Kosten für Justizprobleme
Citigroup schraubt Gewinn um 600 Millionen herunter

Die Deutsche Bank ist nicht das einzige Institut, das mit Rechtsstreitigkeiten zu kämpfen hat. Probleme mit Aufsichtsbehörden und der Justiz zwingen die Citigroup zu massiven Rückstellungen.
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San FranciscoAuf einmal ging alles sehr schnell: Aufgrund sich „rapide entwickelnder regulatorischer Anfragen und Ermittlungen“ sieht sich die US-Bank Citigroup gezwungen, weitere 600 Millionen Dollar für Rechtsstreitigkeiten zurückzustellen. Dabei, so heißt es in einer Pflichtmitteilung, gehe es unter anderem um „aktuelle Gespräche mit Regulierungsbehörden im Zusammenhang mit früher bereits diskutierten Ereignissen“.

Erst vor zwei Wochen hatte die Bank für das dritte Quartal 2014 einen Nettogewinn von 3,5 Milliarden Dollar ausgewiesen. Er verringert nun auf 2,8 Milliarden Dollar. Die Aktie verlor an der Wall Street nachbörslich rund zwei Prozent.

Insgesamt hat die Citigroup Rückstellungen für juristische Risiken in Höhe von 1,55 Milliarden Dollar gebildet. Der jüngste Schub wird mit Ermittlungen gegen eine Reihe von Banken in Zusammenhang gebracht, bei denen es um Manipulationen an den internationalen Devisenmärkten geht. Im Zuge der Untersuchungen wurden bereits zahlreiche Devisenhändler mehrerer Banken entlassen oder beurlaubt.

Unter den betroffenen Instituten ist auch die Deutsche Bank. Deren Finanzvorstand Stefan Krause hatte noch vor wenigen Tagen betont, das deutsche Institut sei nicht an vorderster Front bei den Ermittlungen. Trotzdem: Die Auswirkungen des Skandals sind schwer abzuschätzen.

Gemessen an früheren Einigungen mit den Justizbehörden könnten sich die Strafen im Milliardenbereich bewegen. Viele Banken gehen daher lieber auf Nummer Sicher: JP Morgan erklärte bei der Veröffentlichung der Quartalszahlen, die 1,01 Milliarden Dollar an gebildeten Rückstellungen seien „großteils“ für den Devisenskandal.

Im Kern geht es um zwei getrennte Ermittlungen, in Europa durch die britische Financial Conduct Authority und auf amerikanischer Seite durch das US-Justizministerium. Laut "Wall Street Journal" haben sich die britischen Ermittler im September unter anderem mit Vertretern der Citigroup getroffen, um über eine Beilegung des Rechtsstreits zu verhandeln.

Für die Citibank ist es nicht die erste nachträgliche Abwärtskorrektur, und der Druck auf Vorstandschef Michael Corbat wächst. Im Februar musste er bereits den Abschluss von 2013 um 235 Millionen Dollar kürzen, nachdem Ermittler bei der mexikanischen Tochter der Bank Betrug in Höhe von 400 Millionen Dollar feststellten.

Weitere Untersuchungen zeichneten das Bild einer Organisation, die praktisch ohne funktionierendes internes Kontrollsystem gegen Betrügereien agierte. Die Konsequenz: Citigroup will sich jetzt aus elf Standorten zurückziehen, vor allem aus Schwellenländern.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent

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