Krisenbank

IKB steckt noch tiefer in den roten Zahlen

Die IKB weiter ihre Verluste aus. Das Engagement in Spanien und Italien schlägt auf die Ergebnisse durch. Ein Käufer für die Düsseldorfer Krisenbank ist weit und breit nicht in Sicht.
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Die IKB Deutsche Industriebank vergrößert ihre Verluste. Quelle: ap

Die IKB Deutsche Industriebank vergrößert ihre Verluste.

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FrankfurtDie Krisenbank IKB steckt trotz ihres angelaufenen Sparprogramms in den roten Zahlen fest. Im ersten Quartal (April bis Juni) des neuen Geschäftsjahres 2012/13 weitete sich der Nettoverlust im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sogar um 53 Millionen auf 139 Millionen Euro aus, wie das Düsseldorfer Institut am Dienstag mitteilte.

Hauptgrund waren abermals Bewertungsverluste auf europäische Staats- und Unternehmensanleihen. Zwar hat die IKB nach dem Schuldenschnitt alle Griechenland-Bonds verkauft und an dieser Front Ruhe. Doch allein in Spanien und Italien ist die Bank noch mit insgesamt rund drei Milliarden Euro engagiert und muss die Papiere nach tatsächlichen Marktwerten bilanzieren.

Bis die IKB wieder Gewinne schreibt, dürfte es Jahre dauern, wie sie im Zwischenbericht bekräftigte. Ein Käufer ist nicht in Sicht. Der Finanzinvestor Lone Star hatte das Institut in der Finanzkrise übernommen, nachdem es wegen Fehlspekulationen auf dem US-Immobilienmarkt als eines der ersten in Deutschland in Schieflage geraten war.

Inzwischen hat sich die IKB im Kreditgeschäft mit dem Mittelstand, ihrem eigentlichen Kerngeschäft, zwar wieder erholt. Auch die Provisionszahlungen an den Bankenrettungsfonds sind dank vorzeitiger Rückgaben und Fälligkeiten von Soffin-garantierten Anleihen rückläufig. Doch der zu Jahresbeginn angekündigte sozialverträgliche Abbau von rund 200 Stellen geht nur in kleinen Schritten voran. Die Personalkosten sanken im Quartal um zwei Millionen Euro.

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Größte Verlierer: Platz 6 – IKB Deutsche Industriebank

Die IKB blickt auf eine lange Geschichte zurück. Sie wurde 1924 als Bank für Industrie-Obligationen (Bafio) gegründet und mit der Abwicklung der Reparationszahlungen betraut. In der Finanzkrise geriet die Bank im Juli 2007 in eine massive Schieflage. Ursprünglich war die IKB auf Finanzierungen für Mittelständler spezialisiert, hatte sich dann aber mit US-Hypotheken verspekuliert. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und die Bankenverbände schnürten ein Milliarden-Rettungspaket. Von der KfW wurde die IKB im August 2008 an den Finanzinvestor Lone Star verkauft. Seitdem wird die Bank saniert, Lone Star sucht seit 2010 einen Käufer. Die IKB schreibt tiefrote Zahlen, im Jahr 2011 ist die Bilanzsumme wieder einmal stark geschrumpft.

Bilanzsumme (2011): 31,44 Milliarden Euro

Entwicklung: minus 12,04 Prozent

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Größte Verlierer: Platz 5 – Commerzbank

Die zweitgrößte deutsche Bank wurde 2009 teilverstaatlicht. Die Staatshilfe wurde von der EU-Kommission nur genehmigt, wenn die Bilanzsumme der Commerzbank verkleinert wird. Bis Ende 2014 muss sie auf 600 Milliarden Euro schrumpfen. Coba-Chef Martin Blessing (Bild) zeigt es an: Daher ging die die Bilanzsumme auch im vergangenen Jahr noch einmal stark zurück. Das 600-Milliarden-Euro-Ziel ist fast erreicht.

Bilanzsumme (2011): 661,76 Milliarden Euro

Entwicklung: minus 12,27 Prozent

WestLB
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Größte Verlierer: Platz 4 – WestLB

Die Westdeutsche Landesbank ist seit dem 1. Juli 2012 Geschichte. Die ehemals größte Landesbank Deutschlands wurde auf Druck der EU-Kommission zerschlagen. Die Gesellschaft Portigon führt die Geschäfte weiter, in der Ersten Abwicklungsanstalt (EAA) werden die Altlasten abgebaut. Im letzten kompletten Geschäftsjahr ging die Bilanzsumme der WestLB schon deutlich auf rund 170 Milliarden Euro zurück.

Bilanzsumme (2011): 167,91 Milliarden Euro

Entwicklung: minus 12,33 Prozent

huGO-BildID: 10543213 Ansicht der Duesseldorfer Hypothekenbank in Duesseldorf am Dienstag, 22.April 2008. Die Duesseldorfer Hypothekenbank soll vorue
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Größte Verlierer: Platz 3 – Düsseldorfer Hypothekenbank

Die Düsseldorfer Hyp geriet wie andere auch in der Finanzkrise in Schwierigkeiten. Tochtergesellschaften des Einlagensicherungsfonds und des Prüfungsverbandes übernahmen Anteile, später ging die Bank wie die IKB an den Finanzinvestor Lone Star. Das Institut ist auf Pfandbriefe spezialisiert, zu den Kunden zählen Staaten, Kommunen und öffentlich-rechtliche Banken. Lone Star hat auch die Düsseldorfer Hyp zum Verkauf gestellt. Im vergangenen Geschäftsjahr ist die Bilanzsumme um fast ein Fünftel geschrumpft.

Bilanzsumme (2011): 16,62 Milliarden Euro

Entwicklung: minus 19,49 Prozent

BHF_Bank
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Größte Verlierer: Platz 2 – BHF-Bank

Die BHF-Bank entstand 1970 als Berliner Handels- und Frankfurter Bank, bis 2004 gehörte sie zur niederländischen ING-Gruppe. Danach wurde Sal. Oppenheim Alleinaktionär der BHF-Bank. 2010 wurde Sal. Oppenheim von der Deutschen Bank übernommen – und damit auch die BHF. Seitdem will die Deutsche Bank die BHF-Bank verkaufen. Im vergangenen Jahr ist die Bilanzsumme um mehr als ein Viertel zurückgegangen und liegt jetzt unter zehn Milliarden Euro.

Bilanzsumme (2011): 9,41 Milliarden Euro

Entwicklung: minus 26,18 Prozent

Bad Bank der Hypo Real Estate gestartet
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Größte Verlierer: Platz 1 – Deutsche Pfandbriefbank

Die Deutsche Pfandbriefbank (PBB) hat im vergangenen Jahr mehr als 40 Prozent ihrer Bilanzsumme eingebüßt. Und das ist in diesem Fall auch nicht unbedingt schlecht. Denn die PBB ist ein Teil-Nachfolger der Hypo Real Estate (HRE), die in der Finanzkrise mit Milliarden Euro an Steuergeldern gerettet werden musste. Bis 2015 muss die verstaatlichte Immobilienbank wieder privatisiert werden. Das hat die EU bei der Genehmigung der Rettungshilfe festgeschrieben. Wie die Privatisierung vonstatten gehen soll, ist noch offen. Die Altlasten der HRE werden derweil in der Bad Bank FMS Wertmanagement abgewickelt.

Bilanzsumme (2011): 108,78 Milliarden Euro

Entwicklung: minus 41,77 Prozent

DVB_Bank
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Größte Gewinner: Platz 6 – DVB Bank

Die DVB Bank ist auf Verkehrsfinanzierungen wie die Schiffsfinanzierung spezialisiert und gehört zur DZ-Gruppe, dem Dach-Institut der Volks- und Raiffeisenbanken. Trotz der Krise in der internationalen Schifffahrt geht es der Bank gut. Im vergangenen Geschäftsjahr hat die DVB Bank auch bei der Bilanzsumme zulegen können und gehört zu den Gewinner unter den deutschen Kreditinstituten.

Bilanzsumme (2011): 22,03 Milliarden Euro

Entwicklung: plus 14,05 Prozent

  • rtr
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4 Kommentare zu "Krisenbank: IKB noch tiefer in den roten Zahlen"

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  • wie meistens wenn eine Bank in die selbstverschuldete Schieflage gerät:

    1. Politiker sitzen im AR
    2. Ausbildungslücken beim Führungspersonal
    3. kurzfristig hohe Renditen sind im Fokus
    4. man investiert ausserhalb des Kerngeschäfts in "Bananenrepubliken"
    5. Risikocontrolling gibt es nur auf unteren Ebenen

    am Ende begleicht der Steuerzahler die Zeche

  • wer war denn Finanzminister, als das Desaster passierte? Welche Politiker sassen im Aufsichtsrat?

  • Saß damals bei der großen Finanzpleite, bei der die IKB feste mit dabei war, nicht ein Staatssekretär aus dem Bundesfinanzministerium für seinen Chef Steinbrück mit im Aufsichtsrat der Pleite-Bank IKB und hat die typische Aufsichtsrathaltung eingenommen: weder Aufsicht noch Rat. Und sein Chef wusste auch von nichts. Deshalb hängt diese Pleitebank jetzt rum.

  • Ja, mein Gott, 139 Mill. Peanuts.
    Wozu ist der Steuerzahler da?

    Alle für Einen, Einer für Alle! So ist das im Kapitalismus... oder verwechsle ich da mal wieder was?

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