Dollar (umgerechnet 42 Millionen Euro) an dessen Gesellschaft Leinada in Panama überwiesen. Damit seien angeblich „Beratungsleistungen“ Giahmis abgegolten worden.

Es gebe aber „überhaupt keinen Hinweis darauf“, dass irgendwelche Beratungsleistungen erbracht worden seien, heißt es in der Klageschrift, die der Nachrichtenagentur AFP vorliegt. Die Société Générale habe auch „überhaupt keinen Beratungsbedarf, was die Abwicklung von Transaktionen und Investmentlösungen angeht“ – das gelte insbesondere für einen Mann wie Giahmi, der „keinerlei Erfahrung“ mit derartigen Finanzgeschäften habe.

Der Staatsfonds LIA wurde 2006 durch den ehemaligen Diktator Gaddafi gegründet und war bis zu dessen Sturz 2011 in der Kontrolle der Herrscherfamilie. Die neuen Machthaber versuchten nun Geld, das der Staat durch Investitionen im Ausland verloren hatte, zurückzugewinnen, sagte der Vorsitzende Abdul Magrid Breish.

Société Générale wies die Anschuldigungen als „unbegründet“ zurück. Die zweitgrößte Bank Frankreichs will sich zur Wehr setzen, nannte aber keine Details. Allerdings wird auch in den Vereinigten Staaten gegen das Institut und andere Finanzunternehmen ermittelt. Die US-Justiz wirft ihnen vor, bei Geschäften mit dem libyschen Staatsfonds gegen Anti-Korruptions-Gesetze in den USA verstoßen zu haben.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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