Kuriose Anwerbemaßnahmen Die sichere Bank im Stade de France

Frankreichs Banken brauchen dringend neue Mitarbeiter und greifen dabei zu immer ausgefalleneren Mitteln. Das gilt auch für die Großbank Société Générale. Sie nutzt etwa das Stade France, das Fußballstadion im Pariser Stadtteil Saint Denis, zu ungewöhnlichen Anwerbemaßnahmen.
Das Stade de France in Paris wartet auf Gäste und manchmal auch ungewöhnliche Bewerbungsverfahren. Foto: dpa

Das Stade de France in Paris wartet auf Gäste und manchmal auch ungewöhnliche Bewerbungsverfahren. Foto: dpa

PARIS. Es gibt Sportstätten, die haben ihren eigenen Mythos. Wie das Stade de France in Saint Denis bei Paris. Hier schossen Zinedine Zidane und seine Mannschaftskameraden Frankreich 1998 zum Fußball-Weltmeister. Im nächsten Jahr hofft hier die französische Rugby-Mannschaft, bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land ebenfalls Großes zu vollbringen.

Auch Alisson Coiffard, Sonia Desousa und Foqiyah Dabo sind an diesem Montag ins Stade de France gekommen, um zu siegen. Die drei Frauen Anfang 20 treten aber in keiner sportlichen Disziplin an. Sie wollen einen Job. Die Großbank Société Générale hat sie und 357 weitere Kandidaten in Frankreichs berühmtestes Stadion eingeladen. Die Bank nutzt die Sportstätte für eine zweitägige Massenrekrutierung.

Nun sitzen die drei jungen Frauen in gepflegten Kostümen mit sieben anderen Bewerbern in einer der lederbestuhlten Logen des Stadions und müssen ihren ersten Test meistern: „Sie bilden drei Arbeitsgruppen und müssen Argumente entwickeln, warum ein Supermarktleiter das von Ihrer Gruppe vertretene Mineralwasser Vittel, Taillefin oder Evian am besten in seinem Laden platzieren soll“, erklärt Aline Fontaine von der Personalabteilung. „Sie haben fünf Minuten Zeit.“ Konzentriert machen sich die Bewerber an die Arbeit. Niemand hat Zeit, durch das große Fenster ins Innere des Stadions zu schauen, wo die Aufbauarbeiten zur großen „Ben- Hur-Show“ laufen.

Frankreichs Banken brauchen dringend neue Mitarbeiter und greifen mittlerweile zu ungewöhnlichen Anwerbemaßnahmen. Während die deutschen Wettbewerber ein Kostensenkungsprogramm nach dem anderen auflegen (siehe „Gute Chancen im Ausland“) , haben Häuser wie BNP Paribas, Société Générale und Crédit Agricole den Vorwärtsgang eingelegt. Das Inlandsgeschäft brummt, zudem geht die Generation der Baby-Boomer bald in Rente. Die Perspektiven sind gut: „Der französische Markt wächst weiter“, meint Philippe Citerne, Vorstandsmitglied der Société Générale, „wir suchen Leute auf Dauer.“ Auch er ist ins Stadion gekommen, um den jungen Leuten Mut zu machen.

Auf den Fluren des Stadions verfolgt Frédéric Vaquie, Direktor der Personalabteilung, zufrieden das Geschehen. „Wir suchen für unsere Filialen im Großraum Paris neue Kundenberater für Standardprodukte, Mitarbeiter für das Backoffice und die Callcenter“, erklärt er. Die zweitägige Einstellungsbörse im Stade de France veranstaltet die Großbank bereits zum zweiten Mal. „Vergangenes Jahr haben wir von 300 Kandidaten 130 eingestellt, dieses Jahr hoffen wir, noch mehr Leute zu finden“, sagt Vaquie.

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