Kreditkarten
Russlands Banken geht das Plastik aus

Russische Geldhäuser können ihren Kunden keine Kreditkarten mehr anbieten. Die Ursache des Problems ist ganz banal: Die Banken kommen wegen der Sanktionen nicht mehr an den nötigen Rohstoff.
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BerlinLange haben Russlands Banken versucht, noch härtere Sanktionen gegen ihr Land schon im Vorfeld auszukontern. So wurde ein nationales Zahlungssystem forciert, um einer möglichen Abschaltung des Riesenreichs durch das internationale Swift-Verrechnungssystem oder durch westliche Kreditkartenfirmen zuvor zu kommen.

Doch nun bläst heftiger Gegenwind aus ungeahnter Richtung: Die auf den Sanktionslisten der USA und der EU notierten russischen Geldinstitute können keine Kreditkarten für das nationale Zahlungssystem mehr produzieren. „Es gibt ein Problem. Die unter Sanktionen gestellten Banken können kein Plastik mehr bestellen“, bestätigt Russlands Vize-Zentralbankgouverneurin Olga Skorobogatowa.

Eine der betroffenen Banken ist die SMP Bank. Ihre Vizechefin Elena Dworowych räumte den Mangel ein. Alle Fabriken für Rohlinge seien von Visa und Mastercard zertifiziert und dürften nur mit deren Lizenz an Banken ausliefern. „Momentan bekommen wir bei diesen Firmen kein Plastik“, bedauert Dworowych.

Dass es ausgerechnet die SMB trifft, ist pikant. Sie ist Tochter der „Rossija“-Bank, die US-Präsident Barack Obama Ende März 2014 als erstes Geldhaus auf die Sanktionsliste setzte, kurz nach der russischen Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim. Denn ein Freund von Präsident Wladimir Putin zieht die Strippen: Jurij Kowaltschuk. Er ist Aufsichtsratschef und größter Aktionär. Putin eröffnete demonstrativ bei „Rossija“ ein Konto.

Kowatschuk, so begründet das US-Finanzministerium jetzt die Sanktionen, sei ein „enger Berater Putins“ und einer seiner „Kassenverwalter“. Rossija sei die „persönliche Bank ranghoher Offizieller Russlands“ und ihre Aktionäre Mitglieder von Putins innerem Kreis, „assoziiert mit Putins Datschen-Kooperative Osero“ bei St.Petersburg.

Visa und Mastercard wickeln bereits seit Sanktionsverhängung Zahlungen mit ihren von den auf der Sanktionsliste notierten Banken nicht mehr ab. Nun also kommt für diese noch eine „Plastik-Krise“ hinzu.

Der Hamburger ist nach Stationen als Auslandskorrespondent in Moskau, Brüssel und Warschau jetzt Auslandschef des Handelsblatts. Er interessiert sich besonders für Osteuropa, die arabische Welt und Iran.
Mathias Brüggmann
Handelsblatt / Korrespondent

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