Kreissparkassen Köln und Siegburg fusionieren – Erste Pfandbriefemission für Oktober geplant „Raubritter“ auf dem Petersberg

Die „Raubritter“ – wie der Vorstandschef der Kreissparkasse Köln, Hans-Peter Krämer, sein Haus scherzhaft nennt – haben den Petersberg erobert. Dort, im Gästehaus der Bundesregierung, wo einst Staatsoberhäupter aus aller Welt wie Queen Elizabeth oder der Schah von Persien tafelten, sitzen in der Rotunde, einem Rundbau aus viel Glas, Licht und weißem Holz, die Verwaltungsräte und Vorstände der Kreissparkassen Köln und Siegburg beisammen, blicken in das Rheintal und stoßen auf die gestrige Fusion ihrer beiden Institute an.
  • Caspar Dohmen

KÖNIGSWINTER. Allerdings geschah die Übernahme der Kreissparkasse Siegburg, in deren Geschäftsgebiet der Petersberg liegt, recht friedlich. Und so sitzt auch deren alter Vorstandschef Josef Hastrich nun als neuer Vize von Hans-Peter Krämer in einem mit Wandteppichen und Glasleuchtern ausgestatteten Saal vor der Presse: Beide lächeln in die Kameras, beide demonstrieren Zuversicht. Ganz Gentlemen, erwähnen sie mit keiner Silbe mehr das Bieterduell der Sparkasse Bonn mit der Kreissparkasse Köln um Siegburg. Der Ausgang ist bekannt. Dadurch ist nicht nur die drittgrößte Sparkasse in Deutschland entstanden, sondern laut Krämer auch die „absolut ertragsstärkste“. Bis Ende Juni habe man ein Betriebsergebnis nach Bewertung von 88 Mill. Euro erzielt.

Dann präsentiert er eine Schaukarte der Region Köln-Bonn, die vom Rot der Kreissparkasse dominiert wird. Dazwischen finden sich einige blaue, gelbe und graue Farbtupfer, die stehen für die letzten elf eigenständigen Sparkassen wie Gummersbach, Wermelskirchen oder Hennef. Krämer ist optimistisch, dass in den nächsten Jahren weitere Sparkassen andocken werden. In der Tat ist die Kreissparkasse Köln seit Jahrzehnten ein Fusionsmagnet. Als „Urknall“ gilt die Gründung des Zweckverbandes im Jahr 1923. Mit dem Rhein- Sieg-Kreis votierten jetzt Politiker des vierten Kreises für die „unpolitische Sparkasse“, bei der man gerne betont, dass vom zehnköpfigem Vorstand niemand ein Parteibuch besitzt.

Zunehmend spricht auch schiere Größe für die Kreissparkasse Köln, denn „Größe wird für Sparkassen immer wichtiger,“ betont Krämer, schon wegen steigender aufsichtsrechtlicher Anforderungen und höherer Investitionskosten. Hastrich macht unmissverständlich klar, ohne die Fusion hätten die Siegburger Filialen schließen müssen. Nun gibt es erst einmal fünf Jahre Bestandsschutz, dies ist Teil des Fusionsvertrages. Überhaupt schließt Krämer Kündigungen unter den mehr als 4 000 Mitarbeitern in den nächsten Jahren aus. Schließlich will man weiter wachsen. Und am Tag der Fusionsfeier wagt Krämer gleich einen Blick bis ins Jahr 2008. Dann wolle man ein Betriebsergebnis vor Risikovorsorge von 330 Mill. Euro vorlegen; nach rund 205 bis 210 Mill. Euro in diesem Jahr. Überhaupt ist gestern der Tag, an dem sich der Sparkassenchef Krämer nicht hinter den großen Finanzriesen versteckt. Mit einem Stiftungskapital von jährlich rund 90 Mill. Euro stehe sein Haus bundesweit auf Rang drei, hinter der Deutschen Bank und der Allianz. Geld, welches den notorisch klammen Kommunen zu Gute kommt; denen verspricht Krämer gleich für dieses Jahr eine höhere Ausschüttung und verdoppelte Gewerbesteuerzahlungen. Gleich ganz vorne liegt die Sparkasse bundesweit unter allen Betrieben mit mehr als tausend Beschäftigten bei der Ausbildungsquote.

In der Spitzengruppe der Sparkassen ist das Institut auch in anderen Bereichen: Als zweite Sparkasse überhaupt lässt sie sich bis zum Jahresende von Moody’s bewerten, und als zweite will sie eine Pfandbriefemission begeben. Die ist für den Oktober in einem Volumen von 150 Mill. bis 250 Mill. Euro mit einer Laufzeit von fünf Jahren für institutionelle Anleger geplant. Bei Rating und Pfandbriefemission tritt die Kreissparkasse in die Fußstapfen der Stadtsparkasse Köln, dem ewigen Dauerrivalen. Erneut streicht Krämer aber heraus, wie wichtig der Wettbewerb beider Häuser als Antriebsfeder ist. Vernarbt erscheint heute auch die größte Niederlage: Nach der Gebietsreform musste die Kreissparkasse in den 80er-Jahren 26 Filialen an den Erzrivalen abgeben.

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