Kryptowährungen
Die Banker und die Bitcoins

Die Digitalisierung ist derzeit das wichtigste Thema in der Finanzindustrie. Alle reden vom technischen Fortschritt, von Innovationen und radikalem Wandel. Wie stehen die Banker eigentlich zu Bitcoins? Ein Stimmungsbild.
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FrankfurtFür Banker gehört Veränderung zum Tagesgeschäft. Erst recht seitdem der technologische Wandel und die Digitalisierung die Finanzbranche dominieren, Apps die Filialen ersetzen, Robo-Advisor das Investieren übernehmen und Geld binnen Sekunden via Facebook hin und her geschickt werden kann. Bei Bitcoins und anderen digitalen Währungen jedoch, da schrecken viele aus der Finanzindustrie noch zurück.

„Bitcoins sind ja noch gar nicht vernünftig investierbar“, lästert etwa der Banker einer großen europäischen Bank, der lieber anonym bleiben will. Er meint: Es gibt noch keine Exchange Traded Tunds (ETFs), über die man in Bitcoins und eventuell andere sogenannte Kryptowährungen investieren könnte. Derzeit kann man das digitale Geld nur direkt über verschiedene Börsen handeln.

Und hätte er es getan – zum Beispiel Anfang des Jahres einen Bitcoin gekauft – dann wäre er jetzt 80 Prozent mehr wert. Trotzdem ist der Banker nicht überzeugt. „Ich würde sie lieber shorten“, sagt er, also auf fallende Kurse setzen. „Das ist doch alles eine Blase.“ Doch auch das ist im Moment nicht möglich.

Thomas Ullrich, Vorstand der DZ-Bank, ist Bitcoins gegenüber ebenfalls skeptisch eingestellt. „Ich glaube nicht, dass sich das durchsetzen wird“, stellt er auf der Handelsblatt-Bankentagung „Banken im Umbruch“ klar. Ähnlich klingt es bei Visa. „Für bestimmte Business-to-Business-Transaktionen vielleicht“, sagt Albrecht Kiel, der bei dem weltgrößten Kreditkartenkonzern für Zentraleuropa zuständig ist. „Aber dass es mittelfristig eine Massenanwendung werden wird, das sehe ich eher nicht.“

Bitcoins sind umstritten. Die einen glauben, sie könnten sich als neue globale Währung durchsetzen. Vielleicht sogar so etwas wie der neue Goldstandard werten. Bitcoins sind endlich, nur 21 Millionen können insgesamt geschürft werden. Das Verschicken von Bitcoins passiert binnen Sekunden, dafür wird keine Bank gebraucht. Es bedarf auch keiner Notenbank, um neue Bitcoins zu schaffen. Die Krypotwährung untersteht jedoch auch nicht der Kontrolle einer Zentralbank, die die Geldmenge regulieren und im Notfall eingreifen könnte.

Der Bitcoin-Kurs schwankt stark. Das hat einige Menschen sehr reich gemacht. 2012 kostete ein Bitcoin noch rund drei Dollar. 2013 schon mehr als 1000. Derzeit ist ein Bitcoin über 4000 Dollar wert.

Doch starke Kursschwankungen in die andere Richtung gehören ebenfalls zum Alltag. Allein am Freitag verlor der Kurs gut zehn Prozent. Nachrichten über strengere Regulierungsvorschriften aus China haben den Preis bereits in den Tagen zuvor einbrechen lassen. Vielen in der Finanzindustrie ist das – bei aller Liebe zur Innovation – dann doch zu unsicher, zu kompliziert, zu riskant. Wirtschaftsnobelpreisträger Robert Shiller hat erst am Mittwoch vor einer Bitcoin-Blase gewarnt.

„Meine Kinder haben Bitcoins, ich nicht“, sagt Larry Thompson, der Chef des einflussreichen Clearing-Hauses DTCC. Was längst nicht heißt, dass viele junge Investoren, gerade in Europa, in die Kryptowährung investiert sind. „Bitcoin ist ein ganz spannendes Thema, sicher auch eines, das bei N26 in den nächsten Jahren mal aktuell werden wird“, sagt Valentin Stalf, Gründer und Chef des Banking-Start-ups N26. Doch er selbst hält nur „einen einzigen Bitcoin irgendwo in einem Wallet“. Auch Christian Dierssen vom Robo-Advisor Scalable Capital winkt ab. „Klar, wenn man sich den Kurs heute anschaut, dann hätte man vielleicht einsteigen sollen“, räumt er ein. „ Aber es ist nicht reguliert und einfach noch zu unsicher.“

Die Quote der Bitcoin-Fans ist einzig bei jenen in der Finanzindustrie hoch, die mit Technologie zu tun haben. „Ich will die Technologie nicht nur passiv sondern auch aktiv verstehen“, sagt etwa Dirk Emminger vom Software-Anbieter Temenos, der Bitcoins und weitere Kryptowährungen hält. Önder Yilmaz, der bei der MHB-Bank für IT-Security zuständig ist, glaubt auch an das Potenzial, ist ein Fan der Währung Iota, die vor allem für das Bezahlen von Maschine zu Maschine eingesetzt wird.

Blase hin oder her: Überzeugt sind alle, dass die Blockchain-Technologie, auf die der Bitcoin basiert, auf jeden Fall die Finanzindustrie verändern wird. Die großen Institute stellen sich gerade darauf ein.

Astrid Dörner ist Korrespondentin in New York.
Astrid Dörner
Handelsblatt / Deskchefin Agenda

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