Krankenkassen: Aufsicht drängt DAK zu Kostensenkungen

Krankenkassen
Aufsicht drängt DAK zu Kostensenkungen

Die drittgrößte Krankenkasse Deutschlands bekommt Druck vom Bundesversicherungsamt. Die DAK soll dringend ihre Kosten senken. In Branchenkreisen macht man sich sorgen um die Krankenkasse.
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Die geschwächte Krankenkasse DAK soll ihre Finanzsituation verbessern. Das fordert das Bundesversicherungsamt (BVA) in Bonn. „Aufgrund der derzeitigen Faktenlage hat die DAK aus Sicht des BVA Maßnahmen zur Verbesserung der Finanzsituation zu ergreifen“, erklärte das Amt. Die DAK wies die Kritik zurück. Das Amt habe erst zum Jahreswechsel den Haushalt für das Jahr 2011 ohne Beanstandung genehmigt. Diese Prüfungsergebnisse bestätigte das BVA.

Vordringlich sei es jedoch, dass die DAK unverzüglich ihre Personalausgaben der Entwicklung der Versichertenzahlen anpasse, erklärte das BVA dagegen weiter. Dazu seien auch Gespräche mit den Gewerkschaften erforderlich. Die Aufseher können sich zudem vorstellen, dass die DAK ihren Zusatzbeitrag weiter erhöht, ihre Ausgaben anders steuert und in der Verwaltung Geld einspart.

Die DAK ist mit 5,8 Millionen Versicherten die drittgrößte Krankenkasse in Deutschland. Das Institut hat nun weniger als 4,5 Millionen zahlende Mitglieder. Der Mitgliederexodus halte mit einem Verlust von weiteren 34367 zahlenden Kunden damit unvermindert an, meldete der Dienst für Gesellschaftspolitik (dfg) in dieser Woche unter Berufung auf die neuesten Statistiken des Verbandes der Ersatzkassen (VDEK). Die DAK musste 2010 als eine der ersten Krankenkassen einen Zusatzbeitrag erheben. Seither leidet die Kasse unter starken Abgängen.

Die DAK erklärte, ihre Finanzentwicklung sei positiv. Die Kasse erwarte Ende des Jahres 2011 einen Überschuss von fast 200 Millionen Euro. Dieser Betrag werde komplett in die gesetzlich vorgeschriebene Rücklage überführt. Presseberichte über eine angespannte Finanzlage entbehrten jeder Grundlage. So habe die DAK bereits im vergangenen Jahr einen operativen Überschuss von 62 Millionen Euro erwirtschaftet. Daher gebe es für die DAK keinen Anlass, den Zusatzbeitrag von acht Euro zu erhöhen. Dies stellen die Aufseher jedoch als Möglichkeit in den Raum, um die Finanzlage der DAK zu verbessern.

Die DAK habe im Jahr 2010 ihre Verwaltungskosten um 2,2 Prozent gesenkt, während andere großen Kassen bei den Verwaltungskosten einen deutlichen Zuwachs verzeichneten, erklärte die Kasse. Die DAK habe zudem in den vergangenen Jahren ihre Struktur deutlich verschlankt. So wurden von Januar 2010 bis Januar 2011 gut 650 Vollzeitstellen abgebaut.

In Branchenkreisen geht dagegen die Angst um, der „Supertanker“ DAK könne kentern. Wenn der Mitgliederexodus unvermindert anhalte, „rutscht die DAK zum Jahresende 2011 unter die 4,2 Millionen-Schwelle und vernichtet damit alle Budgetplanungen“, heißt es im Branchendienst dfg. „Statt mitzuhelfen das Ruder herum zu reißen, verhindern die Gewerkschaftsstrategen in der ver.di-Zentrale und im Verwaltungsrat offenbar viele notwendigen Strukturmaßnahmen.“

Das sehen offenbar auch die BVA-Aufseher in Bonn so. Sie fordern deshalb weitere Gespräche mit den Gewerkschaften, die sich bisher jedoch gegen Einschnitte bei der DAK vehement wehren.

Kommentare zu " Krankenkassen: Aufsicht drängt DAK zu Kostensenkungen"

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  • Da die DAK vorübergehend eine ehemalige SPD-Ministerin (für Gesundheit) als Chefin "subventioniert" (oder versteht diese Dame was vom "Geschäft"?) kann es dieser Kasse noch nicht schlecht genug gehen, um sich aus dem Kreis der Kassen zu verabschieden! Hier ist wieder die alte Erkenntnis zu zitieren = Sozialisten verstehen nichts vom Geld (sie können fremdes Geld nur gut verplempern). Die oben genannte SPD-Dame wechselt übrigens demnächst ihren jetzigen 'Job' als gut bezahlte Lobbyistin für die Medikamenten-Branche!! Geht es eigentlich noch schlimmer??? oh diese Politiker.....

  • Natürlich muss die Krankenkasse tief in die Krise rutschen. Allein in meiner Heimatstadt Lübeck ist die DAK mehrmals aus neuen Büros in wieder neue Büros umgezogen. Eine Konzentration auf die Kernaufgabe muss dringend umgesetzt werden. Wie sieht es in anderen Städten aus???? Auch Dauer-Umzug???

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