Krise Die Rückkehr der Hausbanken

Das Hausbankenmodell erlebt eine Renaissance. Früher wechselten viele Unternehmer häufig die Bank, um bessere Konditionen auszuhandeln. Doch der Trend hat sich offenbar umgekehrt, in der Krise zählen andere Werte.
Citibank-Filiale in Düsseldorf. In der Krise suchen Unternehmen offenbar wieder eine feste Hausbank als Partner. Quelle: ap

Citibank-Filiale in Düsseldorf. In der Krise suchen Unternehmen offenbar wieder eine feste Hausbank als Partner.

(Foto: ap)

FRANKFURT. Während in den vergangenen Jahren zahlreiche Unternehmen von einem Institut zum anderen gewechselt seien, um bei Bankgeschäften bessere Konditionen für sich auszuhandeln, habe der Trend in den letzten Monaten gedreht, sagt Stefan Wintels, Vorstandsmitglied der Citigroup. „Die Lage normalisiert sich wieder, viele Konzerne reduzieren die Zahl der Bankbeziehungen auf einen Kern.“ Für zahlreiche deutsche Top-Gesellschaften aus dem Deutschen Aktienindex (Dax) bedeutet dies etwa fünf bis 15 Kernbanken. Früher waren es teilweise bis zu 50 Institute.

Der Grund dafür ist einfach: „Gerade in schwierigen Zeiten haben die Unternehmen Vorteile, die ihr Verhältnis zu den Banken nicht nur über Kreditbeziehungen definieren, sondern die viele Berührungspunkte haben“, sagt Stephan Leithner, Chef des deutschen Investment-Bankings der Deutschen Bank. Das gelte etwa für Anleiheemissionen, Kapitalerhöhungen oder im Zahlungsverkehr und bei strategischen Beratungsmandaten. Das bürge dafür, dass die Beziehung von Unternehmen zur Bank auch in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld belastbar sei.

Lutz Diederichs, Firmenkunden-Vorstand der Hypo-Vereinsbank geht sogar noch einen Schritt weiter. Aus seiner Sicht werden alle Institute das Kreditgeschäft verstärkt mit dem margenstarken Investment-Banking verknüpfen. Ganz gleich ob Privatbank, Sparkasse oder Genossenschaftsbank – kein Haus werde es mehr zulassen, „der reine Finanzierungsdepp“ zu sein, sagt Diederichs.

Wie wichtig stabile Bankbeziehungen sind, zeigt nicht nur das Beispiel Arcandor. Den Handels- und Touristikkonzern trieben fehlende Kreditzusagen in die Insolvenz, nachdem ihm die Möglichkeit einer Staatsbürgschaft bei Krediten verwehrt geblieben war.

Ein weiteres Warnsignal sendet jetzt die Ratingagentur Moody's. In einer Untersuchung kommen die Bonitätswächter zu dem Ergebnis, dass in den nächsten zwölf Monaten in Europa Schulden über rund 615 Mrd. Dollar auslaufen. Sabine Renner, Analystin bei Moody's, sieht das als Herausforderung für die Unternehmen in einem Umfeld an, in dem sich die über die Cash-Flows hereingespielten Finanzmittel angesichts der verschlechterten Konjunkturlage für den Rest 2009 abschwächten. Ihr Urteil: Der Liquiditätsdruck steige auch wegen der schwierigen Situation bei den Banken. Gerade ausländische Institute ziehen sich aus den Kreditmärkten teilweise zurück, in denen sie zuvor mit aggressiven Konditionen um Kunden geworben hatten; ein Beispiel dafür ist die Royal Bank of Scotland. Aber auch die Landesbanken vergeben angesichts ihrer Bilanzkrise weniger Kredite Amerikanische Institute wie Lehman Brothers, Bear Stearns und Merrill Lynch sind entweder pleitegegangen oder aufgekauft worden.

Teilweise Erleichterung kommt von den Märkten. Bei Anleihen hätten sich in der Regel größeren Unternehmen seit Jahresbeginn günstige Refinanzierungsmöglichkeiten geboten, sagt Wintels. Sie seien vielfach erfolgreich genutzt worden, um die Fremdkapitalbeschaffung zu verbreitern. Diese Fenster könnten sich jedoch auch schnell wieder schließen, da die Unsicherheiten an den Märkten weiter vorhanden seien. Auch mit Hilfe „von Wandelanleihen und Kapitalerhöhungen versuchen sich immer mehr Unternehmen zu refinanzieren“, beobachtet Johannes Gröller, Co-Chef Investment-Banking bei Morgan Stanley. Eine weitere Möglichkeit sind Börsengänge. Hier sieht Andreas Bernstorff, Managing Director bei der Citigroup, erste positive Signale, die im ersten Halbjahr 2010 zu Transaktionen führen könnten. Er spricht mit einer Handvoll Unternehmen, die sich einen Zugang zum Kapitalmarkt sichern wollen.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%