Krisenbank
Milliarden-Poker im Heta-Streit beginnt von vorne

Gläubiger und Eigentümer der Krisenbank Heta wollen einen neuen Anlauf für eine außergerichtliche Einigung nehmen. Nach dem Schuldenschnitt rechnen Experten mit einer Klagewelle von Investoren.

WienIm Streit um die österreichische Krisenbank Heta wollen Gläubiger und Eigentümer einen neuen Anlauf für eine außergerichtliche Lösung nehmen. „Anliegen von Kärnten ist es weiterhin, eine außergerichtliche Lösung zu Stande zu bringen, aber nicht um jeden Preis“, sagte Landeshauptmann Peter Kaiser am Montag.

Nach der geplatzten Offerte des Bundeslandes liege der Ball aber nun bei den Gläubigern. Ungeachtet dessen rechnet Kaiser nach dem von der Finanzmarktaufsicht verhängten milliardenschweren Schuldenschnitt über die Heta mit Klagen von Investoren.

Aus Sicht des Kärntner Politikers müsse nun von den Geldgebern der zusammengebrochenen Skandalbank Hypo Alpe Adria ein Angebot kommen, das sicherstellt, dass es von der Mehrheit der Gläubiger angenommen wird. „Dann kann man vielleicht mit denjenigen, die das auch finanziell sicherstellen, in eine entscheidende Gesprächsrunde kommen“, sagte Kaiser. Schon bei dem Mitte März gescheiterten Vergleichsangebot von Kärnten zum Rückkauf der landesbehafteten Heta-Papiere mit einem Abschlag hatte der Bund für Kärnten die Finanzierung bereit gestellt.

Das südlichste Bundesland ist hoch verschuldet und hat daher Schwierigkeiten, über den Kapitalmarkt frisches Geld zu besorgen.

Die größte Gläubigergruppe, die bisher stets auf eine vollständige Rückzahlung ihrer Forderungen pochte, zeigt sich kompromissbereit. Die Gläubiger seien bereit, eine für alle Beteiligten akzeptable Lösung zu erzielen, hieß es von den Investorengruppe, die eigenen Angaben zufolge Heta-Papiere mit einem Volumen von insgesamt über fünf Milliarden Euro hält. Einen Medienbericht, wonach die Gläubiger zumindest 90 Prozent ihrer Forderungen wollen, wollten eine Sprecherin aber nicht kommentieren. Gespräche soll es bereits am Dienstag in London geben, wo sich Rechts- und Investmentberatern von Gläubigern und Kärnten treffen.

Unabhängig von einer möglichen außergerichtlichen Lösung in dem Streit bereitet sich Kärnten auf Klagen vor. Die Hypo Landesbank Vorarlberg hat bereits eine Klage angekündigt. Auch die große Gläubigergruppe will alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen. Bedeckt halten sich hingegen noch die deutschen Privatbanken.

Es werde nicht so sein, dass die Gläubiger sagten: „Schade, wir hätten gerne 100 Prozent gehabt und bekommen nur 46 Prozent – da haben wir halt Pech gehabt“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB), Michael Kemmer. Er ließ aber offen, ob die Institute rechtlich dagegen vorgehen oder ob sie an neuen Verhandlungen mit Kärnten teilnehmen wollten.

Viele Banken seien aber fest entschlossen, es auf einen Rechtsstreit ankommen zu lassen, sagte ein betroffener Banker zur Nachrichtenagentur Reuters. „Mit dem Schuldenschnitt wird Österreich – der neue europäische Schurkenstaat – nicht durchkommen“.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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