Krim-Krise
Russische Banken in Bedrängnis

Russlands Banken müssen nach den Sanktionen wieder einmal ihren Überlebenswillen beweisen. Bereits jetzt wurde massenhaft Geld abgezogen. Die Geldinstitute fürchten, dass es noch schlimmer kommen könnte.
  • 4

MoskauDen Russen ist 1998 noch in Erinnerung. Und auch die Ereignisse, die sich zehn Jahre später abspielten, stecken russischen Sparern und Anlegern noch in den Knochen. Und so sind sie dieser Tage wieder auf der Hut.

1998 erklärte der russische Staat seine Zahlungsunfähigkeit, Banken brachen zusammen, Sparer verloren ihre Einlagen. 2008 wurden russische Banken inmitten der weltweiten Finanzkrise nur mit massiver Staatshilfen über Wasser gehalten, einige Institute sanken trotzdem.

„Russlands Bankwesen hat schon so viele unangenehme Momente erlebt, dass wir jetzt keine Angst haben“, sagt Alexej Iljushenko, Vizepräsident der russischen Promswjasbank. Allerdings schade die aktuelle Politik der ohnehin „nicht rosigen Lage unserer Wirtschaft“ und dem Bankensystem. Folge weiterer westlicher Sanktionen könnte laut Einschätzung Iljuschenkos eine massive Beschneidung des Zugangs russischer Firmen und Banken zu langfristigen Finanzierungen sein – oder zu den globalen Finanzmärkten insgesamt.

Tatsächlich, das berichten Moskauer Unternehmensvertreter und Banker unisono, hätten sich Verhandlungen mit ausländischen Geldhäusern über neue Kredite oder Refinanzierungen erheblich erschwert. Die politisch angespannte Lage verzögere momentan derartige Entscheidungen erheblich. Ausländische Kapitalmärkte seien russischen Konzernen momentan verschlossen, räumt auch Sberbank-Finanzvorstand Alexander Morosow ein.

Wer überhaupt noch an Geld im Westen komme, müsse derzeit erhebliche Aufschläge zahlen, berichten Insider. Russische Unternehmen und Banken müssen in diesem Jahr noch bis zu 70 Milliarden Dollar an Verbindlichkeiten bedienen oder refinanzieren im Ausland.

Als große Belastung kommt hinzu, dass große, zumeist von Oligarchen besessene Konzerne vor allem in der Stahl-, Chemie-, Metall- und Düngemittelindustrie „faktisch bankrott“ seien, wie es ein Moskauer Multi-Aufsichtsrat formuliert. Die entsprechenden Oligarchen wollten es einfach nicht wahrhaben. Und die sie finanzierenden Banken dürften die Kredite an sie nicht fällig stellen oder abschreiben, um das Banksystem nicht zum Einsturz zu bringen.

Kommentare zu " Krim-Krise: Russische Banken in Bedrängnis"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Jetzt kommen also, wie man in Italien sagt: “Die Knoten zum Kamm”. Dies war absehbar bei diesem, von Jelzin ins Leben gerufene und Putin weiter geführte System der Oligarchien.
    Die Oligarchien haben Russlands Reichtümer, mit Hilfe Jelzins, durch Lüge, falschen Versprechen und Vortäuschung falscher Tatsachen (nämlich dass sie Fähig sind), unter sich aufgeteilt.
    Da sie, wie alle Lügner, aber nur vorgetäuscht haben etwas zu können, tatsächlich aber nur prassen und angeben können (z.B. Abramovic sammelt Superyachten...), ist geschehen was geschehen ist.
    Die Firmen haben nur riesige Schulden angehäuft und ihre Produktivität hat gleichzeitig stetig abgenommen. Wie ich bereits bei anderer Gelegenheit gesagt hatte; Russland ist, in der heutigen Situation, eine hohle Nuss und “Putin steht mit dem Rücken zur Wand“.

  • Ich glaube, Putin hat Tucholsky gelesen und, sofern er in den 30ern gelebt hätte, ihn spätestens während der Jeschowschtschina in den Gulag geschickt.

  • sorry! gerade mitbekommen ist gefälscht und nicht von Tucholsky!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%