Kriseninstitut: Anglo Irish Bank schürt Angst vor neuer Schuldenkrise

Kriseninstitut
Anglo Irish Bank schürt Angst vor neuer Schuldenkrise

Mit drastischen Mitteln versucht die Regierung in Dublin, einen Schlussstrich unter die irische Bankenkrise zu ziehen. Doch auch die am Mittwoch beschlossene Aufspaltung des größten Sorgenkindes, der Anglo Irish Bank, kann das Misstrauen der Investoren nicht zerstreuen. wächst die Gefahr, dass sich Irland nach Griechenland zum neuen Krisenherd innerhalb der Euro-Zone entwickelt.
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LONDON. Die Risikoaufschläge, die die Anleger für irische Staatsanleihen im Vergleich zu deutschen Papieren fordern, liegen mittlerweile neun Mal so hoch wie im Durchschnitt der Jahre seit der Euroeinführung. Am Markt für Kreditderivate implizieren die Kosten für eine Versicherung gegen den Ausfall von Anleihen von Anglo Irish derzeit eine Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent für eine Zahlungsunfähigkeit.

Die Probleme von Anglo Irish belasten auch das Vertrauen in die anderen irischen Banken. Im September werden 25 Mrd. Euro an Anleihen der drei größten Institute fällig. Experten befürchten, dass diese Rückzahlungswelle die Stimmung in der gesamten Euro-Zone belasten wird. Zwar hat die irische Regierung eine Finanzierungsgarantie für die Banken verlängert, doch die gilt nur für Laufzeiten von bis zu fünf Jahren und läuft Ende 2010 aus. „Die Investoren fragen sich jetzt, was nach Ende des Jahres geschehen soll, die Unsicherheit schürt die Angst“, warnte ein Anleihehändler.

Irlands Banken wurden hart getroffen als 2007 die gigantische Immobilienblase platzte, die sich während des langen Booms auf der Insel aufgebläht hatte. Bei Anglo Irish wurden die Probleme noch durch Unregelmäßigkeiten und Korruption verschärft, sodass die Regierung die drittgrößte Bank der Insel 2009 verstaatlichen musste.

Größte Defizit in der Eurozone

Die irische Schuldenkrise spitzte sich Ende August erneut zu, nachdem die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) die Kreditwürdigkeit des Landes herabstufte, weil die Bonitätswächter fürchteten, dass die Dubliner Regierung die Kosten für die Sanierung der Banken nicht in den Griff bekommt. Mit 14 Prozent schiebt die Insel bereits das größte Budgetdefizit in der Eurozone vor sich her. Um den Finanzsektor zu stabilisieren, gründete Irland im vergangenen Jahr eine nationale Bad Bank, an die die Institute 80 Mrd. Euro an riskanten Krediten auslagern wollen. 36 Mrd. Euro davon stammen allein aus den Anglo-Irish-Büchern. Weil die Bad Bank den Instituten die faulen Darlehen nur mit einem hohen Abschlag abnimmt, lief bei Anglo Irish im ersten Halbjahr ein Verlust von 8,2 Mrd. Euro auf, ein Rekord in der irischen Wirtschaftsgeschichte.

Um die Bankenkrise endgültig in den Griff zu bekommen, beschloss Finanzminister Brian Lenihan am Mittwoch, Anglo Irish in eine reine Einlagenbank und ein zweites Institut aufzuspalten, in das notleidende Vermögenswerte ausgelagert werden sollen. Dieses zweite Institut will die Dubliner Regierung so schnell wie möglich verkaufen oder abwickeln. Langfristig laufen die Pläne auf eine komplette Stilllegung der Bank hinaus. Wie viel zusätzliches Geld die Regierung in Dublin dafür in die Hand nehmen muss, ließ Lenihan aber offen. Erst im Oktober soll die Notenbank den Kapitalbedarf der beiden Teilbanken exakt beziffern. Entsprechend skeptisch reagierten die Analysten. „Ich glaube nicht, dass die Sorgen des Marktes damit zerstreut sind“, warnt Alan McQuaid vom Broker Bloxham. Die Pläne müssen noch von der EU-Kommission abgesegnet werden. Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia sendete am Mittwoch erste positive Signale.

Die Krise um Anglo Irish hatte sich in den vergangenen Tagen zugespitzt. Der Finanzvorstand der Bank, Maarten van Eden räumte ein, dass Sparer ihre Konten leer geräumt hätten. Bereits im ersten Halbjahr sanken die Einlagen um vier Mrd. Euro auf 23,1 Mrd. Euro, gleichzeitig stieg die Abhängigkeit von kurzfristigen Finanzierungsangeboten der Europäischen Zentralbank auf 26,3 Mrd. Euro.

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  • Die Devise auch hier: Zeit gewinnen, indem man ein aktuelles Problem nicht löst, sondern zu einem langfristigen macht.
    So läßt sich zusammen mit nicht gewählten EU-bürokraten-Administratoren überlegen, wie sich ohne großes Aufsehen der Schaden von bis zu 100 Mrd. Euro in möglichst unauffälliger Weise auf die unwissend gehaltenen Steuerzahler in Deutschland und anderswo (wenn das denn noch machbar ist) verteilen läßt. So profitieren wir alle von den großen Vorteilen der europäischen Gemeinschaft - gelle?

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