Kreditderivate Banken blockieren Börsen

Der Handel von in Verruf geratenen Kreditderivaten über Terminbörsen kommt nicht richtig in Schwung. Nach Ansicht von Experten behindern vor allem die Banken die Bemühungen, den Markt für sogenannte Credit Default Swaps (CDS) sicherer zu machen. Die Kreditinstitute wehrten sich gegen die höheren Kosten, heißt es.
Banken machen den Börsenbetreibern das Leben manchmal schwer. Quelle: ap

Banken machen den Börsenbetreibern das Leben manchmal schwer.

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FRANKFURT. In den USA berichtet die Terminbörse Intercontinental Exchange (ICE) in Atlanta zwar von steigenden Abwicklungszahlen. Allerdings klagen andere Börsen über anhaltendes Desinteresse der großen Investmentbanken, die den CDS-Markt seit Jahren dominieren. Zudem haben sich die USA einen klaren Wettbewerbsvorteil verschafft, denn in Europa steckt die CDS-Abwicklung und-Abrechnung (Clearing) über Terminbörsen noch in den Kinderschuhen.

Mit Credit Default Swaps sichern sich Marktteilnehmer gegen den Ausfall von Krediten ab. Bisher schlossen Banken diese CDS ungeregelt bilateral im Freiverkehr (OTC-Markt) ab. Das Risiko dabei ist, dass bei einer Pleite einer Bank, die von ihr ausgegebenen CDS wertlos werden. Das wiederum beschert Banken, die die Papiere im Bestand haben, hohe Verluste. Die Pleite von Lehman Brothers hatte das sehr deutlich gemacht.

Die Aufsichtsbehörden in den USA und in Europa drängen deshalb darauf, Terminbörsen die Abwicklung und Abrechnung übernehmen. Dann wird dieses Risiko ausgeschlossen. Denn sie agieren als sogenannter zentraler Kontrahent und garantieren quasi für die Produkte. Dafür müssen die Banken Sicherheiten stellen - und zwar höhere als im Freiverkehr.

Deshalb stehen die Banken einer zentralen Clearingstelle auch kritisch gegenüber - denn es wird für sie teurer. "Es gibt Anzeichen dafür, dass die Banken bei CDS-Geschäften in der Vergangenheit deutlich zu niedrige finanzielle Sicherheiten hinterlegt haben", sagen mehrere Terminbörsen-Vertreter.

Nun bestätigen sich Befürchtungen der Deutsche-Börse-Tochter Eurex, dass viele Banken eine Abwicklung der Derivate auf den organisierten und kontrollierten Clearing-Plattformen aus Kostengründen boykottieren könnten. Die Banken wollen sich darüber allerdings nicht äußern.

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