Kriselnde Landesbank

Faule Schiffskredite drücken NordLB in die roten Zahlen

Deutschlands drittgrößte Landesbank macht im ersten Halbjahr einen heftigen Verlust. Die Bank leidet darunter, dass viele Kredite in der Schifffahrt ausfallen. Kann ein Verkauf der Schiffskredite Abhilfe schaffen?
Update: 25.08.2016 - 09:57 Uhr
Die Bank droht im Gesamtjahr rote Zahlen zu schreiben - es wäre das erste Mal seit 2009. Quelle: dpa
NordLB

Die Bank droht im Gesamtjahr rote Zahlen zu schreiben - es wäre das erste Mal seit 2009.

(Foto: dpa)

FrankfurtDie NordLB hat das erste Halbjahr mit einem deutlichen Verlust in Höhe von 364 Millionen Euro vor Steuern abgeschlossen. Vorstandschef Gunter Dunkel hatte bereits im Frühjahr angekündigt, dass die nach der Bilanzsumme drittgrößte Landesbank bedingt durch die schlechte Lage auf den Schifffahrtsmärkten im laufenden Jahr mit einem Minus rechnet. Doch die Lage ist schlimmer als erwartet: „Die sich im ersten Halbjahr nochmals verschärfende Schiffskrise hat höher als geplante Wertberichtungen notwendig gemacht“, sagte Dunkel bei Vorlage der Halbjahreszahlen.

Die Nettozuführungen zur Risikovorsorge stiegen im Berichtszeitraum von 210 Millionen auf mehr als eine Milliarde Euro. Überwiegend entfallen diese auf Einzelwertberichtigungen im Schiffsportfolio. Die Zahlen der Tochtergesellschaft Bremer Landesbank sind dabei berücksichtigt.

Gute Banken, schlechte Banken
Dunkler Himmel über den Banken in Frankfurt
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Europas Banken stecken in der Krise – das wussten Marktbeobachter schon vor dem großen Stresstest der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde. Doch ein genauer Blick auf die Kennzahlen zeigt: Das gilt nicht für alle Institute. Im Vergleich von Nettogewinn, Eigenkapitalrendite und Eigenkapitalquote schneiden einige Institute deutlich besser ab als andere. Besonders interessant ist dabei das Verhältnis zwischen Kurs und Buchwert pro Aktie (KBV). Der Wert offenbart, inwieweit der Börsenwert einer Bank mit den Aktiva, also den Werten in den Büchern der Bank, übereinstimmt. Das KBV liegt bei fast allen Geldhäusern unter 1. Das bedeutet, dass sich die Aktionäre entweder von einer Zerschlagung der Bank mehr Geld versprechen als von der Fortführung des Geschäfts – oder dass sie den Qualitäten der Bilanzen, also der verzeichneten Aktiva, nicht vertrauen. Im Folgenden werden die Kennzahlen für die wichtigsten europäischen Banken dargestellt, sortiert nach den Nettogewinnen im 2. Quartal 2016.

Platz 8: Deutsche Bank
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Nettogewinn: 447 Mio. Euro

Eigenkapitalrendite: 3,2 Prozent

Eigenkapitalquote: 14,1 Prozent

KBV: 0,48

Platz 9: Credit Suisse
3 von 11

Nettogewinn: 280 Mio. Euro

Eigenkapitalrendite: 4,4 Prozent

Eigenkapitalquote: 13,3 Prozent

KBV: 0,88

Platz 10: Commerzbank
4 von 11

Nettoverlust: 643 Mio. Euro

Eigenkapitalrendite: –3,1 Prozent

Eigenkapitalquote: 13 Prozent

KBV (Aktienkurs vom Stichtag/Buchwert pro Aktie): 0,50

(Quelle: Bloomberg)

Platz 6: Unicredit
5 von 11

Nettogewinn: 975 Mio. Euro

Eigenkapitalrendite: 8,2 Prozent

Eigenkapitalquote: 12,8 Prozent

KBV: 0,70

Platz 6: UBS
6 von 11

Nettogewinn: 943 Mio. Euro

Eigenkapitalrendite: 7,4 Prozent

Eigenkapitalquote: 15 Prozent

KBV: 0,88

Platz 5: Barclays
7 von 11

Nettogewinn: 992 Mio. Euro

Eigenkapitalrendite: 5,8 Prozent

Eigenkapitalquote: 11,6 Prozent

KBV: 0,41

Angesichts der Dauerkrise im Schifffahrtsbereich arbeitet die Bank bereits an einem Abbau des Schifffahrtsportfolios. Seit Anfang des Jahres ist das Volumen bereits von 19 Milliarden Euro auf 17,9 Milliarden Euro zurückgegangen. Vor wenigen Tagen kündigte der nach der HSH Nordbank zweitgröße Schiffsfinanzierer an, dass die Private-Equity-Gesellschaft KKR gemeinsam mit einem Staatsfonds Schiffskredite in einem Volumen von 1,3 Milliarden Euro von der NordLB übernehmen wird. Mittelfristig soll das Schiffskreditvolumen auf zwölf bis 14 Milliarden Euro schrumpfen.

Die harte Kernkapitalquote sank im ersten Halbjahr von 13,1 Prozent auf zwölf Prozent. Damit sieht sich die Bank ausreichend gepolstert. Doch weitere Belastungen stehen an. Denn die Träger der Tochtergesellschaft Bremer Landesbank haben sich darauf verständigt, dass die NordLB die Bank komplett übernimmt. Alternativ wurde darüber nachgedacht, dass das Land Bremen einen Anteil an der NordLB erhält.

Diese Variante wurde jedoch aus beihilferechtlichen Erwägungen verworfen. Für die komplette Übernahme, die NordLB hält derzeit knapp 55 Prozent, dürfte ein Kaufpreis in mittlerer dreistelliger Millionenhöhe fällig sein. Die Bremer Landesbank kann die hohe Risikovorsorge für Schiffskredite aus eigener Kraft nicht mehr tragen.

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