Kreditgeschäft
Europas Banken gehen von sinkender Nachfrage aus

Das Kreditgeschäft in Europa könnte in der zweiten Jahreshälfte an Fahrt verlieren. Vor allem höhere Kreditkosten sowie strengere Vergabekriterien könnten die Nachfrage hemmen, so das Ergebnis einer Umfrage der EZB.
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FrankfurtDie Banken in der Euro-Zone rechnen im weiteren Jahresverlauf mit einer geringeren Nachfrage nach Krediten. Vor allem Hypothekenkredite dürften deutlich weniger gefragt sein, heißt es in der am Donnerstag in Frankfurt veröffentlichten vierteljährlichen Kreditumfrage der Europäischen Zentralbank (EZB). An der Erhebung nahmen von Mitte Juni bis Anfang Juli 124 Geldhäuser teil. Im Ende Juni abgelaufenen zweiten Quartal sei die Nachfrage nach Krediten bereits weniger stark gestiegen als noch zu Beginn des Jahres.

Dennoch wollen mehr Institute bei der Kreditvergabe an Firmen noch genauer hinschauen und ihre Kreditpolitik leicht verschärfen. Dies könnte nach Ansicht von Phillip Shaw vom Brokerhaus Investec langfristig zu einer Belastung für die Wirtschaftserholung in Europa werden: „Es ist klar, damit die Euro-Zone auf dem Erholungspfad bleiben kann, ist eine ausreichende Versorgung mit Krediten absolut essenziell. Eine Verschärfung der Kreditbedingungen seitens der Banken ist da wenig hilfreich, selbst wenn diese sehr gering ausfällt.“

Nach einer Umfrage des Münchener Ifo-Instituts bei rund 4000 Unternehmen kommen diese bislang jedenfalls sehr gut an das Geld der Banken. „Die Kredithürde für die gewerbliche Wirtschaft Deutschlands steht im Juli nahezu unverändert niedrig. 21,5 Prozent der Unternehmen bewerten die Kreditvergabepolitik der Banken als restriktiv“, erklärte Ifo-Chef Hans-Werner Sinn. „Die niedrige Kredithürde zeigt, dass die Unternehmen in Deutschland von günstigen Kreditbedingungen profitieren.“ Gut gehe es etwa dem verarbeitenden Gewerbe. Einzig im Handel sei die Kredithürde im Juli gestiegen.

Nach Angaben der Bundesbank, die das Teilergebnis der EZB-Umfrage für Deutschland veröffentlichte, rechnen die von ihr befragten Institute in den kommenden Monaten mit einer leichten Lockerung der Kreditvergabestandards bei kleineren und mittleren Firmen und bei Wohnungsbaukrediten. Im zweiten Quartal hätten die Geldhäuser hingegen ihre Angebotspolitik nach spürbaren Erleichterungen in den ersten drei Monaten des Jahres nicht verändert. Die Ergebnisse in Deutschland, der mit Abstand größten Volkswirtschaft der Euro-Zone, weichen immer wieder vom Bild im restlichen Euroraum ab.

Ingesamt dürfte es nach der EZB-Umfrage in den kommenden Monaten weder für die kreditgebenden Banken noch für die nach Krediten suchenden Firmen einfacher werden - allerdings auf immer noch recht gutem Niveau. Grund für die nachlassende Kreditdynamik in der Euro-Zone könnte nach Meinung von Experten auch die Geldpolitik der EZB selbst sein. Die Notenbank hat seit April ihren Leitzins bereits zweimal auf nunmehr 1,5 Prozent angehoben. Dies führt zu steigenden Refinanzierungskosten für die Banken und damit zwangsläufig zu höheren Kreditzinsen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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