Kosten der Regulierung: Privatbanken erwarten herbe Gewinneinbußen

Kosten der Regulierung
Privatbanken erwarten herbe Gewinneinbußen

Von zehn Euro bleiben nur noch drei Euro. So rechnet der Verband der deutschen Privatbanken. Schließlich sei die Regulierung mit hohen Kosten verbunden. Die Privatbanken befürchten wegen der schärferen Regulierung empfindliche Gewinneinbußen.
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HB FRANKFURT. Bankenabgabe, Finanztransaktionssteuer und die geplante Reform der europäischen Einlagensicherung würden die Kosten für die Institute mehr als verdoppeln, betonte der scheidende Bankenverbands-Hauptgeschäftsführer Manfred Weber am Montag.

Sein Schreckensszenario sieht so aus: „Von zehn Euro Gewinn blieben den Banken dann nach Abzug von Steuern und Abgaben gerade einmal drei Euro, die sie den Rücklagen zuführen könnten.“ Bislang seien dies sieben Euro. Auch die Bundesbank rechnet mit niedrigeren Gewinnen für die Branche - nicht zuletzt wegen der neuen Kapitalvorgaben Basel III, für die sich die Institute wohl frische Mittel in Milliardenhöhe besorgen müssen.

Angesichts dieser Zusatzlasten sieht der Bankenverband nur begrenzten Spielraum, Gewinne einzubehalten, um den neuen ab 2013 geltenden Kapitalvorschriften nachzukommen. Die Chancen, die Kosten an den Kunden weiterzugeben, seien am hart umkämpften deutschen Bankenmarkt eher gering. Auch wenn einige Institute ihr Geschäft möglicherweise zurückfahren müssten und weniger Kredite ausgeben, sei Basel III insgesamt für die Privatbanken machbar, sagte Weber. „Ich sehe keine Kreditklemme auf uns zukommen.“ Die Bundesbank kommt in ihrem Monatsbericht zum gleichen Schluss: Die Geldhäuser seien gut für die neuen Regeln gerüstet, so dass sie künftig bei Darlehen nicht die Zügel anziehen müssten. Die Investitionen der Unternehmen würden daher nicht gebremst.

Der Bankenverband rechnet mit Gesamtbelastungen im Zuge der diversen Abgaben und der EU-weiten Harmonisierung der Einlagensicherung für die privaten Institute von rund drei Mrd. Euro im Jahr. „Man kann nicht auf der einen Seite fordern, Banken müssten Eigenkapital aus Gewinnrücklagen bilden, und auf der anderen Seite die Gewinne nahezu vollständig abschöpfen“, kritisierte Weber.

Doch einige der Maßnahmen sind noch lange nicht in trockenen Tüchern: Einzig die deutsche Bankenabgabe ist bereits beschlossen, dagegen wird über eine Steuer auf alle Finanztransaktionen in Europa noch heftig gerungen. Experten rechnen diesem Vorstoß der Bundesregierung wenig Chancen aus. Offen ist auch noch, in welcher Form die EU-Kommission die Schutzsysteme für die Bankkunden ändern will.

Die Belastungen aus Basel III seien in den Schätzungen noch nicht berücksichtigt, betonte Weber. Klar sei aber schon jetzt, dass die neuen Vorgaben zu einem zusätzlichen Kapitalbedarf für die Branche führten. Die Regulierer fordern von den Banken als Konsequenz aus der Finanzkrise eine deutlich bessere Kapitalausstattung. Wie viel frische Mittel die Häuser benötigen, wollte Weber nicht sagen.

Seine alte Prognose von mehr als 100 Mrd. Euro für die zehn größten Geldhäuser hält der Bankenverband aber mittlerweile für zu hoch. Die Bundesbank geht einem Bericht des „Spiegel“ zufolge von 50 Mrd. Euro aus. Die Deutsche Bank allein will sich von ihren Aktionären rund zehn Mrd. Euro beschaffen, um sich und die mögliche künftige Tochter Postbank für Basel III zu wappnen. Auch die Commerzbank sondiert Finanzkreisen zufolge den Markt.

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