Krankenversicherung
AOK plant Rabattschlacht bei Medikamenten

Die AOK hat neue Rabattverträge für 2012 angekündigt. Demnächst entscheidet sich für Pharmafirmen, ob sie einen lukrativen Auftrag der größten deutschen Krankenkasse an Land ziehen können - davon hängt viel ab.
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BerlinNach dem Start der nunmehr sechsten Tranche der Arzneimittel-Rabattverträge bereitet die AOK eine weitere Ausschreibung an die Pharmaunternehmen vor. Im März nächsten Jahres solle eine siebte Tranche an den Start gehen, die etwa 100 verschiedene Wirkstoffe umfassen werde, kündigte AOK-Chefunterhändler Christopher Hermann am Dienstagabend in Berlin an.

Die siebte Rabattrunde solle die auslaufende vierte Tranche von Arzneimitteln ersetzen, die seit April vergangenen Jahres läuft und für das AOK-System insgesamt mit Einsparungen von 199 Millionen Euro verbunden ist. Hermann zeigt sich überzeugt, bei der neuen Tranche würden die Einsparungen „deutlich höher“ ausfallen. Durch das Auslaufen von Patenten kämen einige interessante Wirkstoffe neu in den Markt der Nachahmerpräparate (Generika) hinzu.

Per Gesetz können die gesetzlichen Krankenkassen mit Pharmaunternehmen für Arzneimittel Preisnachlässe vereinbaren. Die Apotheker dürfen Versicherten auf Rezept dann nur Medikamente der Firmen aushändigen, mit denen ihre Kasse Rabattverträge abgeschlossen hat. Die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) gelten bei den Verhandlungen für Generika als Vorreiter. Ob eine Firma für ihr Medikament einen Zuschlag der größten Krankenversicherungsgruppe erhält, ist für ihren Umsatz von entscheidender Bedeutung.

Erst am 1. Juni ist die bundesweit sechste Tranche gestartet. Sie umfasst 560 Verträge über 80 Wirkstoffe mit 30 Pharmaunternehmen. Gemeinsam mit den bereits länger existierenden Vertragstranchen hätten die Ortskrankenkassen damit aktuell 172 Wirkstoffe unter Vertrag, sagte Hermann. Allein in diesem Jahr wollen die AOKen bei Nachahmerpräparaten mehr als 700 Millionen Euro sparen. Von 2007 bis Ende 2011 werden es dann rund 1,4 Milliarden Euro sein.

Hermann betonte, die Einsparungen bei den Generika trügen mit dazu bei, dass die AOK in diesem Jahr garantiert ohne Zusatzbeiträge auskomme. Das erste Quartal hatte die AOK-Gemeinschaft mit einem Plus von 672 Millionen Euro abgeschlossen. Der Vizechef der AOK Baden-Württemberg sagte, mit den Rabattverträgen sei ein enormer Wettbewerb in den Generikamarkt gekommen, das „Hochpreiskartell“ sei gebrochen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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