Kriseninstitut droht Abwicklung: Anglo Irish Bank hat keine Zukunft

Kriseninstitut droht Abwicklung
Anglo Irish Bank hat keine Zukunft

Mit der Anglo Irish Bank dürfte erstmals in der EU ein angeschlagenes Geldhaus vollständig abgewickelt werden. Die Regierung will endlich einen Schlussstrich ziehen und das Fass ohne Boden schlichtweg loswerden. Das Beispiel könnte Schule machen – auch im Fall der deutschen WestLB.
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LONDON/BRÜSSEL. Irland will so schnell wie möglich einen Schlussstrich unter die katastrophale Bankenkrise ziehen, die die Insel erschüttert. Weil sich vor allem das größte Sorgenkind, die Anglo Irish Bank, als Fass ohne Boden entpuppt, wird eine Abwicklung der maroden Bank immer wahrscheinlicher.

Gestern traf sich der irische Finanzminister Brian Lenihan in Brüssel mit Eu-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia, um das Problem zu diskutieren. Eine Entscheidung über die Zukunft von Anglo Irish will die EU zwar erst Ende des Monats treffen. Und offiziell prüft die Regierung in Dublin nach wie vor die Aufspaltung des Instituts in einen überlebensfähigen Teil und eine sogenannte Bad Bank. Doch alles, was derzeit in der EU-Kommission und Brüsseler Finanzkreisen zu hören ist, spricht für eine Abwicklung. „Wir können eine Entscheidung nicht mehr auf die lange Bank schieben. Die Stunde der Wahrheit naht“, heißt es in der Kommission. Die EU wolle das Institut schließen, räumte auch Mike Aynsley, der Vorstandschef von Anglo Irish, in einem Interview ein. Eine Abwicklung des maroden irischen Geldhauses erfolgte nach Informationen aus Finanzkreisen schonend über einen Zeitraum von zehn bis 15 Jahren. Die Regierung in Dublin würde sämtliche Einlagen garantieren.

Irland droht zum Risiko für die gesamte Euro-Zone zu werden

In Brüssel gelten die aus dem Ruder laufenden Kosten für die Sanierung von Anglo Irish als enormes Risiko für die Kreditwürdigkeit Irlands. An den Kapitalmärkten geht seit Monaten die Angst um, dass Irland nach Griechenland zum nächsten Krisenherd der Euro-Zone wird. Die vollständige Abwicklung von Anglo Irish wäre eine Premiere nach der Finanzkrise. Bislang haben die Wettbewerbshüter der EU trotz der schweren Verwerfungen an den Märkten kein bedeutendes Geldhaus vollständig geschlossen. Kartellrechtsanwälte warnen allerdings vor zu großer Eile. Die Kollateralschäden seien völlig unklar.

Tatsächlich könnte der Umgang der Kommission mit Anglo Irish auch Folgen für den Fall der angeschlagenen WestLB in Deutschland haben. Ein mit dem Fall vertrauter Finanzexperte hält das nicht für ausgeschlossen. Es sei zwar nicht neu, das die Kommission über die Abwicklung einer Bank rede. Die Entschlossenheit in Sachen Anglo Irish zeige aber, dass Brüssel nicht mehr unbedingt bereit sei, nationalem politischem Druck nachzugeben.

Die WestLB beschäftigt die Wettbewerbshüter seit Jahren. Im laufenden Beihilfeverfahren geht es um den Einstieg des Bundes sowie um die Bad Bank, in die das Institut faule Kredite ausgelagert hat. Der deutsche Bankenrettungsfonds Soffin beteiligt sich mit mindestens drei Mrd. Euro an der Sanierung. Gleichzeitig hat die WestLB 85 Mrd. Euro an Risikopapieren an die Bad Bank abgeschoben. Den Auflagen der Kommission zufolge muss die Kernbank bis Ende 2011 verkauft werden. Gelingt das nicht, soll ein von der EU eingesetzter Treuhänder die Bank notfalls für einen Euro losschlagen – oder abwickeln.

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  • interessant, wenn die Juristen vor Kollateralschäden warnen.

    Die Schäden sind doch längst da, es geht doch nur noch darum wer sie bezahlt.

    Leider wurden letztendlich bisher in Deutschland die banken nur unwesentlich in die Haftung genommen.
    Auch die fetten Gehälter und boni der bankangestellten und Manager sind nicht angegriffen worden.

    Gezahlt wird das teilweise vom "kleinen Mann" der sich mit einem Job bei einer Zeitarbeitsfirma über Wasser hält und mindestens über die Mehrwertsteuer seinen Anteil an der Sanierung leistet.
    Aber auch viele ander Mitbürger, die nichts dafür können, bluten dafür, dass die banken schon wieder in der Gewinnzone arbeiten und die Mitarbeite beste Gehälter bei hervorragenden Zusatzleistungen erhalten können.

    Dies ist nicht gerecht und gehört dringend geändert.

    Jedes normale industrieunternehmen wäre in Konkurs gegangen.

    Deswegen denke ich:
    bei den banken keine boni, Gratifikationen, kein Urlaubsgeld, kein Weihnachtsgeld mehr und Senkung der bezüge um mindestens 10%.
    bitte bedenken: Jedes andere Unternehmen wäre in Konkurs und viele Mitarbeiter würden inzwischen uner H4 fallen.

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