Kreditkarten-Vergleich: Billig ist nicht günstig

Kreditkarten-Vergleich
Billig ist nicht günstig

Viele Banken locken Kunden mit gebührenfreien Kreditkarten. Doch die lohnen sich nicht immer. Ein Vergleich zeigt: An vielen Stellen lauern versteckte Kosten, die Kunden einfach meiden können.
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KölnWenn sich eine Tür schließt, öffnet sich ein Fenster. Das müssen sich Banken und Sparkassen gedacht haben, als die Europäische Union im Dezember 2015 die Kreditkartengebühren strenger regulierte. Seitdem ist die Abgabe, die bei Kreditkartenzahlungen im Handel fällig wird, auf 0,3 Prozent des Umsatzes begrenzt. Zuvor hatte diese Gebühr, die die Bank des Händlers an die Bank des Karteninhabers zahlen muss, zum Teil deutlich höher gelegen. Doch für Kreditkartenbesitzer hat sich die Deckelung als Bumerang erwiesen. „Viele Banken und Sparkassen haben in den vergangenen Monaten die Gebühren für ihre Kreditkarten erhöht“, sagt Max Herbst, Chef der FMH-Finanzberatung in Frankfurt. Damit wollen sie den Einnahmenrückgang an anderer Stelle ausgleichen. So hat etwa die Commerzbank die Jahresgebühr für die Mastercard Gold 2016 um zehn auf 99,90 Euro angehoben.

Wer nicht unbedingt eine Kreditkarte von seiner Hausbank braucht, findet günstigere Alternativen. Viele Banken bieten Kreditkarten ohne Jahresgebühr an, die nicht an ein Girokonto gekoppelt sind. Darüber hinaus werben Händler mit Kreditkarten, die sich über Sammelpunkte oder Rabatte bezahlt machen sollen.

Eine Auswertung der FMH-Finanzberatung für das Handelsblatt zeigt, für wen sich welche Kreditkarte lohnt. Die beste Karte für alle gibt es nicht. So variiert bei den untersuchten Angeboten etwa die Höhe der Gebühr, die beim Abheben von Bargeld am Automaten fällig wird. Auch die Kosten für Kreditkarteneinsätze im Ausland fallen je nach Anbieter unterschiedlich hoch aus. Verbraucher sollten im Vorfeld überlegen, für was sie die Kreditkarte hauptsächlich nutzen, rät Herbst – fürs bargeldlose Bezahlen im Inland, zum Geldabheben oder für Auslandsreisen. Erst dann können sie Angebote sinnvoll vergleichen.

Bei Kreditkarten, die mit Rabatten oder Sammelpunkten locken, sollten Interessenten vor Vertragsabschluss mehr Zeit investieren und zum Taschenrechner greifen. Nicht immer sind die Angebote so günstig, wie es die Werbung suggeriert. Beispiel Amazon: Die Karte des Online-Großhändlers ist im ersten Jahr kostenlos, ab dem zweiten Jahr werden 19,99 Euro Jahresgebühr fällig. Für Neukunden gibt es 40 Euro Startgutschrift obendrauf.

Wer die Kreditkarte beim Amazon-Einkauf nutzt, bekommt für jedem Euro Umsatz zwei Punkte gutgeschrieben. Ein Punkt hat einen Gegenwert von einem Cent. Beim Einkauf über andere Plattformen gibt es nur einen Punkt pro zwei Euro Umsatz. Um die Kartengebühr ab dem zweiten Jahr wieder hereinzuholen, müssen Karteninhaber pro Jahr für rund 1000 Euro bei Amazon einkaufen, oder rund 4000 Euro bei anderen Händlern lassen. Damit lohnt sich die Karte nur für Vielkäufer.

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