Kredite
Deutsche Dexia-Tochter in großer Not

Die deutsche Tochterbank der französisch-belgischen Dexia-Gruppe steckt laut Medienberichten in einer schweren Krise. Grund sind milliardenschwere Kredite an Schuldenstaaten. Eine Zerschlagung wird derzeit diskutiert.
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Hamburg/BrüsselDie Dexia Kommunalbank Deutschland steckt einem Medienbericht zufolge in einer schweren Krise. Die Tochter der französisch-belgischen Dexia-Gruppe habe staatlichen Stellen in Griechenland, Italien, Portugal und Spanien 5,4 Milliarden Euro geliehen, berichtete das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. Die Bank sei damit im Verhältnis zu ihrem Eigenkapital große Risiken eingegangen.

Daher habe die Finanzaufsicht BaFin die Mutter Dexia Crédit Local 2010 und 2011 zu zwei Eigenkapitalerhöhungen in Deutschland gezwungen. Zudem hätten die Franzosen Patronatserklärungen für die Forderungen in Griechenland von 1,2 Milliarden Euro und für die Liquiditätsversorgung der Tochter abgeben müssen.

Liquiditätsprobleme von Dexia Crédit Local hatten in der vergangenen Woche den ganzen Dexia-Konzern in Schwierigkeiten gebracht. Der Vorstand tritt am Sonntag in Brüssel zu Beratungen über eine Zerschlagung des Finanzinstituts zusammen.

Auch die Regierungen von Frankreich, Belgien und Luxemburg einigten sich am Sonntag auf einen Zukunftsplan für das Unternehmen und leiteten ihren Vorschlag an dessen Vorstand weiter, der am Nachmittag in Brüssel zu einer Krisensitzung zusammengetreten ist.

„Wir sind bereit, die letzte Wegstrecke der Verhandlungen zu betreten“, sagte der belgische Ministerpräsident Yves Leterme vor dem Krisentreffen der Zeitung „La Capitale“ zufolge. Frankreich und Belgien haben erklärt, sie würden die Kontoinhaber der Bank schützen. Beide Staaten sind bereits seit der Finanzkrise 2008 Miteigentümer der Bank.

Dexia gehört nach einer Rettungsaktion im Jahr 2008 zu 17,6 Prozent dem französischen Staatsfonds CDC. Weitere jeweils 5,7 Prozent werden von Belgien und Frankreich direkt gehalten, dazu kommen 5,7 Prozent im Besitz der belgischen Regionen.

Die Dexia-Aktie stürzte vergangene Woche wegen eines befürchteten Bankrotts ab. Frankreich und Belgien garantierten Anlegern daraufhin ihre Guthaben bei der Bank. Das Problem ist besonders für Belgien erheblich, weil es von der Ratingagentur Moody's bereits auf seine Tagesordnung gesetzt hat, um eine mögliche Abstufung der belgischen Kreditwürdigkeit zu prüfen. Auch in Italien und Spanien ist die Bank aktiv.

Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Dein Verdachtsmoment klingt plausibel.

    Wie so manche Ehe könnte die EU am Streit übers Geld auseinander brechen. Zuerst geht man mit Schulden lax um, dann muss einer (das dumme D.) zahlen, oder es gibt Zoff in der heilen Welt der EU. Trotzdem muss diese Scheißbank gerettet werden, um noch größeren Schaden zu verhindern. Äußerst ärgerlich ist es jedoch, wenn man in der Krise noch über den Tisch gezogen wird. Das geht gegen die Ehre und nicht nur gegen den Geldbeutel. Vom hiesigen Finanzamt höre ich, dass es immer schwerer wird die Bürger zur Zahlung von Steuern zu motivieren. Die Servicemitarbeiter haben hier in Bayern einen ganz harten Job.

  • Wer nicht aus der Vergangenheit Lehren zieht, der fährt vor die Wand. Das wird jetzt wieder passieren, denn die Probleme sind mittlerweile unlösbar.

  • Ich meine, dass Bankinstitute unsere Freiheiten stärker gefährden als stehende Armeen. Wenn das amerikanische Volk den Privatbanken jemals die Herausgabe ihres Geldes erlaubt, dann werden die Banken, zuerst durch Inflation, dann durch Deflation, den Menschen ihr gesamtes Eigentum rauben, bis ihre Kinder auf dem von ihren Vätern eroberten Kontinent obdachlos aufwachen. Das Recht der Geldschöpfung sollte den Banken genommen und dem Volk zurückgegeben werden, dem es ordnungsgemäss gehört.

    Thomas Jefferson (1743 – 1826) dritte Präsident der Vereinigten Staaten und Hauptverfasser der Unabhängigkeitserklärung.

    Hier weiterlesen: Alles Schall und Rauch: Wir sind die 99 Prozent http://alles-schallundrauch.blogspot.com/2011/10/wir-sind-die-99-prozent.html#ixzz1aIWooyxW

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