Landesbanken: Bieterkampf um die WestLB geht in heiße Phase

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Bieterkampf um die WestLB geht in heiße Phase

Eine Fusion mit der BayernLB ist nicht die einzige Option für das angeschlagene Düsseldorfer Institut. In dieser Woche startet der offizielle Verkaufsprozess für die Landesbank. Vor allem für ausländische Investoren bietet die WestLB einen attraktiven Einstieg in den deutschen Markt.
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BERLIN/FRANKFURT. Der in dieser Woche startende Verkaufsprozess für die WestLB wird mit gleicher Intensität verfolgt wie die angekündigten Fusionsverhandlungen mit der BayernLB in München. „Wenn in den vergangenen Tagen der Eindruck entstanden ist, man setze nur auf die Fusion beider Landesbanken, dann ist das sicher eine falsche Einschätzung“, hieß es am Wochenende in Finanzkreisen.

Willkommen sind vor allem Bieter aus dem Ausland – Geschäftsbanken und Finanzinvestoren. Die Chancen seien gut, einen solchen Interessenten zu finden, hieß es weiter. Die Verankerung der WestLB in Nordrhein-Westfalen erschließe einer ausländischen Adresse einen hervorragenden Zugang in das industrielle Kernland. Der Verkaufsprospekt wird am Donnerstag veröffentlicht.

Aber auch die Verhandlungen mit der BayernLB kommen voran. Wie am Wochenende bekannt wurde, sind die Pläne zu Fusion von BayernLB und WestLB bereits konkreter, als bisher bekannt war. Nach Informationen des Handelsblatts aus Finanz- und Berliner Regierungskreisen haben die beiden Banken sogar schon eine Lösung vorbereitet, wie der Bund die staatliche Hilfe von drei Mrd. Euro, die in Form einer stillen Einlage an die WestLB geflossen ist, zurückbekommt.

So ist in dem internen Modell „Landesbank neu“ vorgesehen, dass der Bund nach dem Zusammenschluss beider Institute von seiner Option Gebrauch macht, die stille Einlage in Aktien zu wandeln. In dem Fall würde der Bund 16 Prozent an der neuen Landesbank halten, hieß es in den Kreisen. „Die Anteile sollen anschließend den Sparkassen oder privaten Investoren zum Verkauf angeboten werden“, sagte eine mit den Verhandlungen vertraute Person dem Handelsblatt.

Wie der Bund die milliardenschwere Staatshilfe zurück bekommt, ist demnach ein wesentlicher Bestandteil der Pläne. Gleichwohl weist man im Umfeld der Banken daraufhin, dass zunächst einmal geprüft werden müsse, ob ein Zusammenschluss aus betriebswirtschaftlichen Überlegungen überhaupt sinnvoll sei. Außerdem gibt es noch keine Bewertungsgutachten. In Finanzkreisen heißt es, die WestLB sei in ihrer Restrukturierung schon viel weiter als die BayernLB. Die Düsseldorfer haben ihr In- und Auslandsnetz stark gestrafft; am vergangenen Freitag verkauften sie auch ihre Luxemburger Tochter WestLB International S.A an die Dekabank in Frankfurt. Außerdem hat die WestLB toxische Wertpapiere und nicht mehr zur Strategie passende Geschäftsbereiche im Volumen von 77 Mrd. Euro in eine Bad Bank ausgelagert. Die Münchener Landesbank brauche ebenfalls eine Lösung für die auf der Bilanz isolierten Risikopositionen. „Die Nutzung einer Bad Bank durch die Bayern ist auf jeden Fall eine wichtige Überlegung in dem Prozess“, hieß es weiter.

Der Bund will vor allem eines: sein Geld zurück

Das Bundesfinanzministerium achtet vor allem darauf, dass man nur Lösungen unterstützt, mit denen der Bund seinen bereits geleisteten Beitrag zur Stabilisierung der Landesbanken zurückbekommt. Mittlerweile rechnen die Experten von Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) aber damit, dass sie die Staatshilfe von drei Mrd. Euro nicht vollständigen realisieren werden.

An diesem Dienstag hat Finanzminister Schäuble die Finanzminister der Länder mit Landesbanken und die Sparkassen-Präsidenten zu einem ersten Gespräch zur Neuordnung des Sektors eingeladen. Entscheidungen werden aber nicht erwartet. Auch hat das Bundesfinanzministerium klar gemacht, dass man kein bestimmtes Modell der Landesbankenkonsolidierung bevorzuge. Gleichwohl hält Finanzminister Schäuble den Druck hoch: Bis zum Jahresende sollen die ersten Weichen gestellt sein. In Finanzkreisen hieß es, noch vor Weihnachten werde man wissen, welcher Interessent oder Fusionspartner in die Endrunde kommt.

Eine Schlüsselrolle für die Zukunft der WestLB spielt der Rechtsanwalt und frühere Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Friedrich Merz. Er wurde zum Veräußerungsbevollmächtigten bestellt und muss bis zum 30. September 2011 einen Vertragsabschluss präsentieren. Der Vollzug ist dann für Ende des kommenden Jahres vorgesehen.

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