Krisenschutz
Deutsche Bank muss bald mehr Kapital halten

Die Londoner Finanzwächter segnen Zuschläge für Großbanken ab. Sie sollen verhindern, dass systemrelevante Banken zu große Risiken eingehen. Dazu gehört eine Erhöhung des Kapitalpuffers - auch für die Deutsche Bank.
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ParisNeben den Aktionären sollen künftig auch die Anleihekäufer bei der geordneten Abwicklung einer Großbank nicht ungeschoren davonkommen. Der Finanzstabilitätsrat (FSB) beschloss am Montag, dass auch die Fremdkapitalgeber Verluste hinnehmen sollten, wenn eine Bank aufgefangen werden muss. Das gab der stellvertretende Chef der Bank of England, Paul Tucker, in Paris bekannt. Das Gremium unter Führung des künftigen EZB-Präsidenten Mario Draghi will damit der Gefahr entgegenwirken, dass die sogenannten systemrelevanten Banken Vorteile bei Investoren genießen, weil sie als so groß und bedeutend gelten, dass sie in der Krise immer vom Staat gerettet würden. Wie eine „geordnete Insolvenz“ eines weltweit verflochtenen Instituts vonstattengehen könnte, ist aber noch unklar.

Um zu verhindern, dass systemrelevante Institute dank der Überlebens-Garantie zu große Risiken eingehen, sollen sie auch mehr Eigenkapital vorhalten als andere. Zu den sieben Prozent Grundkapital und Gewinnrücklagen, mit denen künftig alle Banken ihre Bilanzrisiken unterlegen müssen, kommen bei ihnen Zuschläge von 1,0 bis 2,5 Prozent, die nach der Größe und Vernetztheit im Finanzsystem gestaffelt sind. Der FSB, der die Lenker der G20-Staaten bei der Neuordnung des Finanzsektors berät, folgte damit den Beschlüssen der Bankenaufseher im Baseler Ausschuss Ende Juni.

Die Experten um Draghi stellten auch klar, dass für diesen Risiko-Zuschlag nur echtes Eigenkapital verwendet werden soll.

Sogenannte CoCo-Bonds - Pflichtwandelanleihen, aus denen in einer Krise automatisch Eigenkapital wird - bleiben damit außen vor. Das zusätzliche Kapitalpolster soll von 2016 an über drei Jahre aufgebaut werden.

Das letzte Wort bei den Beschlüssen haben die G20-Staaten im November. Der FSB ließ erneut offen, welche und wie viele Banken als systemrelevant eingestuft werden. In der Branche wird mit einer Zahl von 16 bis 30 Instituten gerechnet. Liegt die Zahl nahe bei 30, dürfte neben der Deutschen Bank auch die Commerzbank in diesen Kreis aufgenommen werden.

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hatte gesagt, dass der deutsche Branchenprimus zu den Instituten mit dem höchsten Zuschlag von 2,5 Prozent gehören werde. Er erwartet, dass die Eigenkapitalregeln für systemrelevante Banken bald zum Standard in der Branche werden, weil andere Institute im Buhlen um das Geld der Investoren nachzögen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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