Kredite Banken leiden nur wenig unter Arcandor-Pleite

Die Finanzbranche befürchtet nach der Arcandor-Insolvenz keine größeren Verluste. Commerzbank, BayernLB und RBS hätten ihre Kredite erstranging besichert, heißt es aus Branchenkreisen. Hart getroffen werden dagegen die Eigentümer der Privatbank Sal. Oppenheim. Die Privatbanker erhebt schwere Vorwürfe gegen ihre drei Mitbewerber.
Die Privatbank Sal. Oppenheim wirft ihren Konkurrenten Untätigkeit vor. Quelle: dpa

Die Privatbank Sal. Oppenheim wirft ihren Konkurrenten Untätigkeit vor.

(Foto: dpa)

FRANKFURT. Am härtesten trifft die Insolvenz von Arcandor in der Bankenwelt die rund 40 Eigentümer der Privatbank Sal. Oppenheim. Das für insgesamt rund 147 Mio. Euro erworbene Aktienpaket von 28,7 Prozent ist jetzt endgültig so gut wie nichts mehr wert. Das Bankhaus Sal. Oppenheim trägt von diesem Verlust jedoch den weitaus geringeren Teil. Denn im April - ein gutes halbes Jahr nach Oppenheims Einstieg bei Arcandor - hatten die Eigentümer das Aktienpaket weitgehend in eine neu gegründete und kapitalisierte Industrieholding mit den gleichen Aktionären verlagert - und ihre Bank so geschützt.

Knapp 25 Prozent liegen jetzt bei der Industrieholding - ein Paket mit ursprünglichem Anschaffungswert von gut 128 Mio. Euro. Für wie viel es genau von der Bank an die Industrieholding gegangen ist, ist unklar. Die Bank Sal. Oppenheim ist insgesamt mit knapp 40 Mio. Euro direkt betroffen. Bei ihr liegen noch 3,7 Prozent an Arcandor, die einen Anschaffungswert von 19 Mio. Euro hatten. Zudem hat Sal. Oppenheim einen 20 Mio. Euro hohen Kredit an Arcandor gegeben.

Indirekt ist die Bank weitaus höher engagiert, denn in den Büchern steht auch ein Kredit an Madeleine Schickedanz im niedrigen dreistelligen Millionenbereich. Oppenheim betont jedoch, dieser sei "vollständig mit Vermögenswerten abgesichert, welche weder direkt noch indirekt von der Insolvenz der Arcandor AG betroffen sind".

Die mit mehr als einer Mrd. Euro bei Arcandor engagierten Banken fürchten Finanzkreisen zufolge keine größeren Belastungen im Zuge der Pleite des Warenhauskonzerns. "Die Kredite sind erstrangig besichert", heißt es. Als Pfand dienten fast durchgehend die Aktien des Touristikunternehmens Thomas Cook. Damit seien auch nennenswerte Belastungen im zweiten Quartal nicht zu erwarten: "Wenn es zu einer Verwertung kommt, kann man mit einer sehr hohen Quote rechnen."

Betroffen sind in erster Linie Commerzbank, BayernLB und die Royal Bank of Scotland (RBS). Sie lehnten eine Stellungnahme ab. Alle drei Häuser sind etwa mit Finanzierungen in einem Volumen von je etwa 200 Mio. bis 300 Mio. Euro engagiert, insgesamt geht es um rund eine Mrd. Euro. Hinzu kommen Kredite im meist niedrigen zweistelligen Millionenbereich, etwa von der DZ Bank, Credit Suisse oder HSBC. "Die Banken sind in einer relativ guten Situation", hieß es.

So mag es zu erklären sein, dass die kreditgebenden Banken in den Verhandlungen zu keinen großen Zugeständnissen bereit waren. Sie hätten Zinszahlungen für ein halbes Jahr gestundet, dem auslaufenden Konsortialkredit aber nur mit Bundesbürgschaften neue Kredite folgen lassen. Ein Sprecher von Sal. Oppenheim kritisierte Commerzbank, BayernLB und RBS denn auch. Oppenheim sei aus eigener Kraft durch die Finanzkrise gegangen und zu einer quotalen Beteiligung an einer 150 Mio. Euro hohen Kapitalerhöhung für Arcandor bereit gewesen. "Die drei Gläubiger, die nach Finanzhilfen am Staat hängen - ob am deutschen, bayerischen oder britischen -, haben aber gar nichts gemacht."

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%