Kreditoffensive Mittelständler sind Commerzbanks Liebling

Die Commerzbank will kleine und mittelgroße Unternehmen für sich begeistern. Firmenkundenchef Michael Reuther kündigt ein Milliarden-Kreditprogramm an – und macht den Sparkassen damit Konkurrenz.
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Mit einer Kreditoffensive will die Bank mehr Mittelständler für ihre Dienste begeistern. Quelle: dpa
Commerzbank-Zentrale in Frankfurt am Main

Mit einer Kreditoffensive will die Bank mehr Mittelständler für ihre Dienste begeistern.

(Foto: dpa)

FrankfurtWenn kleine und mittelgroße Unternehmen frisches Kapital brauchen, versuchen sie ihr Glück meist bei der Sparkasse vor Ort. Die Commerzbank will das ändern – und die Trendwende im Geschäft mit kleinen und mittelgroßen Firmen schaffen: „Wir haben eine Kreditinitiative im Volumen von sechs Milliarden Euro angestoßen”, sagte Firmenkundenvorstand Michael Reuther der Nachrichtenagentur Reuters in einem Interview.

Der Bedarf für die zusätzlichen Finanzmittel sei da. „In den vergangenen Jahren fehlte einfach die Nachfrage.” Doch nun gäben die Unternehmen die Kredit-Zurückhaltung allmählich auf, die Reuther noch Anfang des Jahres beklagt hatte. Europas Wirtschaft laufe gut. Das Geldhaus will den Rückenwind nutzen: „Viele Finanzvorstände glauben, dass die Zinswende naht, und wollen sich rechtzeitig eindecken, ehe die Zinsen steigen”, sagte Reuther.

Der Markt für Firmenkunden ist in Deutschland hart umkämpft: Finanzchefs werden von Sparkassen, Volksbanken, Landesbanken und privaten Instituten umgarnt. Die Ergebnisse in der Mittelstands-Sparte der Commerzbank waren unter Reuthers Vorgänger Markus Beumer abgebröckelt. Ihm war intern vorgeworfen worden, dass er sich nicht genügend gegen die Zins-Einbußen gestemmt habe.

So gefährlich sind die größten Banken der Welt
Klasse 1 – UBS, Santander, Royal Bank of Scotland
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Der Finanzstabilitätsrat teilt die Banken in fünf Klassen ein. In der ersten Klasse befinden sich laut der vorgesellten Liste 17 Banken, die nicht als besonders systemrelevant gelten – das ist eine weniger als im Vorjahr. Diese Banken müssen ein Prozent mehr Kapital zusätzlich zu der erforderlichen Eigenkapitalquote vorhalten. Unter diesen für das System vergleichsweise nicht besonders gefährlichen Banken befinden sich zum Beispiel die Schweizer Großbank UBS, die Société Générale, die Santander, ING Bank, die Royal Bank of Scotland und Bank Morgan Stanley.

Klasse 1 – Standard Chartered
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Welche Konsequenzen der Brexit für die britische Standard Chartered haben wird, ist noch nicht absehbar. Die Bank belegt wie im Vorjahr einen Platz in Klasse 1, die einen Kapitalaufschlag von einem Prozent voraussetzt.

Neu in Klasse 1: Die Credit Suisse.
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Neu in der Klasse 1 ist die US-Bank Credit Suisse, die im Vorjahr noch mehr Kapital vorhalten musste. Jetzt beträgt dieser Zuschlag für das Schweizer Geldhaus nur noch ein Prozent. Sie hat aus Sicht der Regulierer an Relevanz verloren.

Klasse 2 – Barclays
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James Staley, seit Dezember 2015 Chef der britischen Bank Barclays, konnte die Risikoeinstufung des Geldhauses reduzieren. Barclays gehört, wie auch 2016 schon, nur noch der Klasse zwei an. Dort ist ein Kapitalzuschlag von 1,5 Prozent erforderlich.

Klasse 2 – Wells Fargo
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Wells Fargo spielt mit Barclays in einer Liga. Beide gehörten Klasse 2 an, was einen Kapitalzuschlag von 1,5 Prozent bedeutet.

Klasse 2 – Goldman Sachs
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Auch die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs wird als „systemisch“ eingestuft, sie muss 1,5 Prozent Kapitalzuschlag vorhalten.

Klasse 2 – Industrial and Commercial Bank of China
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Für genauso systemrelevant halten die Regulierer die Industrial and Commercial Bank of China. Aufschlag auch hier: 1,5 Prozent.

Reuther sieht eine Lösung in der Vergabe von mehr Krediten: „Wir erwarten, dass wir damit zumindest einen Teil des Ergebnisrückgangs auffangen können, den die niedrigen Zinsen verursacht haben. Aber mit dem Abrieb auf der Einlagenseite werden wir noch zwei bis drei Jahre leben müssen.” Auf Kosten der Margen soll das Programm nicht gehen. „Wir wollen nicht der billigste Anbieter am Markt sein”, betont der Manager.

Die Initiative zielt vor allem auf kleinere Mittelständler mit Umsätzen zwischen 15 und 100 Millionen Euro, bei denen die Commerzbank den Sparkassen im Wettbewerb bisher oft den Vortritt lassen muss. Reuther hat sich vorgenommen, vor allem unter ihnen 10.000 neue Kunden zu gewinnen. Das zusätzliche Kapital, mit dem die Commerzbank die Kredite unterlegen muss, werde aus dem Abbau von Schiffs- und Immobilienkrediten und nicht-strategischen Teilen des Handels kommen. Vor wenigen Jahren noch hatte die Bank vielen Unternehmen ungenutzte Kreditlinien kürzen müssen, um die Kapitalanforderungen der EU-Bankenaufsicht zu erfüllen.

Die Commerzbank durchläuft gerade einen großangelegten Umbau. Vorstandschef Martin Zielke will das Geschäft auf eine Privat- und eine Firmenkundensparte ausrichten. Die frühere Mittelstandsbank und die Investmentbank werden dabei zu einer Firmenkundensparte verschmolzen, die von Reuther geführt wird. Dessen Sparte ist vom Umbau der Bank also doppelt betroffen. Die Digitalisierung der meisten Prozesse kostet mittelfristig Arbeitsplätze, und die selbstbewussten Investmentbanker sollen sich künftig mehr als Dienstleister für die Mittelstands-Kunden begreifen; exotische reine Finanzmarktprodukte sollen wegfallen.

Dem ehemaligen Investmentbank-Chef ist vor einem internen „Kampf der Kulturen” nicht bange. Als Dresdner Bank und Commerzbank 2008 fusionierten, seien die Unterschiede unter den Investmentbankern deutlich größer gewesen als heute die zwischen Mitarbeitern der Kapitalmarktsparte und den Firmenkunden-Betreuern im Mittelstands-Geschäft. „Klar gibt es desöfteren konträre Sichtweisen – aber so unterschiedlich sind die Kollegen gar nicht”, sagte Reuther. „Das merkt man am besten, wenn man gemeinsam beim Kunden auftritt und an Transaktionen arbeitet.”

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