Krisenstimmung: Rückversicherer kämpfen mit sinkenden Preisen

Krisenstimmung
Rückversicherer kämpfen mit sinkenden Preisen

Beim Branchentreffen in Monte Carlo klagen die Spezialisten für Großschäden über eine mangelnde Nachfrage nach ihren Policen. Und die Bilanzen des ersten Halbjahres sind tiefrot gefärbt. Stürme in Europa, Überschwemmungen und Erdbeben haben die Lasten in die Höhe getrieben.
  • 0

MONTE CARLO. Die Welt der Rückversicherer ist voller Widersprüche. Die Versicherer der Versicherer mögen eigentlich keine Hurrikans, Erdbeben oder Umweltkatastrophen, weil solche Verwüstungen sie meistens viel Geld kosten. Doch ohne richtig gewaltige Schäden kommt die Branche auch nicht aus, weil sonst die Preise für ihre Policen wie in diesem Jahr weiter fallen.

Dieses Dilemma ist seit gestern das Hauptthema auf dem alljährlich stattfindenden Branchentreffen in Monte Carlo. 2 500 Versicherer diskutieren in Tausenden von Einzelgesprächen bis Donnerstag, wie die Versicherungspreise in den Verträgen ab 2011 taxiert werden sollen.

Bevor die jährliche Messe der Rückversicherer heute richtig losgeht, haben gestern schon die großen Ratingagenturen wie Standard & Poors oder Moody's und die Versicherungsbroker wie Aon Benfeld oder die MMC-Tochter Guy Carpenter ihre Sicht der Lage an die Teilnehmer verbreitet.

Die Botschaften der Beobachter lauten alle ähnlich: Die Rückversicherer haben zu viel Kapital auf der hohen Kante, für das sie lukrative Ziele suchen. Vor allem aber ist die Nachfrage der Erstversicherer zu gering. Das bedeutet sinkende Preise – und das obwohl die Rückversicherer im ersten Halbjahr so schlechte Bilanzen vorlegten wie seit fünf Jahren nicht mehr. Damals verwüstete Hurrikan Katrina das Zahlenwerk der Branche. Im wichtigen Vergleich von gezahlten Prämien sowie Schäden und Kosten blieb eine Lücke von mehr als 20 Prozent.

So schlimm war es im ersten Halbjahr 2010 nicht, doch eine kombinierten Schaden- und Kostenquote, im Jargon Combined Ratio genannt, von 102,5 Prozent beunruhigt die Manager dennoch. Die Kosten fielen also höher aus als die Prämien, im Kerngeschäft schrieben die Versicherer damit Verluste. Stürme in Europa, Überschwemmungen und Erdbeben haben die Lasten der Branche im ersten Halbjahr in die Höhe getrieben.

Seite 1:

Rückversicherer kämpfen mit sinkenden Preisen

Seite 2:

Kommentare zu " Krisenstimmung: Rückversicherer kämpfen mit sinkenden Preisen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%