Kreditkrise US-Banken vor neuer Abschreibungswelle

Durch die massiven Abschreibungen bei der Schweizer Großbank und der Deutschen Bank hat sich der Brennpunkt der Kreditkrise kurzfristig von den USA nach Europa verlagert. Die amerikanischen Banken rüsten sich jedoch bereits für die nächste Schockwelle von Wertberichtigungen in ihren Bilanzen. Im Mittelpunkt stehen dabei die Geschäftsbank Citigroup und das Brokerhaus Merrill Lynch.
Die Citigroup muss sich auf neue Verluste einstellen. Foto: dpa

Die Citigroup muss sich auf neue Verluste einstellen. Foto: dpa

NEW YORK. Nach einer neuen Prognose von William Tanona, Analyst bei Goldman Sachs, müssen die beiden Banken zusammen mit Abschreibungen von 14 Mrd. Dollar im ersten Quartal rechnen. Davon sollen allein 12 Mrd. Dollar auf die Citigroup entfallen.

Weltweit haben die Banken den dramatischen Wertverlust für Kreditderivate bereits mit Verlusten von mehr als 200 Mrd. Dollar bezahlt. Die Ökonomen bei Goldman Sachs schätzen die Gesamtverluste für Banken, Broker und Hedge-Fonds aus der Kreditkrise auf 460 Mrd. Dollar. Demnach hätte die Branche erst knapp die Hälfte ihrer "Subprime-Sünden" gebeichtet. "Es gibt Licht am Ende des Tunnels, doch es ist noch sehr schwach", schreibt der Goldman -Ökonom Andrew Tilton. Nach Ansicht der Analysten der Investmentbank Morgan Stanley und der Consultingfirma Oliver Wyman befinden sich die Banken "in der schwersten Krise seit 30 Jahren".

Wie hartnäckig und unberechenbar die Krise ist, zeigt sich am Beispiel von Lehman Brothers. Die Investmentbank hat den Sturm auf den Kreditmärkten bislang besser als die meisten ihrer Konkurrenten überstanden. Im ersten Quartal reichten ihr Abschreibungen von 1,8 Mrd. Dollar. Dennoch halten sich im Markt hartnäckig Gerüchte über eine zu geringe Kapitaldecke und mögliche Liquiditätsengpässe. Der Aktienkurs ist seit Jahresbeginn um 42 Prozent gesunken. Um den Spekulanten den Wind aus den Segeln zu nehmen, hat Lehman nun eine Kapitalerhöhung über vier Mrd. Dollar angekündigt.

Analysten bleiben dennoch skeptisch. So weist Brad Hintz vom Investmenthaus Sanford C. Bernstein darauf hin, dass Lehman noch immer Finanzprodukte mit einem Volumen von 87 Mrd. Dollar in seinem Portfolio hat, die von weiteren Wertverlusten bedroht sind. "Solange diese Wertpapiere noch in der Bilanz sind, muss die Firma mit weiteren Abschreibungen in den nächsten Quartalen rechnen", schreibt Hintz.

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