Landesbank-Konzept

Armutszeugnis für Deutschland

Das Konzept für die WestLB steht - für viele Mitarbeiter ist es ein Ende mit Schrecken. In diesem Fall muss man der EU höchst dankbar sein, denn ohne ihren Druck hätte das Siechtum noch länger gedauert.
11 Kommentare
Mehr als nur Müll: Die WestLB hat eine Zukunft - aber nur ein kleiner Teil. Quelle: dpa

Mehr als nur Müll: Die WestLB hat eine Zukunft - aber nur ein kleiner Teil.

(Foto: dpa)

Danke, Herr Almunia. Ohne den permanenten Druck des EU-Wettbewerbskommissars wäre den WestLB-Eignern bestimmt wieder etwas eingefallen, was das Siechtum der WestLB nur verlängert hätte. Jetzt haben sich die Protagonisten einschließlich des Bundes auf einen Umbauplan verständigt, der die Auflösung der WestLB vorsieht.

Das wird wieder Geld kosten, aber dieses Mal ist es gut investiert. Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Diese Bank hat Milliarden verschlungen und hat es dennoch nicht vermocht, ein nachhaltiges Geschäftsmodell auf die Beine zu stellen. Die WestLB ist ein abschreckendes Beispiel dafür, wie eine Bank erst in den Dienst der Politik gestellt wurde und sich dann in der Geschäftspolitik vergaloppierte – und immer wieder gestützt werden musste. Die einzige Konstante schien manchmal der Wechsel an der Spitze des Vorstandes zu sein.

Management, Aufsichtsrat und die Politik haben bei der WestLB kläglich versagt. So scheiterten Gespräche über eine Fusion von WestLB mit anderen Landesbanken an Standortfragen – der ehemalige CDU-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers wird sich erinnern. Blamiert hat sich auch der Bund, der zwar mit drei Milliarden Euro in die Landesbank einstieg und endlich ein Faustpfand in den Händen hielt, um die Geschicke der Landesbank in seinem Sinn zu beeinflussen. Davon hat man nichts gemerkt, der Einstieg scheint an keine Auflagen geknüpft gewesen zu sein.

Es ist schon ein Armutszeugnis für Deutschland, dass keiner den Mumm hatte, die Reißleine zu ziehen. Letztlich musste die EU-Kommission die Geschicke der WestLB in die Hände nehmen, um den Beihilfenstrom zu stoppen und den Steuerzahler zu schonen. Aber wie gut, dass es passiert ist.

Startseite

Mehr zu: Landesbank-Konzept - Der Umgang mit der WestLB ist ein Armutszeugnis für Deutschland

11 Kommentare zu "Landesbank-Konzept: Der Umgang mit der WestLB ist ein Armutszeugnis für Deutschland"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Ja dann lösen wir doch als erste Bank die Deutsche Bank auf, denn deren Gewinn resultiert zu 70 % aus Spekulationsgeschäften !

  • Die EU hat das Problem ja erst durch das Streichen der Gewährträgerhaftung hervorgerufen. Die Gewährträgerhaftung war eine für die Länder völlig kostenfreie Möglichkeit, ihren Landesbanken günstige Finanzierungsmittel zu besorgen: Ein Segen für die mittelständische Wirtschaft vor Ort. Denn dadurch gab es günstige Finanzmittel und die Haie der privaten Banken wurden in Schach gehalten.Nach dem Wegfall der Gewährträgerhaftung mußten die Landesbanken ihr Gewinnstreben forcieren, weil sie Eigenkapital aufbauen mußten und nicht - wie die privaten Banken - einfach über die Börse Eigenkapital einsammeln konnten. Die Lobby der Privatbanken in Brüssel ist die Ursache der Probleme der Landesbanken!

  • Die Beispiele IKB und WestLB zeigen wie schnell und spurlos angeblich "systemrelevante" Banken überflüssig werden, ohne dass die Finanzwirtschaft nennenswert davon betroffen wird. Das macht Mut, endlich auch andere überflüssige Banken, die außer der Zinsspekulation kein nachhaltiges Geschäftsmodell besitzen, vom Markt zu nehmen.
    Diesey

  • Die WestLB war immer Wahrzeichen für eine besondere Form von Filz und Arroganz. Weitere Aufgaben waren kaum zu erkennen. Es ist weiss Gott nicht schade darum. Gleichwohl ist bemerkenswert, wie alle deutschen Regierungen vor der EU kuschen und jedes Anzeichen von Souveränität vermissen lassen. Dabei durften die deutschen Steuerzahler gleichzeitig auf Betreiben der EU marode irische Banken gegen jede Regel freikaufen. Aber keine deutscher Politiker kann einen Zusammenhang erkennen, geschweige rhetorisch im Sinne einer deutschen Eigenständigkeit nutzen.

  • Und so sagte der Herr am siebten Tag. Ihr Bad-Banker werdet alle in der Hölle schmoren und das Feuer mit euren schlechten Papieren am brennen halten.

  • Herr Drost hat offensichtlich mit am Verhandlungstisch gesessen, als es im vergangenen Herbst um das Zusammengehen zwischen der WestLB und der Bayern LB ging. Mich würde konkret interessieren, wo da Herr Voigtländer "kläglich versagt" hat. Die BayernLB hat damals kalte Füße bekommen, und hat Ihren Vorstandsvorsitzenden im Regen stehen lassen. Das war aber nicht das Versagen der WestLB. Mich stört schon seit langem bei den verantwortlichen Redakteuren des Handelsblattes,das Sie nur wenig wissen aber trotzdem zu allem eine Meinung haben.Im Februar hat die WestLB einen eigenen detaillierten Vorschlag zur Verkleinerung der WestLB gemacht, der einfach von der EU Kommission/Almunia ohne nähere Begründung weggewischt wurde. Detaillarbeit liegt den Brüsselanern auch nicht gerade. Wie sagte Herr Voigtländer vor kurzem: sein Traumjob nach seiner Zeit bei der WestLB wäre die EU Kommission. Da hätte man mehr Macht als der Papst....

  • Ich kann Benutzer JID nur Recht geben. Ich habe auch den Eindruck, dass sich das Handelsblatt seit Jahren an den Nöten der Mitarbeiter der WestLB weidet. Ständig diese reisserischen Überschriften und Kommentare a la Bild Zeitung. Da kann man auch nur feststellen, dass dieses ehemals seriöse und stolze Wirtschaftsblatt ganz schön runter gekommen ist. Mit einer fairen Berichterstattung hat das nicht mehr viel zu tun. Nun, eine kleine Genugtuung gibt es doch. Das HB wird sicherlich ein paar Abonnenten weniger in Düsseldorf haben. Wenn die WestLB dann weg ist, werden sie sich aber sicher ein neues Opfer suchen.

  • Der Artikel und die Kritik des HB sind durchaus gerechtfertigt, denn keine Bank die sich in so einer Weise selbstzerstörerisch verhält und immer und immer wieder gerettet werden musst, hat es verdient noch als Bank bestehen zu dürfen. Die West LB ist wirklich kein unbeschriebenes Blatt und war bei jeder großen Finanzkrise ganz vorne mit dabei (man denke nur damals an die LTCM Krise usw). Es darf nicht sein, dass ein solches Institut weiterhin in einem vertrauenbasierten Umfeld arbeitet und Geschäfte fernab Ihres eigentlichen Geschäftmodells macht.

  • Die Zerschlagung des öffentlich-rechtlichen Kreditwesens ist schon lange Ziel des Privatbankensektors in Deutschland. Nun sind sie diesem Ziel ein Stück näher gekommen. Und der Steuerzahler läßt sich die Zerschlagung "seiner" Banken noch zusätzlich einiges kosten. Wenn die Kunden später 950,-- Pfund für ihr Konto jährlich zahlen müssen wie in GB und 50 km zum nächsten Beratungsgespräch unterwegs sind, haben die Privatbanken endlich ihr Ziel erreicht. Höchstselbst haben sie ihre faulen Papiere an die IKB und an die HRE weitergeleitet. Dass das Handelsblatt sich interessengeleitet hier zum Kofferträger macht ist bedauerlich, muss aber auch nicht verwundern!

  • "Letztlich musste die EU-Kommission die Geschicke der WestLB in die Hände nehmen, um den Beihilfenstrom zu stoppen und den Steuerzahler zu schonen. Aber wie gut, dass es passiert ist."

    Wenn die EU nur bei Griechenland genauso konsequent wäre! Dass es für die Betroffenen nicht schön ist (s. Beitrag von JID) und sie es auch persönlich nehmen, ist verständlich, darf aber nicht den Blick für das Notwendige verstellen. Der Finanzsektor ist überdehnt und generiert Instabilität weil kein ausreichendes realwirtschaftliches Geschäftsmodell vorhanden ist. Besonders die Landesbanken haben mit dem Wegfall der Gewährträgerhaftung vor ein paar Jahren ihr Geschäftsmodell verloren und sind deshlab anfällig für "windige Geschäfte" die ihnen (und indirekt dem Steuerzahler) nun zum Verhängnis werden geworden.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%